DGI warnt vor Schwächung der Infektionsmedizin

Die Deutsche Gesellschaft für Infektiologie warnt vor einer Streichung der Leistungsgruppe Infektiologie. (Symbolfoto: ©sdecoret/stock.adobe.com)

Neue Daten zeigen: Menschen mit Adipositas haben ein erhöhtes Risiko für schwere Infektionen. Angesichts dessen warnt die Deutsche Gesellschaft für Infektiologie (DGI) vor einer Schwächung der Infektionsmedizin durch eine Streichung der Leistungsgruppe Infektiologie.

Laut einer aktuellen Studie in „The Lancet“ haben Menschen mit Adipositas ein um 70 Prozent höheres Risiko, aufgrund einer Infektion ins Krankenhaus eingeliefert zu werden oder zu sterben als Normalgewichtige. Weltweit gesehen bringen die Forschenden jeden zehnten infektionsbedingten Todesfall mit Adipositas in Zusammenhang (wir berichteten).

„Bereits während der Corona-Pandemie konnten wir beobachten, dass stark übergewichtige Menschen häufiger schwerere Verläufe hatten als Normalgewichtige. Die vorliegende Untersuchung belegt diesen Zusammenhang nun für zahlreiche Infektionen – und auch in einer Dimension, die bislang unterschätzt wurde“, ordnet Prof. Gerd Fätkenheuer, Past-Präsident der DGI, die neuen Erkenntnisse ein.

Immer größere Teile der Bevölkerung durch Infektionen gefährdet

Die DGI weist darauf hin, dass auch in Deutschland immer mehr Menschen übergewichtig seien – und damit einem erhöhten Risiko für schwer oder tödlich verlaufende Infektionen ausgesetzt. Es sei bekannt, dass die Einbindung von Fachärztinnen und Fachärzten der Infektiologie die Überlebenschancen von Betroffenen mit schweren Infektionen um bis zu 20 Prozent verbessern, Komplikationen reduzieren und den Antibiotikaverbrauch senken könne. „Eine strukturelle Verankerung infektiologischer Kompetenz ist deshalb nicht nur medizinisch unverzichtbar – sondern auch ökonomisch sinnvoll“, sagt Prof. Maria Vehreschild, Vorsitzende der DGI.

Schwächung der Infektionsmedizin in Deutschland

Das aktuelle Krankenhausreformanpassungsgesetzes (KHAG) sieht jedoch das Gegenteil vor. Hier sollen mehrere Leistungsgruppen komplett entfallen – darunter auch die Leistungsgruppe Infektiologie. Laut DGI lässt sich die spezielle Infektiologie ohne eine Leistungsgruppe kaum finanzieren. Parallel läuft im Krankenhausentgeltgesetz auch die Förderung der Weiterbildung zum/zur Fachärztin/Facharzt für Innere Medizin und Infektiologie sowie die Förderung der Zusatz-Weiterbildungen Infektiologie für Ärztinnen und Ärzte anderer Fachrichtungen aus.

„Wir verspielen aktuell viele Fortschritte der vergangenen Jahre. Die Zukunft des Fachs Infektiologie – die Weiterbildung qualifizierten Nachwuchses, die Finanzierung infektiologischer Leistungen und die wissenschaftliche Weiterentwicklung – ist in Deutschland akut bedroht“, so Fätkenheuer.

Weniger Qualität, weniger Effizienz

Nach Ansicht der DGI droht damit die Qualität der Versorgung bei schweren Infektionen zu leiden. „Es braucht eine strukturelle Verankerung der Infektiologie im Krankenhaus- und Entgeltsystem – andernfalls drohen erhebliche Verluste der Qualität und Sicherheit der betroffenen Patientinnen und Patienten“, sagt Vehreschild. „Aktuell handeln wir nicht nur entgegengesetzt zu anderen hochentwickelten, effizienten Gesundheitssystemen, die der Infektionsmedizin evidenzbasiert einen hohen Stellenwert zuweisen; wir schwächen auch ohne Not die von der Gesundheitspolitik formulierten Ziele für mehr Qualität und Effizienz.“

Zusammen mit zahlreichen Fachgesellschaften und Verbänden hat die Deutsche Gesellschaft für Infektiologie (DGI) im Oktober letzten Jahres eine umfassende Stellungnahme zur Situation der Infektionsmedizin verfasst.