Deutliche Veränderungen bei pädiatrischen Atemwegsinfekten nach der Pandemie

Corona-Maßnahmen wie das Tragen von Masken haben die Wechselwirkungenn zwischen Atemwegserregern verändert. (Foto: © Rawpixel.com – stock.adobe.com)

Die Wechselwirkungen zwischen nicht bakteriellen Atemwegserregern haben sich nach der COVID-19-Pandemie deutlich verändert. Dies zeigt eine Studie chinesischer Wissenschaftler. Sie empfehlen daher, bei Präventionsstrategien nicht nur einzelne Erreger, sondern auch deren Wechselwirkungen zu berücksichtigen. 

Erreger akuter Atemwegsinfekte treten nicht isoliert auf. Viren und atypische Bakterien können gleichzeitig zirkulieren, miteinander interagieren und Krankheitsverläufe auf schwer vorhersehbare Weise verändern. Mit den weit verbreiteten Schutzmaßnahmen wie das Tragen von Masken, Schulschließungen und reduzierten sozialen Kontakten schuf die COVID-19-Pandemie eine bislang beispiellose Gelegenheit für das Verständnis dieser Wechselwirkungen.

Pandemie ermöglicht einzigartiges Forschungsumfeld

Um zu untersuchen, wie die Pandemie die Trends bei Atemwegsinfekten bei Kindern verändert hat, untersuchten Forscher aus China Daten von 73.096 pädiatrischen Patienten, die mit akuten Atemwegsinfektionen in Wenzhou und Ningbo, zwei Küstenstädten im Osten Chinas mit ähnlichem Klima, ins Krankenhaus eingeliefert wurden.

„Dies war eine seltene Gelegenheit, zu beobachten, wie sich Atemwegserreger verhalten, wenn ihre normalen Übertragungsmuster gestört und dann plötzlich wiederhergestellt werden“, erklärte Studienleiter Dr. Hailin Zhang vom Yuying Children’s Hospital der Wenzhou Medical University (China). „Die Pandemie ermöglichte es uns, nicht nur die Veränderungen der Infektionsraten zu beobachten, sondern auch, wie sich die Erreger gegenseitig beeinflussen.“

Schutzmaßnahmen bremsen Atemwegserreger aus

Das Team analysierte retrospektiv Atemwegsproben, die zwischen März 2021 und Februar 2024 entnommen wurden und den Zeitraum vor, während und nach der Umsetzung von COVID-19-Maßnahmen umfassten. Mithilfe eines Multiplex-PCR-Tests untersuchten die Forscher jede Probe auf 13 nicht bakterielle Atemwegserreger, darunter Influenzaviren, Respiratorisches Synzytial-Virus (RSV), Rhinoviren, humane Coronaviren und Mycoplasma pneumoniae. Anschließend untersuchten die Forschenden mithilfe statistischer und Zeitreihenmodelle Koinfektionen und Wechselwirkungen zwischen Krankheitserregern im Zeitverlauf.

Während der Phasen mit strengen Pandemiemaßnahmen sank die Gesamtzahl der nachgewiesenen Atemwegserreger um mehr als 56 Prozent, was unterstreicht, wie wirksam das Tragen von Masken, die Einhaltung sozialer Distanz und die Einschränkung der Mobilität bei der Unterdrückung der Übertragung waren. Nach Aufhebung der Beschränkungen stiegen die Nachweisraten jedoch wieder um mehr als 75 Prozent an, wobei einige Krankheitserreger häufiger auftraten als vor der Pandemie.

Mehr anfällige Kinder nach der Pandemie

Der auffälligste Anstieg betraf Mycoplasma pneumoniae, ein atypisches Bakterium, das häufig Lungenentzündungen bei Kindern verursacht. Seine Nachweisrate stieg von 5,29 Prozent während der Pandemie auf 34,78 Prozent danach, wodurch es zum am häufigsten nachgewiesenen Krankheitserreger in der Zeit nach der Pandemie wurde.

„Wir waren überrascht, wie stark Mycoplasma pneumoniae wieder zunahm. Dies deutet darauf hin, dass während der Pandemie eine große Gruppe anfälliger Kinder entstanden ist“, erklärte Co-Autor Dr. Shunhang Wen.

Pathogeninterferenz nahm zu

Über einzelne Krankheitserreger hinaus zeigte die Studie eine bedeutende Veränderung in der Wechselwirkung zwischen Atemwegserregern. Nach der Pandemie wurde berichtet, dass die negativen Korrelationen zwischen den Krankheitserregern stärker geworden waren, wobei das Vorhandensein eines Krankheitserregers mit einer Verringerung der Nachweisraten eines anderen verbunden war.

Eine konsistente Erkenntnis war eine anhaltende negative Beziehung zwischen dem Influenza-B-Virus und Mycoplasma pneumoniae. Als die Influenza-B-Aktivität ihren Höhepunkt erreichte, gingen die Nachweise von Mycoplasma pneumoniae vorübergehend zurück, was auf ein Phänomen hindeutet, das als Pathogeninterferenz bekannt ist. „Dieses Muster deutet darauf hin, dass die Infektion mit einem Erreger einen anderen kurzzeitig unterdrücken kann, möglicherweise durch Immunreaktionen wie die Freisetzung von Interferon“, erklärte Wen. „Das Verständnis dieser Dynamik könnte Ärzten helfen, Veränderungen während Ausbrüchen vorherzusehen.“

Keine Rückkehr zu alten Normalität

Die Forscher schränken ein, dass ihre Studie sich nur auf hospitalisierte Kinder konzentrierte und möglicherweise mildere Infektionen in der Bevölkerung nicht vollständig widerspiegelt. Darüber hinaus umfasste die Analyse keine SARS-CoV-2-Testdaten. Zudem bezog sich die Studie nur auf zwei Städte, was die Verallgemeinerbarkeit auf andere Regionen einschränke und Bereiche für weitere Forschungen aufzeige.

Dennoch unterstrichen die Ergebnisse die Bedeutung einer kontinuierlichen Überwachung, während sich die Welt auf das Leben nach COVID-19 einstelle, betonen die Experten. „Die Zeit nach der Pandemie ist keine Rückkehr zur alten Normalität. Atemwegserreger interagieren auf neue Weise, und die öffentlichen Gesundheitssysteme müssen auf unerwartete Muster von Infektionen bei Kindern vorbereitet sein“, erklärte Zhang.

Die Autoren kommen zu dem Schluss, dass zukünftige Präventionsstrategien, wie Impfmaßnahmen und die Vorbereitung auf Ausbrüche, nicht nur einzelne Erreger berücksichtigen sollten, sondern auch deren Wechselwirkungen innerhalb der pädiatrischen Population.