Diabetische Retinopathie: Höheres Risiko für Nachteulen?29. Oktober 2025 Abhängig von ihrer inneren biologischen Uhr lassen sich Menschen unterschiedlichen Chronotypen zuordnen. Umgangssprachlich werden sie meist als Lerchen oder Eulen bezeichnet. Der Chronotyp scheint einen maßgeblichen Einfluss auf die Stoffwechselgesundheit zu haben. Symbolbild: ©ArtemisDiana/stock.adobe.com Menschen mit Typ-2-Diabetes und abendlichem Chronotyp – sogenannte Nachteulen – haben ein deutlich höheres Risiko für das Auftreten oder Fortschreiten einer diabetischen Retinopathie, wie neueste Studiendaten aus Japan zeigen. Die innere biologische Uhr tickt nicht bei allen Menschen gleich. Sie werden deshalb in unterschiedliche Chronotypen eingeteilt, die ihren zirkadianen Rhythmus widerspiegeln. Vereinfacht unterscheidet man zwischen Morgen- und Abendmenschen, umgangssprachlich auch Lerchen und Eulen genannt. Der zirkadiane Rhythmus hängt dabei mit Lebensgewohnheiten und physiologischen Faktoren zusammen wie zum Beispiel dem Stoffwechsel und Hormonspiegeln. In einer Studie der Juntendo University Graduate School of Medicine (Japan) haben Forschende nun den Zusammenhang zwischen den Lebensgewohnheiten, einschließlich des Chronotyps, und der diabetischen Retinopathie untersucht. Chronotyp beeinflusst Pathogenese Die Ergebnisse wurden jüngst in der Fachzeitschrift „Diabetologia“ veröffentlicht. Sie zeigen, dass Menschen mit Typ-2-Diabetes und einem abendlichen Chronotyp eine schlechtere Blutzuckerkontrolle haben und ein höheres Risiko für das Auftreten/Fortschreiten einer diabetischen Retinopathie aufweisen. Einige vorherige Studien hatten angedeutet, dass Störungen des zirkadianen Rhythmus zur Pathogenese der diabetischen Retinopathie beitragen können. Die japanischen Wissenschaftler führten deshalb eine prospektive Beobachtungsstudie durch, um den Zusammenhang genauer zu untersuchen. Sie rekrutierten insgesamt 731 japanische ambulante Patienten mit Typ-2-Diabetes ohne bekannte kardiovaskuläre Vorerkrankungen. Ihre Lebensgewohnheiten wurden mithilfe von Fragebögen wie dem Morningness–Eveningness Questionnaire (MEQ) erfasst, um den Chronotyp zu Studienbeginn sowie nach zwei und/oder fünf Jahren zu bestimmen. Der kombinierte Endpunkt der Studie war das Auftreten und die Progression einer diabetischen Retinopathie. Er wurde bei 57 Teilnehmenden während einer medianen Nachbeobachtungszeit von 7,56 Jahren beobachtet. Multivariate Cox-Modelle ergaben dabei einen signifikanten negativen Zusammenhang zwischen den mittleren MEQ-Werten und dem kombinierten Endpunkt (HR 0,95; 95 %-KI 0,91–0,99). Risiko für Eulen mehr als doppelt so hoch In einer Sensitivitätsanalyse wurden die Teilnehmenden anhand ihrer mittleren MEQ-Werte in drei Gruppen eingeteilt. Die Gruppe mit einem eher abendlichen Chronotyp wies ein 2,29-fach höheres Risiko für den kombinierten Endpunkt im Vergleich zur Gruppe ohne einen bestimmten Chronotypen auf. Im Vergleich zur Gruppe mit eher morgendlichem Chronotyp war das Risiko für den kombinierten Endpunkt 2,09-mal so hoch. Zudem beobachtete das Team bei Teilnehmenden mit eher abendlichem Chronotyp im Zeitverlauf eine Verschlechterung des Blutzuckermanagements im Vergleich zu Teilnehmenden mit anderen Chronotypen. Allerdings blieb auch nach der Adjustierung für die mittleren HbA1c-Werte im Zeitverlauf ein signifikanter negativer Zusammenhang zwischen den mittleren MEQ-Werten und dem kombinierten Endpunkt bestehen. Der abendliche Chronotyp war bereits in anderen Studien mit Störungen des Stoffwechsels assoziiert worden. Inwiefern der Chronotyp in die Behandlung bei Patienten mit Typ-2-Diabetes einbezogen werden sollte, muss weiter untersucht werden. Die aktuellen Daten legen allerdings nahe, dass Menschen vom Typ Eule unter Umständen engmaschiger überwacht werden sollten. (mkl/BIERMANN)
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