Diabetesmedikamente bei Alzheimer – Besserung der Hirnfunktion17. Oktober 2025 Empagliflozin und intranasales Insulinverbessern die Hirnfunktion bei Alzheimer. (Bild: © Alona/stock.adobe.com) Eine Studie der Wake Forest University untersucht erstmals Empagliflozin und intranasales Insulin bei Alzheimer-Patienten ohne Diabetes. Ergebnisse zeigen positive Effekte auf Gedächtnis, Gehirngesundheit und Durchblutung. Eine klinische Studie der Wake Forest University School of Medicine untersucht die Diabetesmedikamente Empagliflozin und intranasales Insulin auf ihre Verbesserung der Gehirnfunktion bei Patienten mit leichter kognitiver Beeinträchtigung und frühem Alzheimer. Die Ergebnisse, veröffentlicht in „Alzheimer’s & Dementia“, zeigen positive Effekte auf Gedächtnis, Gehirngesundheit und Gehirndurchblutung. Die Studie adressiert eine zentrale Versorgungslücke: Bisher verfügbare Anti-Amyloid-Medikamente zeigen nur begrenzte Wirksamkeit, sind für viele Patienten aufgrund von Nebenwirkungen oder Kontraindikationen nicht zugänglich und behandeln nicht die zugrunde liegenden metabolischen und vaskulären Ursachen der Erkrankung. Metabolische Therapien verändern Krankheitsverlauf „Unsere Studie deutet darauf hin, dass eine gezielte Beeinflussung des Stoffwechsels den Verlauf der Alzheimer-Krankheit verändern kann“, berichtet Dr. Suzanne Craft, leitende Forscherin und Professorin für Medizin und Direktorin des Wake Forest Alzheimer’s Disease Research Center. „Erstmals konnten wir zeigen, dass Empagliflozin Marker für Hirnschäden reduziert und gleichzeitig die Durchblutung in kritischen Hirnregionen wiederherstellt. Wir bestätigten außerdem, dass die direkte Insulinabgabe an das Gehirn mit einem neu validierten Gerät die Kognition, die neurovaskuläre Gesundheit und die Immunfunktion verbessert. Zusammengenommen unterstreichen diese Ergebnisse, dass der Stoffwechsel ein wichtiges neues Feld in der Alzheimer-Behandlung darstellt.“ An der vierwöchigen Studie nahmen 47 ältere Erwachsene (Durchschnittsalter 70 Jahre) mit leichten kognitiven Beeinträchtigungen oder frühem Alzheimer teil. Sie erhielten entweder intranasales Insulin allein, Empagliflozin allein, beide Medikamente kombiniert oder Placebo. In der aktuellen Studie wurden höhere Insulindosen als in früheren Studien verwendet (160 IE täglich gegenüber 40–80 IE). Die Verabreichung erfolgte über ein Kartuschenpumpensystem, das eine präzise Insulinabgabe an Hirnregionen ermöglicht, die für Gedächtnis und Kognition relevant sind. Empagliflozin wurde in der Standarddosis von 10 mg täglich verabreicht, wie sie bei nicht diabetischen Erwachsenen mit kardiovaskulären Erkrankungen üblich ist. Beide Medikamente erwiesen sich als sicher und gut verträglich. Behandlungsbedingte Nebenwirkungen waren gering und in allen Gruppen vergleichbar. Die Teilnehmer empfanden die Anwendung des nasalen Insulingeräts als praktisch (4,6 von 5,0). Die Compliance lag bei beiden Therapien während der gesamten Studiendauer bei mehr als 97 Prozent. Empagliflozin und intranasales Insulin bei Alzheimer –Unterschiedliche Wirkprofile Intranasales Insulin verbesserte die Leistung in kognitiven Tests, die frühe Gedächtnis- und Denkveränderungen erkennen. Bildgebende Verfahren zeigten eine erhöhte strukturelle Integrität der weißen Substanz sowie veränderte Durchblutungsmuster in gedächtniskritischen Hirnregionen. Die Behandlung reduzierte zudem den Plasma-Spiegel des sauren Gliafaser-Proteins (GFAP), einem Marker für die Dysfunktion von Astrozyten, der bei Alzheimer erhöht ist. Empagliflozin hingegen senkte den Tau-Spiegel im Liquor signifikant. Es reduzierte außerdem Neurogranin und vaskuläre Marker, die mit dem Krankheitsverlauf in Zusammenhang stehen. Zudem veränderte es die Durchblutung in wichtigen Hirnregionen. Empagliflozin erhöhte auch den HDL-Cholesterinspiegel, was die metabolischen Vorteile der Therapie selbst bei nicht diabetischen Patienten unterstreicht. Therapeutisches Potenzial und Ausblick Patienten mit Alzheimer zeigen häufig Insulinresistenz im Gehirn sowie vaskuläre Störungen, die Blutfluss und Nährstoffversorgung beeinträchtigen. Diese metabolischen und vaskulären Dysfunktionen beschleunigen die Ansammlung von Amyloid-Plaques und Tau-Fibrillen und verhindern die Entfernung dieser toxischen Proteine. Den Forschenden zufolge wirken die beiden getesteten Medikamente auf unterschiedliche Weise, adressieren jedoch überlappende pathophysiologische Probleme, die zur Krankheitsprogression beitragen. „Wir planen, auf diesen vielversprechenden Ergebnissen aufzubauen und größere, längere Studien mit Menschen mit frühem und präklinischem Alzheimer durchzuführen“, berichtet Craft. „Da Empagliflozin oder intranasales Insulin Tau-Fibrillen, Kognition, neurovaskuläre Gesundheit und Immunfunktion verbessert haben, glauben wir, dass diese Behandlungen echtes therapeutisches Potenzial bieten – entweder einzeln oder in Kombination mit anderen Alzheimer-Therapien.“ Die Wissenschaftler sind überzeugt, dass die komplementäre Wirkung der beiden Medikamente sie zu wertvollen Bestandteilen kombinierter Therapieansätze machen könnte. Beide Medikamente sind bereits für andere Indikationen von der FDA zugelassen und weisen gut dokumentierte Sicherheitsprofile auf. Daher könnten sie schneller für Patienten verfügbar sein als völlig neue Substanzen, wie die Autoren betonen. (lj/BIERMANN)
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