DGTI-Experten untersuchen Wirksamkeit von Antikörpern gegen SARS-CoV-230. April 2020 Foto: © alphaspirit/Adobe Stock Nach einer Infektion mit SARS-CoV-2 bilden Menschen in der Regel spezifische Antikörper, die Patienten mit einer akuten COVID-19-Erkrankung bei der Bewältigung der Erkrankung helfen könnten. Die Wirksamkeit einer Therapie mit Antikörpern, die sich im Blut Genesener befinden, ist bisher wissenschaftlich aber nicht ausreichend belegt. Daher haben Experten der Deutschen Gesellschaft für Transfusionsmedizin und Immunhämatologie (DGTI) die deutschlandweit angelegte CAPSID-Studie gestartet. Ziel ist es, herauszufinden, ob und wie Antikörper gegen SARS-CoV-2 bei akut an COVID-19 erkrankten Patienten wirken. Die Suche nach wirksamen Therapien zur Behandlung von COVID-19 läuft auf Hochtouren. Nun wurde eine erste klinische Studie zugelassen, welche die Wirksamkeit von Rekonvaleszenten-Plasma bei Patienten mit einem schweren Verlauf von COVID-19 untersucht. Dabei handelt es sich um das Plasma von Menschen, die eine Infektion mit SARS-CoV-2 überstanden haben und wieder vollständig genesen sind. Dieses Plasma enthält spezifische Antikörper gegen das neue Coronavirus, das Patienten, die schwer an COVID-19 erkrankt sind, transfundiert werden soll. „Ziel der Studie ist es, eine wissenschaftlich gesicherte Basis für die Behandlung von COVID-19 mit Rekonvaleszenten-Plasma zu erhalten“, erläutert Prof. Hermann Eichler, erster Vorsitzender der DGTI die Beweggründe für die Untersuchung. Die CAPSID-Studie ist nun deutschlandweit angelaufen. Dabei handelt es sich um eine prospektive und kontrollierte multizentrische Studie. Die wissenschaftliche Leitung liegt bei den DGTI-Experten Prof. Hubert Schrezenmeier, Ärztlicher Direktor und Medizinischer Geschäftsführer des Instituts für Klinische Transfusionsmedizin und Immungenetik Ulm, sowie Professor Dr. med. Erhard Seifried, Ärztlicher Direktor und Medizinischer Geschäftsführer des Instituts für Transfusionsmedizin und Immunhämatologie Frankfurt am Main. „Rekonvaleszenten-Plasma, das Antikörper gegen die überstandene Erkrankung enthält, könnte flächendeckend zur Behandlung schwerer COVID-19-Verläufe eingesetzt werden. In der Studie prüfen wir daher, wie genau die jeweiligen Antikörper, welche die Genesenen gebildet haben, wirken, also das Wirkprinzip. Zum anderen untersuchen wir, wie sicher und wirksam die Gabe der Antikörper zur Behandlung ist“, erläutert Eichler die zentralen Fragestellungen der Studie. Da die Antikörper vom Empfänger nicht selbst produziert wurden, spricht man bei dieser Vorgehensweise von der Passivimmunisierung, wie sie etwa auch bei Wundstarrkrampf und Tollwut angewandt wird, wenn vor einer möglichen Infektion kein ausreichender Impfschutz vorliegt. „Die Antikörper sollen das Immunsystem der Erkrankten unterstützen und dramatische Verläufe abmildern, indem sie die Coronaviren abfangen, sodass diese sich nicht weiter vermehren“, erläutert Eichler, der auch Direktor des Instituts für Klinische Hämostaseologie und Transfusionsmedizin an der Universität des Saarlandes in Homburg ist. In den letzten Tagen und Wochen wurden bereits Menschen zur Plasmaspende aufgerufen, die von einer Infektion mit dem neuen Coronavirus genesen sind. Für die Spende in Frage kommen grundsätzlich Spendenwillige, die alle Kriterien für eine reguläre Blutspende erfüllen, seit 2 Wochen keine Erkrankungssymptome mehr zeigen und in deren Abstrich keine Viren mehr nachweisbar sind. Erste Zwischenergebnisse der CAPSID-Studie erwarten die Forscher bereits in wenigen Monaten.
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