DGfN fordert stärkere europäische Transplantationspolitik

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Die Deutsche Gesellschaft für Nephrologie (DGfN) unterstützt eine europaweite Initiative der European Kidney Health Alliance (EKHA) und weiterer Fachgesellschaften. Diese fordern die Europäische Kommission dazu auf, den zweiten EU-Aktionsplan zu Organspende und Transplantation auf den Weg zu bringen.

Die Allianz drängt zudem darauf, die im Jahr 2024 verabschiedeten EU-Ratsbeschlüsse zu Organspende und Transplantation in konkrete politische Maßnahmen zu überführen. Hintergrund ist der laut DGfN nach wie vor signifikante Organmangel. Aus deutscher Sicht sei der Handlungsdruck besonders hoch: Rund 8200 Menschen warten derzeit hierzulande auf ein Spenderorgan – die meisten von ihnen auf eine neue Niere, heißt es weiter in der Pressemitteilung.

DGfN: Transplantation verbessert das Leben

Rund 100.000 Menschen erhalten in Deutschland eine Dialyse, weil ihre Nieren nicht mehr funktionieren. Doch in vielen Fällen sei eine Nierentransplantation die bessere Alternative: „Dialyse rettet Leben, aber sie ersetzt die Nierenfunktion nur unvollständig. Auf Dauer verschlechtern sich Gesundheit, Lebensqualität und Lebenserwartung“, betont Prof. Sylvia Stracke, Pressesprecherin der DGfN und Leiterin Nephrologie, Dialyse und Hochdruckkrankheiten der Universitätsmedizin Greifswald.

Doch die durchschnittliche Wartezeit auf ein Spenderorgan beträgt in Deutschland bis zu zehn Jahre, da nur sehr wenige Menschen als Organspender zur Verfügung stehen. Auch das im März 2024 ins Leben gerufene freiwillige Organspende-Register konnte den Mangel bislang nicht ausgleichen: Lediglich gut 461.000 Menschen haben dort bisher ihre Entscheidung eingetragen (1), informiert die DGfN.

„Ende des vergangenen Jahres warteten in Deutschland 8199 Menschen auf ein Spenderorgan. Über 60 Prozent aller Transplantationen sind Nierentransplantationen (2,3). Und täglich sterben Menschen, weil kein passendes Organ rechtzeitig verfügbar ist“, erläutert DGfN-Generalsekretärin Dr. Nicole Helmbold.

Koordination, Datenqualität und Forschung im Fokus

Die Initiative der EKHA richtet sich an die Generaldirektion Gesundheit und Lebensmittelsicherheit (DG SANTE) der Europäischen Kommission. Sie hat unter anderem folgende Prioritäten: Koordination und Kapazitätsaufbau im Transplantationswesen, harmonisierte europäische Datenstrukturen, Aufklärung und Sensibilisierung sowie Forschung und Innovation zu Organerhalt, regenerativer Medizin und Prävention von Organversagen.

„Mit der Beteiligung der DGfN möchten wir ein klares Signal setzen“, so Helmbold weiter. „Europa braucht einen zweiten EU-Aktionsplan für Organspende und Transplantation – koordiniert, wissenschaftsbasiert und mit starker nephrologischer Expertise.“

Widerspruchslösung gefordert

Die DGfN fordert darüber hinaus weitere Maßnahmen, um den Zugang zur Transplantation zu verbessern. Dazu gehöre auch in Deutschland die Einführung einer Widerspruchslösung, um mehr Menschen eine rechtzeitige Transplantation zu ermöglichen. Die DGfN begrüßt daher ausdrücklich, dass der Bundesrat im November 2025 offiziell einen Gesetzentwurf zur Einführung der Widerspruchslösung in den Bundestag eingebracht hat (4). Sie sieht darin einen entscheidenden Schritt, um den Zugang zur Nierentransplantation zu verbessern.

„Der Zugang zur Nierentransplantation ist das eine. Mindestens ebenso wichtig ist es, Nierenkrankheiten zu verhindern, früh zu erkennen und ihr Fortschreiten aufzuhalten. Dafür braucht es konsequente Prävention, Forschung und ein exzellentes klinisches Netzwerk. Die DGfN setzt sich deshalb für die Gründung eines Deutschen Zentrums für Nierengesundheit (DZNG) ein. Denn sein Ziel ist es, dass künftig weniger Menschen dialysiert oder transplantiert werden müssen,“ so Helmbold.

Quellen:
(1) Register für Erklärungen zur Organ- und Gewebespende (kurz: Organspende-Register): www.organspende-info.de/organspende-register/, Abruf am 22.01.2026
(2) Transplantationsanteil Niere: European Kidney Health Alliance (EKHA), Datenbasis europäischer Transplantationsregister.
(3) https://www.dso.de/dso/presse/pressemitteilungen/Organspendezahlen%202025%20auf%20h%C3%B6chstem%20Stand%20seit%202012%20%E2%80%93%20dennoch%20weiterhin%20gro%C3%9Fer%20Bedarf/156 23.1.2026
(4) https://www.bundestag.de/presse/hib/kurzmeldungen-1126912