DFG empfiehlt wissenschaftsorientierte Personalentwicklung für Fachärztinnen und -ärzte8. März 2018 Foto: © Kzenon – Fotolia.com Die DFG fordert verbindliche Zeiten für die Forschung nach der Facharztqualifikation, um Wissenschaft und Krankenversorgung besser zu vereinbaren. Dazu legt die Senatskommission ein modellhaftes Advanced Clinician Scientist-Programm in der Universitätsmedizin vor. In Forschung, Krankenversorgung und Lehre tätige Fach- und Oberärztinnen und -ärzte haben eine Schlüsselfunktion für die Leistungsfähigkeit und Weiterentwicklung des Gesundheits- und Wissenschaftssystems. Für sie erweist sich die Vereinbarkeit von wissenschaftlicher Tätigkeit und Krankenversorgung oftmals als problematisch. Vor diesem Hintergrund empfiehlt die Ständige Senatskommission für Grundsatzfragen in der Klinischen Forschung der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) ein Programm zur wissenschaftsorientierten und strukturierten Personalentwicklung. Die jetzt vorgelegten Empfehlungen richten sich an die Medizinischen Fakultäten und die zuständigen Ministerien in Bund und Ländern. Geschütze Zeiten für die Forschung „Wir brauchen gerade in Zeiten der Unterfinanzierung von Universitätskliniken geschützte Zeiten für Forschung sowie verlässliche und attraktive Karrierewege für Fachärztinnen und -ärzte“, sagt Prof. Dr. Leena Bruckner-Tuderman, Vorsitzende der Senatskommission und Vizepräsidentin der DFG. „Wir wollen auch für Ärztinnen und Ärzte nach der Facharztqualifikation Strukturen für eine erfolgreiche Verknüpfung von Wissenschaft und Krankenversorgung schaffen. Dies soll in Form spezieller Programme geschehen, um eine Verbindlichkeit zwischen der Institution und den geförderten Personen herzustellen“, so Bruckner-Tuderman. Unabdingbar sei hier ein verbindlich festgelegter Forschungsanteil von etwa 50 Prozent der Arbeitszeit. Zu den Aufgabenfeldern der Advanced Clinician Scientists zählt die Senatskommission neben der Leitung einer wissenschaftlichen Arbeitsgruppe und der Krankenversorgung die forschungsorientierte Lehre sowie die Einbindung in die Aus- und Weiterbildung des wissenschaftlichen Nachwuchses. Sie empfiehlt, Fach- und Oberärztinnen und -ärzte über einen Zeitraum von maximal sechs Jahren in einem solchen Programm zu fördern. Idealerweise sollte das Programm in ein bereits vorhandenes Personalentwicklungskonzept für den Karriereweg forschender Ärztinnen und Ärzte in der Universitätsmedizin eingebettet werden. Bund und Länder sollen finanzielle Voraussetzungen schaffen Als institutionelle Voraussetzung der Universitätsmedizin nennt die Senatskommission insbesondere eine adäquate Forschungsinfrastruktur, auch in Kooperation mit anderen universitären oder außeruniversitären Forschungseinrichtungen. Die Finanzierung der Programme sollte zweigeteilt sein: Die klinische Tätigkeit sollte aus Mitteln der Krankenversorgung, der Forschungsanteil aus Drittmitteln und aus einem erhöhten Landeszuführungsbetrag finanziert werden. Daher richten sich die Empfehlungen nicht nur an die Medizinischen Fakultäten, sondern auch an die Ministerien für Forschung und Gesundheit in Bund und Ländern, um die finanziellen Voraussetzungen dafür zu schaffen, die Programme zeitnah einzurichten. Das von der Ständigen Senatskommission für Grundsatzfragen in der Klinischen Forschung empfohlene modellhafte Advanced Clinician Scientist-Programm ist eine Weiterentwicklung der Empfehlungen der Senatskommission von 2015, Clinician Scientist-Programme für Ärztinnen und Ärzte in der Facharztweiterbildung einzurichten. Beide Empfehlungen schließen eine derzeit im internationalen Vergleich in Deutschland bestehende Lücke in der Förderung eines wissenschaftlich-akademischen Karrierewegs in der Universitätsmedizin. Basierend auf den Empfehlungen von 2015 hat die DFG nun im Januar die Förderung von Clinician Scientist-Programmen in der Universitätsmedizin ausgeschrieben. „Die empfohlenen Maßnahmen werden langfristig nur dann erfolgreich sein, wenn in weit größerem Umfang als bisher attraktive Positionen als Karriereziel zur Verfügung stehen“, betont Bruckner-Tuderman. „Hierfür brauchen wir in der deutschen Universitätsmedizin mittelfristig auch arbeitsteilige Organisationsstrukturen mit flachen Hierarchien.“
Mehr erfahren zu: "Was bringen DiGAs in der orthopädischen Praxis?" Was bringen DiGAs in der orthopädischen Praxis? Digitale Gesundheitsanwendungen (DiGAs) sind in der Versorgung angekommen – längst auch in orthopädischen Praxen. Zurzeit gibt es acht DiGAs für diesen Bereich. Eine Sitzung auf dem VSOU-Kongress hatte deren Kosten, […]
Mehr erfahren zu: "Mehr Plan oder Reform? Historie der Gesetzgebung einer Krankenhausreform in mehreren Akten" Mehr Plan oder Reform? Historie der Gesetzgebung einer Krankenhausreform in mehreren Akten Die Krankenhausreform in NRW und im Bund waren Thema auf einer Session des VSOU-Kongresses zur Gesundheitspolitik und deren Auswirkungen auf Deutschlands Kliniklandschaft.
Mehr erfahren zu: "VSOU-Kongress 2026 feierlich eröffnet" VSOU-Kongress 2026 feierlich eröffnet „Zeitenwende. Aufbruch in die Zukunft“ – unter diesem Motto startete am 16. April der VSOU-Kongress 2026, unter der Leitung von Prof. Markus Arand und Prof. Catharina Chiari. Ein Highlight war […]