Der Einfluss von Gewalt auf den Verlauf der Menopause9. Juli 2026 Symbolbild © Marius Venter/peopleimages.com/stock.adobe.com Eine neue spanische Studie bringt erlebte Gewalt mit einem bis zu 20 Monate früheren Eintritt der Menopause sowie einer Zunahme von Hitzewallungen, Depressionen und kardiometabolischen Gesundheitsproblemen in Verbindung. Eine Untersuchung der Abteilung für Geburtshilfe und Gynäkologie der Universität Granada (Spanien) hat ergeben, dass Gewalt gegen Frauen im Laufe des Lebens nachhaltige Auswirkungen hat, die bis ins mittlere Alter reichen. Die in der Fachzeitschrift „Maturitas“ veröffentlichte Studie zeigt, dass Frauen, die Gewalt erfahren haben, unter stärkeren Wechseljahresbeschwerden leiden und die Menopause bis zu 20 Monate früher erreichen können als Frauen ohne eine solche Vorgeschichte. Die Studie weist darauf hin, dass auf jede Frau, die infolge von Gewalt stirbt, mehr als 400 Frauen kommen, die schwere Behinderungen erleiden, deren Spätfolgen oft mit den Wechseljahren verwechselt oder durch diese verschlimmert werden. Die Analyse der wissenschaftlichen Datenlage deutet durchgehend darauf hin, dass Frauen, die Opfer jeglicher Form von Gewalt geworden sind, ausgeprägtere Wechseljahresbeschwerden aufweisen. Dazu gehören intensivere und häufigere Hitzewallungen und nächtliche Schweißausbrüche (vasomotorische Symptome) sowie – im psychischen Bereich – eine höhere Prävalenz von Angstzuständen, Depressionen, Schlafstörungen und posttraumatischer Belastungsstörung (PTBS). Im sexuellen und urogenitalen Bereich kommt es zu einer Zunahme von Scheidentrockenheit, Schmerzen beim Geschlechtsverkehr (Dyspareunie) und Harnwegsproblemen, insbesondere nach Vorfällen sexueller Gewalt. Ein um bis zu 20 Monate früherer Eintritt Eines der bemerkenswertesten Ergebnisse der Studie ist der Zusammenhang zwischen Gewalt und einem früheren Eintritt der Menopause. Frauen, die Traumata erlebt haben, können dieses Stadium bis zu 20 Monate früher erreichen als Frauen ohne eine solche Vorgeschichte, was das Risiko einer prämaturen Ovarialinsuffizienz erhöht. Eine Gewalterfahrung in der Vorgeschichte ist zudem mit systemischen Gesundheitsproblemen im späteren Leben verbunden. Im kardiometabolischen Bereich steigt das Risiko für Bluthochdruck, Diabetes und das metabolische Syndrom, begünstigt durch chronischen Stress und Entzündungsprozesse. Hinsichtlich der Knochengesundheit erhöht sich das Risiko für Osteoporose und Knochenbrüche. Zudem wird häufiger von Gedächtnis- und Aufmerksamkeitsstörungen berichtet, die mit einer Fehlregulation der Stressachse und Neuroinflammation in Zusammenhang stehen. Biologische Mechanismen und die verborgene Krankheitslast Die Forschungsergebnisse deuten darauf hin, dass zu den Mechanismen hinter diesen Auswirkungen eine Fehlregulation der Hypothalamus-Hypophysen-Nebennierenrinden-Achse sowie durch traumatischen Stress verursachte epigenetische Veränderungen gehören. Diese Faktoren tragen bei Frauen nach der Menopause zu einer verminderten Lebensqualität in körperlicher, psychischer und sexueller Hinsicht bei und schaffen so eine „verborgene Krankheitslast“. Die Autoren weisen darauf hin, dass „Gewalt gegen Frauen ein kritisches Problem der öffentlichen Gesundheit darstellt, dessen Auswirkungen noch Jahrzehnte nach dem Übergriff fortbestehen“, und betonen daher die dringende Notwendigkeit, in Kliniken, die auf die Lebensmitte und die Menopause spezialisiert sind, ein traumainformiertes Versorgungsmodell zu etablieren. Dies umfasst die Gewährleistung der Privatsphäre, die Durchführung proaktiver Screenings auf sexuell übertragbare Infektionen und Gebärmutterhalskrebs sowie die Schaffung integrierter Behandlungspfade, die Gynäkologie, psychische Gesundheitsversorgung, Innere Medizin und Beckenbodenphysiotherapie miteinander verknüpfen. (lj/BIERMANN) Das könnte Sie zum Thema Menopause ebenfalls interessieren: Menopause: Fezolinetant verbessert Hitzewallungen und psychische Beschwerden Vorzeitige Menopause erhöht das langfristige Herzrisiko um 40 Prozent
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