DGP 2024: Forschungspreis für Entdeckung eines körpereigenen Moleküls, das die COPD-Abwehr beeinträchtigt21. März 2024 Preisträger Cheng-Yu Wu (Foto: © privat) Die Identifizierung eines neuen Moleküls hat das Potenzial, zukünftig in der Diagnose und Therapie der Chronisch-obstruktiven Lungenerkrankung (COPD) neue Wege zu eröffnen. Für die Entdeckung dieses Moleküls hat Dr. Cheng-Yu Wu von der Justus-Liebig-Universität Gießen den Forschungspreis der Deutschen Gesellschaft für Pneumologie und Beatmungsmedizin (DGP) in der Kategorie Grundlagenforschung erhalten. Er wurde damit ebenso ausgezeichnet, wie ein Münchener Duo. Wu identifizierte das carcinoembryonale Antigen Zelladhäsionsmolekül (CEACAM6), das die antioxidative Abwehr auf Proteinebene im menschlichen Körper reguliert. Der Nachwuchsforscher untersuchte in biologischen Proben – Sputum, Lungengewebe und Blut – aus vier verschiedenen Kohorten die Mechanismen im Körper von COPD-Patienten und verglich diese mit Proben gesunder Kontrollpersonen. Diese Untersuchungen zielen darauf ab, körpereigene Mechanismen zu identifizieren, die sich günstig auf das Voranschreiten einer COPD auswirken – oder der Entwicklung eines Emphysems entgegenwirken. „Dr. Cheng-Yu Wu hat sich in seiner Grundlagenforschung auf die Abwehrmechanismen des menschlichen Körpers gegen die COPD als chronisch fortschreitende Erkrankung konzentriert – und Bahnbrechendes für uns Pneumologen und vor allem unsere Patientinnen und Patienten gefunden“, erklärt Prof. Wolfram Windisch, DGP-Präsident und Sprecher der Jury. Der Pneumologie-Forschungspreises ist mit 10.000 Euro dotiert. Neuartiges In-vitro-Modell für zigarettenrauchresistente Zellen „Zunächst einmal wollte ich mit Blick auf den aktuellen Forschungsstand herausfinden, warum manche Menschen anfälliger für COPD sind“, erklärt Preisträger Wu. Der Gießener entwickelte deshalb ein neuartiges In-vitro-Modell für zigarettenrauchresistente Zellen. Mithilfe dieses Modells verglich er resistente und nichtresistente Zellen, um herauszufinden, welcher Mechanismus die Resistenz gegen Zigarettenrauch verursachte. „Diese Ergebnisse wurden weiter validiert und waren mit den klinischen Szenarien vergleichbar”, berichtet Wu. So konnte er schließlich erstmals das Molekül CEACAM6 identifizieren, welches eine entscheidende Rolle in der körpereigenen Resistenz gegen COPD spielt. Entdeckung von CEACAM6 ermöglicht neue Diagnose- und Therapiemöglichkeiten Wus Forschungsergebnisse könnten in Zukunft die klinische Praxis der Pneumologen auf verschiedene Weise bereichern: „Zum einen könnte auf dieser Grundlage ein Biomarker als Diagnose-Instrument entwickelt werden, um Menschen zu identifizieren, die anfällig für die Entwicklung einer COPD sind“, meint der Preisträger. „Zum anderen könnte das gezielte Verringern der Aktivität von CEACAM6 als mögliche Therapie zur Stärkung der antioxidativen Abwehrkräfte der Patientinnen und Patienten eingesetzt werden.“ Da auch viele andere Krankheiten durch oxidativen Stress ausgelöst werden, könnten seine Erkenntnisse aber darüber hinaus noch für viele weitere neue Diagnose- und Therapieverfahren genutzt werden. „Wir werden zukünftig noch viele Berührungspunkte mit CEACAM6 haben und sollten uns dabei immer wieder an den heutigen Moment und Dr. Cheng-Yu Wu erinnern“, betont Prof. Antje Prasse, Chefärztin für Pneumologie am Universitätsspital Basel, Jurymitglied und gleichzeitig Vorsitzende der Programmkommission des DGP-Kongresses anlässlich der Preisvergabe. Als Besonderheit zeichnet die DGP in diesem Jahr in der Kategorie Grundlagenforschung Projekte aus: neben Wu erhielten auch die Münchener Janine Gote-Schniering und Niklas Lang vom Helmholtz Zentrum München diesen Preis.
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