DGOU fordert ausreichende Mittel für das Gesundheitssystem im militärischen Ernstfall4. März 2025 Übung zur Blutstillung (Foto: Maksym – stockadobe.com) Orthopäden und Unfallchirurgen mahnen an, dass bei der Budgetierung durch eine zukünftige neue Regierung ausreichend finanzielle Mittel für die Ausstattung des Gesundheitssystems für den militärischen Krisenfall zur Verfügung gestellt werden. Es dürfe nicht nur Ausgaben für eine militärische Wehrhaftigkeit Deutschlands geben, sondern es müssten auch Folgekosten berücksichtigt werden, so die Forderung der Deutschen Gesellschaft für Orthopädie und Unfallchirurgie (DGOU). „Sollte es zu einem militärischen Ernstfall kommen, muss die Versorgung etwaiger verletzter Soldaten sowie die Regelversorgung der Zivilbevölkerung sichergestellt sein. Eine einseitige Planung nur für den Sanitätsdienst der Bundeswehr greift zu kurz, da dessen Ressourcen schnell ausgeschöpft wären“, erläutert Prof. Dietmar Pennig, Generalsekretär der DGOU und der Deutschen Gesellschaft für Unfallchirurgie (DGU) und fordert auch die zivile Medizin mit einzubeziehen: „Damit Krankenhäuser und ärztliches Personal konsequent und im erforderlichen Umfang darauf vorbereitet werden können, drängt die Zeit und wir benötigen jetzt die dafür erforderlichen Gelder“, mahnt Pennig. „Niemand will, dass der militärische Ernstfall eintritt, doch träte er ein, wären unsere Krankenhäuser nicht ausreichend darauf vorbereitet“, ergänzt Prof. Bernd Kladny, stellvertretender Generalsekretär der DGOU. „Wir müssen deshalb die Resilienz unseres Gesundheitswesens stärken und appellieren an die sich gerade konstituierende Regierung: Widmen Sie der Gesundheitsversorgung im Verteidigungsfall die gleiche Aufmerksamkeit wie der militärischen Aufrüstung. Denn beides muss zusammengedacht werden, um wehrhaft zu sein.“ Die deutschen Krankenhäuser haben laut DGOU hinsichtlich der Versorgung von Kriegsverletzungen und der Organisation für den Ernstfall einen erheblichen Nachholbedarf, lediglich die fünf Bundeswehrkrankenhäuser seien mit besonderen Kenntnissen ausgestattet. „Eine NATO-Simulation von 1000 Kriegsverletzten pro Tag zeigt, dass in einem militärischen Bündnisfall die dafür vorgesehenen Betten der Bundeswehrkrankenhäuser und der assoziierten BG-Kliniken innerhalb von 48 Stunden ausgelastet wären. Die fünf Bundeswehrkrankenhäuser haben rund 1800 Betten, die neun berufsgenossenschaftlichen Kliniken 2200 Betten – hier ist der verbesserte organisatorische Zugriff auf die 35.000 Betten und die gesamte anzupassende Infrastruktur des TraumaNetzwerks dringend geboten“, konstatiert Pennig. Der DGOU zufolge braucht es Geld für: Schulung des ärztlichen Personals: Trainings von Arzt- und Pflegepersonal in Kliniken für den Massenanfall von Verletzten Ausbildung von Chirurginnen und Chirurgen für den Ernstfall, insbesondere für die operative Versorgung von Kriegsverletzungen wie Schusswunden oder durch Sprengsätze mit der Folge von verstümmelten Gliedmaßen Ertüchtigung der Krankenhäuser: Ausstattung: Vorhaltung von zusätzlichen Notfallinstrumenten und -materialien in ausreichender Menge, da Lieferketten unterbrochen sein können Übungen: Den Ernstfall proben und Kliniken dazu 24 Stunden vom Netz nehmen Schaffung einer Organisationsstruktur: Einrichtung einer zivil-militärischen Stabsstelle zur Koordinierung der Verteilung von Verletzten Vernetzung und Steuerungsinstrumente zur Kapazitätsabfrage Im Ernstfall müssen der Fachgesellschaft zufolge auch die zivilen Krankenhäuser herangezogen und die 650 Krankenhäuser des TraumaNetzwerks der DGU aktiviert werden. Diese verfügten über fachliche Kompetenzen und spezielle personelle, strukturelle und technische Ressourcen, wie beispielsweise die Schockraum-Ausstattung. Damit im Ernstfall eine schnelle Verteilung von Verwundeten möglich ist, brauche es dafür eine klare Struktur, ein Kommunikationskette und vorherige Übung.
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