Deutschlandpremiere am HDZ NRW: Mit integriertem Navigationssystem Rhythmusstörungen finden15. April 2024 Philipp Sommer (l.) und Facharzt Moneeb Khalaph bei der Deutschlandpremiere im Herzkatheterlabor. Foto: ©Miriam Görmann/HDZ NRW Dank High-Tech-Medizin können die Rhythmologen um Prof. Philipp Sommer am HDZ NRW in Bad Oeynhausen dem Vorhofflimmern künftig noch sicherer und schneller als bisher begegnen. Die erfolgreiche Deutschlandpremiere des ersten Pulsfeldablations-Systems mit vollständig integriertem Echtzeit 3D-Mapping fand am 2. April 2024 im Herz- und Diabeteszentrum NRW (HDZ NRW) in Bad Oeynhausen statt, wie die Klinik kürzlich bekannt gab. Das System ist eine neue Kombination zweier bewährter Methoden: Die Pulsfeldenergie erzeugt ein elektromagnetisches Feld im Herzgewebe – und gleichzeitig können jetzt die Läsionen präzise in der gewohnten „Landkarte des Herzens“ angezeigt werden. Klinikdirektor Prof. Philipp Sommer und sein Team setzen diese Medizintechnik der neusten Generation ab sofort im Herzkatheterlabor ein und können schwere Herzrhythmusstörungen noch schneller und schonender behandeln. Vorhofflimmern ist eine der häufigsten Herzrhythmusstörungen und wird von Störimpulsen im Herzgewebe ausgelöst. Wenn bei Patienten trotz Medikamenten noch erhebliche Beschwerden auftreten, ist eine Katheterablation derzeit das bewährte Standardverfahren. Traditionelle Ablationsverfahren benutzen Kälte (Kryoablation) oder Wärme (Radiofrequenzablation), aber seit ein paar Jahren steht den Rhythmologen auch die Pulsfeldablation (auch: „Elektroporation“) zur Verfügung, die mit elektrischen Impulsen sehr gezielt gegen die Störungen vorgeht. „Durch das gezielte Einbringen mikroskopisch kleiner Poren in die Zellmembran können wir rhythmusstörende Impulse ultraschnell eliminieren“, erläutert Sommer diesen Prozess der Pulsfeldablation. „Diese Methode ist besonders sicher, da nur sehr geringe Risiken bestehen, umliegendes Gewebe zu schädigen oder Verletzungen zu verursachen. Ein hochmodernes kardiales Mappingsystem erstellt mithilfe von speziellen Sensoren eine dreidimensionale detaillierte Karte der Herzkammern. Dadurch können die Herzrhythmusstörungen effizient identifiziert werden. Sicherheit kombiniert mit gewohnter Genauigkeit Die Besonderheit des neuen Pulsfeldablations-Systems besteht darin, dass das bereits bestehende computergestützte dreidimensionale Mappingsystem integriert ist. Bisher gab es dies nur in Kombination mit Radiofrequenzablationen. Auf diese Weise können die Herzspezialisten mit ihrem gewohnten Mappingsystem, welches schon seit über 15 Jahren im HDZ NRW eingesetzt wird, sehr präzise die elektrischen Signale identifizieren, die die Herzrhythmusstörungen auslösen. Von den damit verbundenen effizienteren Arbeitsabläufen profitieren die Patienten, weil sich mit so integrierter Technik die Bildgebungszeiten verringern, mögliche Risiken vermieden und die Aufenthalte im Herzkatheterlabor verkürzen lassen. Eine wissenschaftliche Studie mit 186 Patienten in Kanada und Europa belegt eine hohe Sicherheit und Wirksamkeit der neuen Therapieform (VARIPULSETM), die jetzt erstmals in Europa zugelassen und in Bad Oeynhausen im Einsatz ist. „Ob die Pulsfeldablation das jeweils am besten geeignete Verfahren zur Behandlung des Vorhofflimmerns ist, das wägen wir im Einzelfall stets nach sehr sorgfältiger Beurteilung ab“, betonen Sommer und sein stellvertretender Klinikdirektor Prof. Christian Sohns. Es wird zukünftig all den Patienten angeboten, bei denen die Kombination aus Art des Vorhofflimmerns (anfallsartig oder anhaltend), klinischer Kenngrößen (Vorhofgröße, Begleiterkrankungen) sowie anatomischer Voraussetzungen diese Methode als ideal erscheinen lässt. „Beim Vorhofflimmern müssen wir allerdings davon ausgehen, dass die Erkrankungszahlen auch in Zukunft weiter steigen werden. Wir sind daher auf ebenso sichere wie effiziente Behandlungslösungen angewiesen und dankbar, diese innovative Lösung als erstes Herzzentrum in Deutschland anbieten zu können.“
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