Der Klimawandel betrifft auch die Urologie

Rainer Sauerborn beim 71. DGU-Kongress in Hamburg. Foto: Schmitz

Die Erderwärmung hat einen starken negativen Einfluss auf die Gesundheit der Menschen; je höher die Termperatur steigt, desto schwieriger wird es für die Ärzte, dagegen zu halten. Ab vier Grad sei es ganz unmöglich, warnte Prof. Rainer Sauerborn, früherer Direktor des Instituts für globale Gesundheit am Universitätsklinikum Heidelberg, beim 71. DGU-Kongress in Hamburg.


Doch es gibt Hoffnung: Die Gesundheit ist selbst ein großer Ansporn, etwas für das Klima zu tun, wie Sauerborn betonte: „Was gut für das Klima ist, ist auch gut für die Gesundheit.“ Wie der Mediziner erklärte, sind 60 Prozent der Emissionen der OECD-Länder auf die Haushalte zurückzuführen, genauer deren Mobilität/Transport, die Ernährung, Gebäudeisolierung sowie Geräte und Verbrauchsgüter. Es gibt 65 Optionen, den Klima-Fußabdruck zu verringern, davon haben 27 einen gesundheitlichen Zusatznutzen (Quelle: www.hope-project.net).

Gesundheitlich sind neben den augenscheinlichen Folgen wie Verletzungen durch zunehmende Wetterextreme, die mit dem Klimawandel einhergen, in letzter Zeit die weniger unmittelbaren Folgen ins Blickfeld gerückt. So habe das „New England Journal of Medicine“ die vorletzte Ausgabe praktisch ganz der „klimatischen Gesundheit“ gewidmet. Höhere Temperaturen stellen etwa eine höhere Kreislaufbelastung dar, und insbesondere im Freien arbeitende Menschen verlieren mit zunehmender Temperatur rapide an Leistungsfähigkeit. Die Folgen einer schneller eintretenden Dehydrierung kommen hinzu. Auf urologischem Gebiet sind als erstes die Nieren betroffen, auch häufigere Steinbildung ist zu befürchten. Sauerborn zitierte Schätzungen aus den „Proceedings of the National Academy of Sciences of the United States of America“, dass sich der „Nierenstein-Risikogürtel“ der USA, der derzeit im Süden des Landes liegt, bis 2050 in die Mitte und bis 2095 an den nördlichen Rand der Vereinigten Staaten verschoben haben könnte. Dabei werden die zusätzlichen Belastungen vor allem die vulnerablen Teile der Gesellschaft am schnellsten Treffen, die zunehmende Zahl älterer Menschen in den westlichen Gesellschaften, aber auch die Armen und sozial Schwachen.

Ärzte können nur bis zu einem gewissen Grad diesen Gesundheitsgefahren entgegenhalten, warnte Sauerborn. Daher sei es wichtig, das Klimaziel von maximal +1,5 °C einzuhalten, denn dann könne sich die Entwicklung noch im Rahmen halten. „Es geht um das ethische Prinzip der Generationenverantwortung – Reversibilität ist nicht gegeben. Wir haben den Schlüssel in der Hand!”

(ms)