DFG bewilligt transregionale Forschungsgruppe zu Online-Süchten29. September 2020 Foto: ©lassedesignen – stock.adobe.com Was haben Computerspiele, Shoppen, Pornos und die Sozialen Medien gemeinsam? Suchtpotenzial – und das zunehmend online. Was dabei in den Köpfen der Nutzer vor sich geht und wie sich ihr Verhalten möglicherweise ändern lässt, untersucht Prof. Matthias Brand von der Universität Duisburg-Essen (UDE) in einer von der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) bewilligten transregionalen Forschungsgruppe. Gaming Disorder, das suchtartige Computerspielen, hat die Weltgesundheitsorganisation bereits als eigenständige Erkrankung anerkannt. Sich unkontrolliert seiner Sucht hinzugeben, passiert Nutzern online aber nicht nur dort: Auch hemmungslose Pornographienutzung, exzessives Online-Shopping und die ständig lockenden sozialen Netzwerke können zum ernsthaften Problem werden. Was diesen bekannten Internetnutzungsstörungen an psychologischen und neurobiologischen Prozessen zugrunde liegt, wollen Prof. Matthias Brand, UDE-Lehrstuhl für Allgemeine Psychologie: Kognition, und seine Kollegin Dr. Elisa Wegmann herausfinden. Brand koordiniert die neue transregionale Forschungsgruppe „Affective and cognitive mechanisms of specific Internet-use disorders (ACSID) (FOR 2974)”. Rund 3,2 Millionen Euro stehen für sieben Teilprojekte plus Koordinationsprojekt in den nächsten drei Jahren zur Verfügung. Fachliche Unterstützung gibt es von Kollegen der Universitäten Bochum, Bamberg, Gießen, Mainz, Lübeck, Siegen, Ulm und der Medizinischen Hochschule Hannover. Basierend auf einem von Brand und Kollegen vorgeschlagenen theoretischen Modell, wollen die Forschenden die (bio-)psychologischen Prozesse, insbesondere die affektiven und kognitiven Mechanismen, untersuchen, die zur Online-Sucht führen. Wie werden die Nutzer gereizt? Gelingt es ihnen, ihre Impulse und Süchte zu unterdrücken? Warum verhalten und entscheiden sie sich so? „Nur, wenn wir die Mechanismen der Entstehung und Aufrechterhaltung des süchtigen Verhaltens verstehen, können auch Prävention und Therapie dieser neuen Störungen verbessert werden“, erklärt Brand, der auch Sprecher der Forschungsgruppe ist. Der Psychologe und seine Kollegen wollen erstmalig eine große Anzahl von mehr als 1300 Probanden mit diversen Fragebögen und Tests untersuchen, was in dieser Form nur in einer transregionalen Forschungsgruppe geschehen kann. Auch werden Hirnscans zum Einsatz kommen. „Wir machen einen Querschnittsvergleich zusammen mit einer Folgebefragung von Personen mit unproblematischem, riskantem und pathologischem Verhalten. So können wir die verschiedenen Stadien des Suchtprozesses aufzeigen.“ Mit ersten Ergebnissen ist in rund zweieinhalb Jahren zu rechnen.
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