Der Plötzliche Kindstod hat auch eine biologische Ursache

Die Rückenlage des Kindes beim Schlafen sowie der Verzicht auf Decken, Kissen und Kuscheltieren zählen zu den Präventionsmaßnahmen des Plötzlichen Kindstods. (Foto: © Africa Studio – stock.adobe.com)

Forscher des Boston Children’s Hospital haben anhand von Gewebeproben die Ursache des Plötzlichen Kindstods untersucht. Dabei stießen sie auf eine Anomalie im serotonergen Systems des Hirnstamms, die das Risiko erhöht.

Trotz des anfänglichen Erfolgs nationaler Gesundheitskampagnen, die in den 1990er-Jahren in den Vereinigten Staaten für eine sichere Schlafumgebung und eine gesündere Schlafposition bei Säuglingen warben, ist die Zahl der Kinder, die am Plötzlichen Kindstod (SIDS) versterben, in den letzten drei Jahrzehnten in USA nahezu gleich geblieben.

Um die biologischen Ursachen dieses Phänomens zu untersuchen, analysierten die Forscher um Robin L. Haynes vom CJ Murphy Laboratory for SIDS Research am Boston Children’s Hospital, USA, Hirnstammgewebe von 70 Säuglingen, die zwischen 2004 und 2011 verstorben waren, und untersuchten sie auf konsistente Anomalien.

Dabei fanden sie heraus, dass der Serotonin-5-HT2A/C-Rezeptor bei Fällen von Plötzlichem Kindstod im Vergleich zu Kontrollfällen verändert ist. Frühere Untersuchungen der Forscher an Nagetieren hatten gezeigt, dass der Rezeptor wie eine Art “Notschalter” funktioniert, der den Schlafenden tief einatmen lässt und aufweckt, wenn der Sauerstoffgehalt im Gehirns während des Schlafs sinkt. Die neuen Forschungsergebnisse unterstützen damit die Idee der Forschenden, dass eine biologische Anomalie manche Säuglinge anfälliger für den SIDS macht.

Die Forscher gehen davon aus, dass das Plötzliche Kindstodsyndrom durch das Zusammentreffen von drei Faktoren ausgelöst wird: Das Kind befindet sich im ersten Lebensjahr in einer kritischen Phase der kardiorespiratorischen Entwicklung, das Kind ist einem äußeren Stressfaktor ausgesetzt, wie einer Schlafposition mit dem Gesicht nach unten oder dem Teilen eines Bettes, und das Kind weist eine biologische Anomalie auf, die es während des Schlafes anfällig für Atemprobleme macht.

“Die vorgestellte Arbeit baut auf früheren Arbeiten unseres Labors und anderer auf, die Anomalien im serotonergen System einiger SIDS-Kinder gezeigt haben”, sagte der Hauptautor der Studie, Robin Haynes. “Obwohl wir bei SIDS Anomalien im Serotonin-2A/C-Rezeptor festgestellt haben, ist der Zusammenhang zwischen den Anomalien und der Todesursache noch unbekannt. Es bleibt noch viel zu tun, um die Folgen von Anomalien in diesem Rezeptor im Kontext eines größeren Netzwerks von Serotonin- und Nicht-Serotonin-Rezeptoren zu bestimmen, die lebenswichtige Funktionen der Herz- und Atemkontrolle schützen, wenn sie herausgefordert werden. Derzeit haben wir keine Möglichkeit, Säuglinge mit biologischen Anomalien im serotonergen System zu identifizieren. Daher ist die Einhaltung sicherer Schlafgewohnheiten nach wie vor von entscheidender Bedeutung”.