Der lange Schatten von COVID-19: Nach Auftreten von Omikron verblasst – aber nicht für alle

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Eine Studie über fünf Phasen der COVID-19-Pandemie zeigt, wie sich Long-COVID-Muster im Verlauf verändert haben. Sie belegt auch: Betroffene brauchen weiterhin Unterstützung.

Sechs Jahre nach den ersten Meldungen zu COVID-19-Fällen ist die Pandemie für viele nur noch eine unangenehme Erinnerung verblasst. Nicht so für viele Long-COVID-Patienten. Eine Langzeitstudie von Forschenden der Universität Hiroshima (Japan) hat ergeben, dass anhaltende Symptome zwar nach dem Auftreten der Omikron-Variante deutlich seltener wurden, manche Betroffene aber auch noch Jahre nach der SARS-CoV-2-Infektion weiterhin unter gesundheitlichen Problemen leiden. Die Ergebnisse der Studie wurden in der Fachzeitschrift „PLOS One“ veröffentlicht.

Erfassung von 13 Symptomen nach einer COVID-Erkrankung

„Zwar deuten Berichte darauf hin, dass Long-COVID nach dem Auftreten der Omikron-Variante seltener wurde, doch es gab bisher nur wenige Studien, in denen Langzeitergebnisse über mehrere Pandemiewellen hinweg verglichen, neuere Omikron-Sublinien untersucht oder Patienten über einen Zeitraum von mehr als zwei Jahren nach der Infektion beobachtet wurden“, erläutert Aya Sugiyama, Dozentin an der Graduate School of Biomedical and Health Sciences der Universität Hiroshima und Hauptautorin der Studie. Sie und ihre Koautoren erweiterten daher eine laufende Kohortenstudie, die 2020 in Zusammenarbeit mit medizinischen Einrichtungen in der japanischen Präfektur Hiroshima gestartet worden war. Das Team beobachtete 2689 Personen, bei denen man zwischen März 2020 und Juni 2024 eine COVID-19-Erkrankung festgestellt hatte. Die Kohorte bestand aus 1524 Erwachsenen und 1165 Kindern.

Die an der Untersuchungen Teilnehmenden füllten Fragebögen aus, in denen 13 Post-COVID-Symptome sowie deren Dauer erfasst wurden. So konnten die Wissenschaftler die Muster der langfristigen Genesung über fünf Pandemiephasen hinweg vergleichen: die von der ursprünglichen SARS-CoV-2-Variante geprägte Phase sowie die Phasen, in denen vor allem die Varianten Alpha, Delta, Omikron-2022 und Omikron-2024 zirkulierten.

„Wir haben festgestellt, dass der Langzeitverlauf von Post-COVID-19-Symptomen je nach Infektionszeitraum und Alter erheblich variiert“, berichtet Sugiyama. Sechs Monate nach der Infektion wiesen Erwachsene, die sich während der Delta-Phase infiziert hatten, die höchste Rate an anhaltenden Symptomen auf. Etwa 47 Prozent berichteten Beschwerden, die auch nach der akuten Infektion anhielten oder danach neu auftraten. Im Vergleich dazu sank die Prävalenz solcher Symptome während der Omikron-Welle im Jahr 2022 auf 23 Prozent und bei Infektionen mit der Omikron-Variante im Jahr 2024 auf 21 Prozent.

In der Regel günstigerer Verlauf bei Kindern

Bei Kindern verlief die Entwicklung im Allgemeinen günstiger als bei Erwachsenen. „Die Prävalenz bei Kindern lag über alle Pandemiewellen hinweg bei etwa einem Viertel bis einem Drittel der Werte bei Erwachsenen“, erklärt Sugiyama. „Bemerkenswert ist, dass bei keinem der untersuchten Kinder der Alltag mehr als zwei Jahre nach der Infektion beeinträchtigt war, selbst wenn Symptome fortbestanden.“

Die Studie zeigte, dass eine Genesung nicht bei allen Betroffenen vollständig eintrat. Zwei Jahre nach der Infektion berichteten etwa 20 Prozent der Erwachsenen, die sich vor der Omikron-Phase infiziert hatten, weiterhin von Symptomen. Dies taten auch zehn Prozent derjenigen, die sich während der Omikron-Phasen infiziert hatten. Bei Kindern waren anhaltende Symptome deutlich seltener: Sie betrafen 4,1 Prozent der während der Delta-Phase Infizierten und 1,9 Prozent, derjenigen, die während der Omikron-Phase 2022 erkrankt waren.

Die Forschenden stellten zudem fest, dass Symptome, die über einen Zeitraum von zwei Jahren hinaus bestehen blieben, sich im weiteren Verlauf kaum noch besserten. Dies deutet darauf hin, dass der Genesungsprozess bei einigen Betroffenen stagnieren könnte, wenngleich eine Besserung auch nach Ende des Beobachtungszeitraums weiterhin möglich bleibt.

Die Analyse ergab ferner, dass das Tempo der Genesung vom Zeitpunkt der Infektion und vom Alter abhing. Bei Personen, die sich während der Delta-Welle infiziert hatten, klangen die Symptome langsamer ab, während Infizierte der Omikron-Wellen schneller genasen. Ein jüngeres Alter war stark mit einer rascheren Genesung verknüpft: Dies galt insbesondere für Kinder im Alter von bis zu zwölf Jahren.

Weiterführende Forschungsarbeiten in Planung

Die Ergebnisse bestätigen nach Auffassung der Forschenden, dass Long-COVID keinesfalls verschwunden ist – auch wenn sich die Gesamtbelastung seit dem Höhepunkt der Pandemie als rückläufig darstellt. Die Studie unterstreiche vielmehr, dass man sich weiterhin um eine langfristige Überwachung und Unterstützung der Betroffenen bemühen muss.

„Aufbauend auf der im Rahmen dieser Studie etablierten Langzeitkohorte planen wir die Entwicklung eines Modells zur Vorhersage des Risikos für persistierende Symptome“, sagt Sugiyama. „Zudem ist es unser Ziel, ein webbasiertes Tool zu erstellen und öffentlich zugänglich zu machen, das dieses Modell nutzt, um für Personen mit ähnlichen Merkmalen den Anteil derjenigen darzustellen, die zu den jeweiligen Zeitpunkten unter anhaltenden Symptomen litten. Auf diese Weise soll der Verlauf von Post-COVID-Symptomen sichtbar gemacht und eine angemessene Versorgung sowie Unterstützung bereits in einem frühen Krankheitsstadium ermöglicht werden.“ (ac)