Deutsche Hochdruckliga begrüßt ESC-Empfehlung zum frühzeitigen Eingreifen bei erhöhten Blutdruckwerten3. September 2024 Symbolfoto: ©New Africa/stock.adobe.com Die Deutsche Hochdruckliga sieht in den Empfehlungen, die von der europäischen Gesellschaft für Kardiologie im Rahmen der neuen Hypertonie-Leitlinie gegeben werden, „ein Umdenken in Richtung präventive Medizin“. Am 30. August 2024 hat die European Society of Cardiology (ESC) eine neue Bluthochdruck-Leitlinie auf ihrem Jahreskongress in London vorgestellt (wir berichteten). Sie definiert bereits leicht erhöhten Blutdruck unter bestimmten Bedingungen als behandlungswürdig und könnten nach Ansicht der Deutschen Hochdruckliga perspektivisch zu einer deutlichen Reduktion der Inzidenz schwerer kardiovaskulärer Erkrankungen führen. Die Hochdruckliga betont: „Die Empfehlungen reflektieren ein Umdenken in Richtung präventive Medizin.“ Herausforderung bleibe, dafür die notwendige Akzeptanz in der Bevölkerung herzustellen und entsprechende Versorgungsstrukturen zu schaffen. Die neue Hypertonie-Leitlinie der ESC nimmt die Gefahren von leicht bis moderat erhöhten Blutdruckwerten in den Blick und unterstreicht deutlicher als alle anderen Hypertonie-Leitlinien zuvor die Notwendigkeit einer frühen und strikteren Intervention. Das zeigt sich bereits in ihrem Titel. Lautete dieser bisher „Leitlinie zur Behandlung von arterieller Hypertonie“, ist es nun die „Leitlinie zur Behandlung von erhöhtem Blutdruck und Hypertonie“. Damit wird klar, dass nicht erst eine manifeste Bluthochdruckerkrankung (arterielle Hypertonie), die auch in dieser Leitlinie mit einem Schwellenwert von ≥140/90 mmHg definiert wird, diagnose- und therapiewürdig erscheint, sondern bereits Vorstadien. „Das ist sinnvoll“, erläutert Prof. Markus van der Giet, Vorsitzender der Deutschen Hochdruckliga, „denn wir wissen, dass auch schon Werte von 120–139 mmHg systolisch und 70–89 mmHg diastolisch mit einem erhöhten Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen einhergehen. Je nach individueller Risikokonstellation kann auch dann schon ein früherer Einsatz der Therapie erforderlich sein.“ Neues dreistufiges Diagnoseverfahren Die neue ESC-Leitlinie gibt Ärzten konkrete Handlungsanweisungen an die Hand, um die schädigenden Auswirkungen des Risikofaktors Bluthochdruck auf Herz und Gefäße zu minimieren. Während Patienten mit Werten zwischen 120–139/70–89 mmHg bisher quasi als „gesund“ galten und vom Arzt bestenfalls eine Empfehlung zu einer gesünderen Lebensweise mit auf den Weg bekamen, empfiehlt nun die ESC-Leitlinie ein dreistufiges „Diagnose-Vorgehen“, um abzuklären, ob der Patient nicht vielleicht doch schon einer blutdrucksenkenden medikamentösen Therapie bedarf: 1. Abfrage, ob etablierte Risikofaktoren vorliegen: Damit sind vor allem kardiovaskuläre oder renale Vorerkrankungen gemeint. Wer z. B. bereits einen Schlaganfall hatte, bedarf auch bei Blutdruckwerten vor allem ab 130–139 mmHg einer blutdrucksenkenden Therapie. Menschen, die keine etablierten Risikofaktoren haben, gehen in die nächste diagnostische Stufe. 2. Abschätzung des individuellen kardiovaskulären Zehn-Jahres-Risikos anhand des SCORE2 für Menschen im Alter von 40–69 Jahren bzw. SCORE2-OP für Menschen ≥70 Jahre. Beide bilden die Basis eines Online-Score-Rechners, der auch in deutscher Sprache zur Verfügung steht. Die Empfehlung der Leitlinie lautet: Beträgt das Risiko zehn Prozent oder mehr, ist eine blutdrucksenkende Therapie vor allem ab systolischen Blutdruckwerten von 130–139 mmHg notwendig. Liegt das Risiko unter fünf Prozent, ist keine Therapie erforderlich. Bei Menschen, deren Risiko zwischen fünf und zehn Prozent liegt, wird die dritte diagnostische Stufe angeschlossen. 3. Einschätzung, ob allgemeine oder geschlechtsspezifische Risikofaktoren vorliegen. Dazu zählen z. B. Ethnizität, Familiengeschichte für kardiovaskuläre Ereignisse, sozio-ökonomische Faktoren, Autoimmunerkrankungen, HIV oder auch schwere geistige Erkrankungen sowie Schwangerschaftsdiabetes, Schwangerschaftshypertonie, Präeklampsie, Frühgeburten oder Fehlgeburten in der Vorgeschichte.„Dieser Algorithmus ist praxisnah und handhabbar, bedeutet aber auch, dass wir mehr Zeit für die Diagnosestellung, Beratung und Versorgung der vielen Menschen benötigen, die mit erhöhten Blutdruckwerten in die Praxis kommen, aber noch keinen manifesten Bluthochdruck haben. Bei diesen Patientinnen und Patienten haben wir bislang keine weitere Diagnostik etabliert“, betont van der Giet. Präventive Medizin fordert Umdenken und veränderte Versorgungsstrukturen Vor dem Hintergrund, dass Herz-Kreislauf-Erkrankungen die Todesfallstatistiken anführen, zeigt die neue ESC-Leitlinie, wie „präventive Medizin“ in Bezug auf Bluthochdruck in der Praxis optimal aussehen könnte. „Die flächendeckende Umsetzung der Empfehlungen im klinischen Alltag kann perspektivisch zu einer deutlichen Reduktion der Inzidenz schwerer kardiovaskulärer Erkrankungen führen“, so van der Giet. Eine frühzeitige Diagnostik und Therapie von Bluthochdruck als Prävention könne spätere Schäden und damit Leid verhindern und sei außerdem eine nachhaltige Option, auch, um den steigenden Kosten im Gesundheitssystem zu begegnen. Für eine flächendeckende Umsetzung benötigt es laut Deutscher Hochdruckliga aber ein gesellschaftliches Umdenken. Betroffene müssten von der Notwendigkeit präventiver Maßnahmen überzeugt werden. „Wir benötigen gezielte Öffentlichkeitsarbeit und breit angelegte Kampagnen, um das Verständnis für präventive Maßnahmen, die u. U. auch die Einnahme von Tabletten erforderlich machen, um Erkrankungen wie Schlaganfälle oder Herzinfarkten vorzubeugen, in die Breite zu tragen und im öffentlichen Bewusstsein zu verankern. Hier werden wir alles tun, um unseren Beitrag zu leisten und hoffen auch auf fortgesetzte politische Unterstützung“, so der Vorsitzende der Deutschen Hochdruckliga abschließend. Die Wichtigkeit dieses Anliegens und einen ersten entscheiden Schritt sieht die Hochdruckliga im Entwurf des „Gesundes-Herz-Gesetz“ verankert.
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