DGINA verleiht David-Williams-Award an die Initiatoren von ACiLS

Ausgezeichnet für die Erstellung des Kurzkonzeptes ACiLS (v.l.): Die diesjährigen Gewinner des David-Williams-Awards Henning Biermann, Mark Michael und Ingmar Gröning. (Foto: ©Matthias Brachmann/DGINA)

Der David-Williams-Award der Deutschen Gesellschaft für Notfallmedizin (DGINA) geht in diesem Jahr an die drei Initiatoren des Kurskonzeptes ACiLS (Advanced Critical Illness Life Support): Dr. Henning Biermann, Dr. Ingmar Gröning und Dr. Mark Michael.

Mit der Auszeichnung würdigt die DGINA das außergewöhnliche Engagement der Preisträger für die klinische Notfallmedizin in Deutschland. Seit 2022 vermittelt ACiLS ein strukturiertes Vorgehen zur Versorgung kritisch kranker nicht traumatologischer Notfälle. Damit schließt der Kurs eine lange bestehende Lücke in der notfallmedizinischen Aus- und Weiterbildung. Während es für traumatologische Notfälle bereits seit den 1970er Jahren etablierte Trainingskonzepte gab, fehlte bis zur Entwicklung von ACiLS ein vergleichbarer Standard für den nicht traumatologischen Schockraum.

In seiner Laudatio würdigte DGINA-Präsident Martin Pin die außergewöhnliche Entwicklungsleistung der Preisträger: „Aufzuschreiben, was gemacht werden soll, ist das eine, ein Konzept zu erstellen und mit einem solchen Spirit groß werden zu lassen, etwas ganz anderes“, sagte Pin bei der Preisverleihung auf der DGINA-Jahrestagung im Juni in Hamburg.

37 Kurse, 1000 Teilnehmende, vier Standorte

ACiLS wurde in einer vierjährigen Entwicklungsphase in der DGINA-Arbeitsgruppe „Schockraum“ erarbeitet. Das Kurskonzept kombiniert E-Learning-Module mit Präsenztraining und basiert auf einem eigens entwickelten Algorithmus für das Management kritisch kranker nicht-traumatologischer Notfälle. Seit dem Start wurden bundesweit bis heute 37 Kurse durchgeführt. Insgesamt haben fast 1000 Ärztinnen, Ärzte und Pflegefachpersonen an den Trainings teilgenommen. Der Kurs wird inzwischen an vier Standorten angeboten.

Für Michael, nationaler Koordinator ACiLS und stellvertretender ärztlicher Leiter der Zentralen Notaufnahme des Universitätsklinikums Düsseldorf, liegt die Bedeutung des Konzepts vor allem in der Standardisierung der Versorgung: „Wir wollen eine gemeinsame Sprache im Schockraum vermitteln.“ Der dafür entwickelte Algorithmus (PR_E-)AUD²IT helfe, lebensbedrohliche und kritische Differentialdiagnosen strukturiert auszuschließen.

Gröning, Chefarzt der Klinik für Notfallmedizin am Alexianer Krankenhaus Krefeld und Nationaler Direktor ACiLS, sieht darin eine Antwort auf „das große Fragezeichen nicht traumatologischer Schockraum“. Das Konzept schließe eine Lücke, die bestehende Kurssysteme noch nicht abdecken. „Bei ACiLS geht es nicht um Trauma und nicht um Reanimation. Es vermittelt Struktur in kritischen Situationen bei schwer kranken Patientinnen und Patienten.“

Die Fachbereiche verlassen und als Notfallmediziner denken

Für den Klinischen Direktor ACiLS Biermann, leitender Oberarzt am Zentrum für klinische Akut- und Notfallmedizin der Uniklinik RWTH Aachen, steht der Perspektivwechsel im Mittelpunkt: „Wir verlassen die Perspektive der ursprünglichen Fachbereiche. Wir denken und handeln als Notfallmediziner.“ Ziel sei eine leitsymptomorientierte Versorgung, bei der die gefährlichsten Ursachen zuerst abgearbeitet und diagnostische Fixierungsfehler vermieden werden.

Die Deutsche Gesellschaft für Notfallmedizin verleiht den David-Williams-Award seit 2011 für herausragende Leistungen in der fachübergreifenden Notfallmedizin. Benannt ist die Auszeichnung nach dem britischen Notfallmediziner Dr. David Williams, der maßgeblich zur Professionalisierung der Notfallmedizin beigetragen hat. Der Preis ist mit insgesamt 2500 Euro dotiert. Zusätzlich erhält jeder Preisträger eine Silbermünze, die mit dem Porträt von David Williams geprägt ist.