Deutscher Herzbericht: Leichter Anstieg der Sterblichkeit durch Herzkrankheiten12. September 2024 Deutscher Herzbericht – Update 2024 (Bild: ©Deutsche Herzstiftung) Nach einer Phase leichter Rückläufigkeit, steigt die Sterblichkeit durch Herzkrankheiten im Jahr 2022 wieder an. Darauf machte die Deutsche Herzstiftung anlässlich der Vorstellung des Deutschen Herzberichtes – Update 2024 aufmerksam. Der Herzbericht wird von der Deutschen Herzstiftung zusammen mit den wissenschaftlich-medizinischen Fachgesellschaften für Kardiologie (DGK), für Thorax-, Herz- und Gefäßchirurgie (DGTHG), für Kinderkardiologie und Angeborene Herzfehler (DGPK) und für Prävention und Rehabilitation von Herz-Kreislauferkrankungen (DGPR) alljährlich herausgegeben. Das Update 2024 liefert – anders als der Name vermuten lässt – die Daten zu den wichtigsten Herzerkrankungen aus dem Jahr 2022, da erst jetzt die endgültigen Statistiken und Auswertungen für diesen Zeitraum vorliegen. Trends in Mortalität und Morbidität Demzufolge starben im Jahr 2022 insgesamt 216.944 Menschen an den Folgen einer Herzkrankheit (2021: 205.581). Die Sterberate lag damit bei 224,2 an einer Herzkrankheit Gestorbenen pro 100.000 Einwohner (2021: 215,2). Die Liste der häufigsten Todesursachen im Jahr 2022 führt weiterhin die koronare Herzkrankheit (KHK) an. Daran starben laut Bericht 77.773 Menschen. An vierter, sechster, neunter und zehnter Stelle der Todesursachenstatistik folgen der akute Herzinfarkt, die Herzinsuffizienz, hypertensive Herzerkrankungen und Vorhofflimmern. Damit bilden Herz-Kreislauf-Erkrankungen die Hälfte der zehn häufigsten Todesursachen. „Diese Anstiege gegenüber dem Vorjahr bedürfen der genaueren Analyse, sie stellen jedoch in der Gesamtschau noch keine Trendwende dar. Ganz klar muss allerdings das Ziel aller für die herzmedizinische Versorgung verantwortlichen Institutionen sein, die Sterblichkeit durch Verbesserungen in Prävention, Therapie und Rehabilitation von Herz-Kreislauf-Erkrankungen zu senken“, betonte der Vorstandsvorsitzende der Deutschen Herzstiftung Prof. Thomas Voigtländer bei der Vorstellung des neuen Herzberichtes. Besonders falle bei den Anstiegen die erhöhte Todesrate der Herzinsuffizienz ins Auge. „Bei der Sterblichkeit der Herzschwäche könnte sich nach mehreren Jahren der Rückläufigkeit eine Trendwende abzeichnen, die wir genauer beobachten müssen“, so Voigtländer. Erstmalig steigt nämlich die Sterberate der Herzinsuffizienz nach einer Phase der kontinuierlichen Abnahme von 2015 (51,9 Gestorbene pro 100.000 EW) bis 2021 (auf 35,8) wieder an auf 37,7 Gestorbene pro 100.000 Einwohner. Die DGK spekuliert, dass dies mit der COVID-19-Pandemie zusammenhängen dürfte, während der es zu weniger Behandlungen gekommen ist, wobei der Wert weiterhin deutlich unter dem Wert aus dem Jahr 2011 (60,7 pro 100.000 Einwohner) liege. In punkto Morbidität sei bei der Herzinsuffizienz gegenüber den Vorjahren jedoch keine nennenswerte Veränderung zu verzeichnen (+1,4%), wie die DGK berichtet. Zu einer Zunahme der Morbidität kommt es in 2022 allerdings bei den Herzklappenkrankheiten (+7,8 %) und den Herzrrhytmusstörungen (+3,4 %). Ein positiver Trend ist für die Morbidität unter KHK zu verzeichnen, die um 5,8% fiel. Die DGK vermutet als Erklärung dafür die Verbesserung der ambulanten Versorgung. Herzchirurgische und kardiologische Eingriffe im Pandemiejahr 2022 Der Herzbericht verdeutlicht, dass sich die bereits 2020 und 2021 verzeichnete COVID-19-bedingte Rückläufigkeit in der kardiologischen und herzchirurgischen Versorgung von Erwachsenen und Kindern insbesondere bei den elektiven Eingriffen im Jahr 2022 fortsetzte. Von 2018 zu 2022 kam es teilweise zu einer moderaten, aber teilweise auch zu einer deutlichen Abnahme bei herzchirurgischen und kardiologischen Eingriffen wie Koronarangiographien (-4,1 %), perkutanen Koronarinterventionen (PCI, -1 %), Schrittmacher-/ICD-Implantationen (-3 %/-15,7 %) bzw. isolierten Koronaroperationen (-25,9 %). Zugenommen hat hingegen die Häufigkeit von Katheterablationen zur Beseitigung von Vorhofflimmern: Im Jahr 2022 stieg die Anzahl der Katheterablationen deutlich an auf 107.886 Fälle (2021: 102.737). Am verbreitetsten ist dabei die Radiofrequenzablation, gefolgt von der Kryoablation. Voigtländer schließt aus den rückläufigen Zahlen, dass Patienten auch noch in 2022 entweder aus Angst vor einer Infektion einen Krankenhausaufenthalt vermieden oder umgekehrt Kliniken ihre Aufnahmen zweitweise auf Notfälle beschränkt hätten. Es bedürfe jedoch weiterer Analysen, um zu verstehen, welche Effekte diese vermeintliche Nichtinanspruchnahme der Krankenhausversorgung auf die kardiovaskuläre Sterblichkeit haben werde. „Für die Zukunft muss auch die Resilienz der herzmedizinischen Versorgung in Ausnahmesituationen wie der COVID-Pandemie im Fokus der Herzmedizin bleiben“, so sein Fazit. Männer öfter erkrankt, aber Frauen sterben häufiger Die DGK hebt auf Grundlage des Berichtes die Unterschiede zwischen den Geschlechtern hervor. Demnach erleiden Männer insgesamt deutlich häufiger Herz-Kreislauf-Erkrankungen als Frauen. Auffällig ist, dass Männer besonders oft wegen ischämischer Herzkrankheiten wie der KHK ins Krankenhaus aufgenommen werden. So lag die altersstandardisierte Hospitalisierungsrate bei 841,5 pro 100.000 Männer. Auch Herzinfarkte werden bei Männern deutlich häufiger diagnostiziert als bei Frauen. Hier liegt die Hospitalisierungsrate bei 293,6 für die Männer und bei 111,0 für die Frauen. Die häufigste Diagnose bei den Frauen sind hingegen Herzrhythmusstörungen mit 396,7 Patientinnen pro 100.000 Frauen. Bezüglich der Sterblichkeit lässt sich ein Ungleichgewicht nur bei den ischämischen Herzkrankheiten und dem akuten Herzinfarkt feststellen. Diese verliefen bei Männern mehr als doppelt so oft tödlich wie bei den Frauen. Bei anderen Herz-Kreislauf-Erkrankungen ist die Sterblichkeit relativ ausgeglichen. „Setzt man diese Zahlen für die Erkrankungshäufigkeit und Sterblichkeit zueinander ins Verhältnis, lässt sich feststellen, dass Männer zwar öfter als Frauen Herz-Kreislauf-Erkrankungen aufweisen. Dafür verlaufen diese bei Frauen häufiger tödlich“, verdeutlichte Baldus im Rahmen der Vorstellung des Herzberichtes. „Das dürfte daran liegen, dass Krankheitsverläufe und -ursachen sowie die Wirkungsweise bestimmter Medikamente bei Frauen noch immer zu wenig bekannt sind.“ Die DGK fordert deshalb mehr genderspezifische Forschung. Regionale Versorgungsunterschiede bestehen fort Der Deutschen Herzstiftung zufolge hat die in Deutschland weiterhin unterschiedliche Versorgungsdichte mit Kliniken, die ein Katheterlabor oder eine Chest-Pain-Unit (CPU) vorhalten, zur Folge, dass in Regionen mit einer niedrigeren Versorgungsdichte behandlungsbedürftige Erkrankungen zu spät oder schlimmstenfalls gar nicht behandelt würden. „Rund 47.000 Herzinfarkte pro Jahr und 65.000 plötzliche Herztodesfälle, darunter eine Vielzahl aufgrund unentdeckter und nicht oder zu spät behandelter Herzkrankheiten, sind das beste Beispiel dafür“, hebt Voigtländer hervor. Regionale Unterschiede sind auch in der Verbreitung von Kinderherzzentren, EMAH-Ambulanzen und überregionalen EMAH-Zentren, CPUs sowie in der Kardiologendichte zu verzeichnen. Kommen beispielsweise in Hamburg auf einen Kardiologen 12.872 Einwohner, sind es im Saarland 49.633 Einwohner pro Kardiologe. Regionale Unterschiede zeigen sich darüber hinaus in der Sterblichkeit und den Krankenhausaufnahmen wegen Herzkrankheiten, wie der aktuelle Deutsche Herzbericht dokumentiert. Östliche Bundesländer haben weiterhin die höchste Sterblichkeit durch KHK und Herzinfarkt. So haben 2022 die höchste Sterbeziffer (altersbereinigt) Sachsen-Anhalt mit 181 KHK- und 65 Herzinfarkt-Sterbefällen pro 100.000 Einwohner, gefolgt von Mecklenburg-Vorpommern mit 180 KHK- und 68 Herzinfarkt-Gestorbenen und Sachsen mit 157 KHK- und 56 Herzinfarkt-Gestorbenen pro 100.000 EW. Am niedrigsten sind die Sterbeziffern für KHK und Herzinfarkt in Hamburg (KHK: 91/Herzinfarkt: 34), Nordrhein-Westfalen (111/33) und in Baden-Württemberg (121/50). Bei der Herzinsuffizienz sind die höchsten Sterbeziffern in Sachsen-Anhalt mit 53 und Thüringen mit 50 Gestorbenen pro 100.000 Einwohner, in Niedersachsen mit 48 und in Bremen 43 mit Gestorbenen pro 100.000 Einwohner. „Die genauen Ursachen für diese teils ausgeprägten regionalen Gefälle bedürfen der Analyse. Mögliche Einflussfaktoren neben Alter und Geschlecht, die berücksichtigt werden müssen, sind Raucheranteil, Erwerbsstatus, Arbeitslosenquote und die Häufigkeit von Begleiterkrankungen“, erläutert Voigtländer. Die Herzstiftung als Patientenorganisation und alle herzmedizinischen Fachgesellschaften (DGK, DGTHG, DGPK und DGPR) sind sich in Anbetracht dieser Zusammenhänge und Entwicklungen einig, dass mehr in die kardiovaskuläre Vorsorge investiert und das bestehende Instrumentarium der Diagnostik, Therapie und Nachsorge für die Eindämmung der Grund- und Begleiterkrankungen der Herzinsuffizienz noch effizienter genutzt werden müsse. Denn neben Alter und Genetik seien vor allem Risikofaktoren des Lebensstils wesentlich am Entstehen von Herzrhythmusstörungen, KHK, und anderen Herz-Kreislauf-Erkrankungen beteiligt.
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