Diabetes erhöht das Parkinson-Risiko: Welche Rolle die Ernährung spielt9. April 2026 Eine gesunde Ernährung steht sowohl bei der Prävention von Diabetes als auch Parkinson im Fokus. Symbolbild: Visual Studio/stock.adobe.com Diabetes ist ein Risikofaktor für die Entstehung von Parkinson. Eine gesunde Ernährung kann das Risiko für beide Erkrankungen reduzieren. Anlässlich des Welt-Parkinson-Tages betonen deutsche Fachgesellschaften daher die Bedeutung der Ernährung in der Prävention. Am 11. April ist Welt-Parkinson-Tag, der die Prävention dieser neurodegenerativen Erkrankung in den Mittelpunkt stellt. Bekannt ist beispielsweise, dass die Ernährung eine Rolle bei der Entstehung von Parkinson spielt. Weniger bekannt ist jedoch, dass Diabetes mellitus – und sogar seine Vorstufen – das Risiko erhöhen, im Laufe des Lebens an Parkinson zu erkranken. Eine gesunde, ausgewogene Ernährung kann vor Typ-2-Diabetes schützen und dadurch zugleich das Parkinson-Risiko senken. Mediterrane Ernährung reduziert Risiko für Parkinson Die Zahl der Menschen, die an Parkinson erkranken, steigt schneller, als es der demografische Wandel allein erklären kann. Neben Umweltfaktoren wie Luftverschmutzung und der Exposition gegenüber Pflanzenschutzmitteln rückt zunehmend auch die Ernährung in den Fokus der Forschung. Studien deuten darauf hin, dass fehlgefaltetes Alpha-Synuclein im Darm entsteht und sich über den Vagusnerv ins Gehirn ausbreitet (Hirn-Darm-Achse). Veränderungen des Darmmikrobioms sowie chronische Verstopfung gelten zudem als mögliche Frühzeichen, oft lange vor dem Auftreten motorischer Symptome. Vor diesem Hintergrund richten sich neue wissenschaftliche Ansätze verstärkt auf die Rolle der Darmflora und den Effekt der Ernährung bei der Parkinson-Entstehung. Zahlreiche Studien zeigen, dass eine mediterrane Ernährung mit einem geringeren Risiko für Parkinson sowie einer niedrigeren Symptomlast bei bereits Erkrankten einhergeht1,2. Sie basiert auf viel Obst und Gemüse, Hülsenfrüchten, Vollkornprodukten, Olivenöl und Fisch, während Fleisch sowie stark verarbeitete, zuckerreiche Lebensmittel nur selten auf dem Speiseplan stehen. „Diabetes-Prävention ist auch Parkinson-Prävention“ Die mediterrane Diät schützt auch vor der Entstehung von Diabetes mellitus – und das ist zum Welt-Parkinson-Tag durchaus relevant: Denn wie verschiedene Studien zeigten, haben Menschen mit Diabetes ein höheres Risiko, an Parkinson zu erkranken. Eine Metaanalyse3 von 15 Kohortenstudien mit insgesamt 29,9 Millionen Personen kam zu dem Ergebnis, dass Diabetes mit einem etwa 27 Prozent höheren relativen Risiko für Parkinson assoziiert ist. Selbst für Prädiabetes zeigte sich ein kleiner, aber messbarer Risikoanstieg. „Auch eine retrospektive Kohortenstudie aus Spanien4 kam zu dem Ergebnis, dass das Parkinson-Risiko bereits bei Prädiabetes erhöht ist“, erklärte PD Dr. Eva Schäffer vom UKHS in Kiel, Sprecherin der DGN-Taskforce Prävention. Nach Angaben der Deutschen Diabetes Gesellschaft (DDG)5 erkranken in Deutschland jährlich rund 450.000 Menschen neu an Diabetes, etwa 9,3 Millionen leben derzeit mit der Erkrankung. Bis 2040 könnte die Zahl der Betroffenen auf 12,3 Millionen steigen. „Angesichts dieser Entwicklung müssen wir auch das damit einhergehende erhöhte Parkinson-Risiko in den Blick nehmen und stärker für eine gesunde Ernährung sensibilisieren“, erklärt Prof. Daniela Berg, Präsidentin der Deutschen Gesellschaft für Neurologie (DGN). „Diabetes-Prävention ist letztlich auch Parkinson-Prävention.“ Forderung nach Zuckersteuer Als wesentliche Ursache für die steigende Diabetes-Prävalenz gilt die dauerhaft zu hohe Energiezufuhr. Eine Ernährung mit vielen gesättigten Fettsäuren und Zucker begünstigt Übergewicht und Typ-2-Diabetes. „Vielen Menschen ist nicht einmal bewusst, wie viel versteckten Zucker und Fette sie täglich aufnehmen – etwa über Fast Food oder Softdrinks. Deshalb unterstützen wir die Initiativen der Deutschen Allianz Nichtübertragbare Krankheiten (DANK) für mehr Transparenz und eine gesündere Ernährung“, so Berg. Nichtübertragbare Krankheiten seien weiterhin auf dem Vormarsch, ergänzt Barbara Bitzer, Sprecherin der DANK und Geschäftsführerin der DDG. Doch mit Appellen an die Eigenverantwortung, Bildungsangeboten und Aufklärung allein könne man diesem Problem nicht begegnen. „Wir brauchen eine verantwortungsvolle Präventionspolitik, die mutig und unideologisch Reformen anpackt. Dazu zählt auch eine nach Zuckergehalt gestaffelte Zuckersteuer nach britischem Vorbild, wie sie die FinanzKommission Gesundheit kürzlich auch empfohlen hat“, so ihr abschließender Appell. Referenzen: [1] Seelarbokus BA et al. Mediterranean Diet Adherence, Gut Microbiota and Parkinson’s Disease: A Systematic Review. Nutrients 2024;16(14):2181 [2] Solch RJ et al. Mediterranean diet adherence, gut microbiota, and Alzheimer’s or Parkinson’s disease risk: A systematic review. J Neurol Sci 2022;434:120166 [3] Aune D et al. Diabetes mellitus, prediabetes and the risk of Parkinson’s disease: a systematic review and meta-analysis of 15 cohort studies with 29.9 million participants and 86,345 cases. Eur J Epidemiol 2023;38(6):591-604 [4] Sánchez-Gómez A et al. Prediabetes, type 2 diabetes mellitus and risk of Parkinson’s disease: A population-based cohort study. Parkinsonism Relat Disord 2021;89:22-27 [5] https://www.ddg.info/ddg-factsheet
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