DFG fördert Forschungsgruppe zu Internetsucht weiter

Online-Games bergen ein hohes Suchtpotenzial. (Foto: © Framestock – stock.adobe.com)

Einfach aufhören? Das ist beim Zocken, Onlineshopping oder Nutzen von Sozialen Medien für viele Menschen kaum möglich. Wie sich das Suchtverhalten entwickelt und ändern lässt, ist das Thema der transregionalen Forschungsgruppe „Affective and cognitive mechanisms of specific Internet-use disorders (ACSID)“. Nun gab die Deutsche Forschungsgemeinschaft grünes Licht für drei weitere Förderjahre und rund fünf Millionen Euro.

Neben dem suchtartigen Computerspielen, das die Weltgesundheitsorganisation bereits als Erkrankung anerkennt, können auch im Internet hemmungsloser Pornographiekonsum, exzessives Shopping und das soziale Netzwerken zum Problem werden. Was dem an psychologischen und neurobiologischen Prozessen zugrunde liegt, untersuchen Prof. Matthias Brand und seine Kollegin Dr. Elisa Wegmann vom Lehrstuhl für Allgemeine Psychologie: Kognition an der Universität Duisburg-Essen seit drei Jahren. In der zweiten Förderperiode sind zwei weitere Antragstellerinnen aus dem Team Brand dabei: Dr. Stephanie Antons und Dr. Silke M. Müller. Unterstützt werden sie von Prof. Nicole Krämer, Lehrstuhl Sozialpsychologie: Medien und Kommunikation (UDE), und von Kollegen der Universitäten Bochum, Bamberg, Gießen, Mainz, Lübeck, und der Medizinischen Hochschule Hannover.

Verschiedene Stadien der Sucht

Wie werden die Nutzenden getriggert? Wann gelingt es ihnen, ihre Impulse zu unterdrücken? Warum verhalten und entscheiden sie sich so? „Die bisherigen Ergebnisse belegen unsere Annahme, dass individuelle kognitive und impulsgesteuerte Prozesse eine besondere Rolle spielen, wenn onlinebezogene Süchte entstehen und aufrechterhalten werden“, erklärt  Forschungsgruppen-Sprecher Brand. Mit diesem Wissen lassen sich Prävention und Therapie dieser Störungen verbessern. „Dennoch sind noch viele psychologische und neurobiologische Mechanismen unklar. Auf diese wollen wir uns in der zweiten Förderphase konzentrieren.“

Dafür befragen der Psychologe und seine Kollegen erneut rund die Hälfte der mehr als 1100 Personen mit sowohl unproblematischem als auch riskantem und pathologischem Verhalten. Sie haben sich bereits in der ersten Förderperiode an Fragebögen, Interviews, experimentellen Paradigmen sowie Hirnscans beteiligt. Die Forschenden wollen so einen mehrere Jahre umfassenden Verlauf darstellen, der die verschiedenen Stadien des Suchtprozesses aufzeigt.

Neu ist zudem, dass sich drei der insgesamt zehn Teilprojekte Machbarkeitsstudien widmen. So will die Forschungsgruppe herausfinden, wie durch gezielte Interventionen die affektiven und kognitiven Mechanismen verändert und dadurch die exzessive Nutzung verringert werden könnte. „Bei weiteren Projekten werden wir zudem erneut die Magnetresonanztomographie einsetzen, um noch besser die neurobiologischen Grundlagen des onlinebezogenen Suchtverhaltens zu verstehen“, erklärt Brand.