Prostatakrebs: Forschst du noch oder screenst du schon?

Andere Länder, andere Regeln: Billy und Ingo werden zum Screening eingeladen, Heinz und Helmut aber nicht. Foto: Alexi Tauzin – stock.adobe.com

Mit dem abschlägigen Urteil des Instituts für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG) zum risikoadaptierten Prostatakrebs-Screening ist längst noch nicht das letzte Wort gesprochen. Der Bundesverband Prostatakrebs Selbsthilfe verweist auf die schwedische Lösung.

Von Markus Schmitz

Über die Feststellung des IQWiG, dass Langzeitdaten zum risikoadaptierten Screening mithilfe des Prostataspezifischen Antigens (PSA) und der Magnetresonanztomographie (MRT) fehlen, zeigt sich der BPS auf Nachfrage kaum überrascht. „Jetzt kommt es aber darauf an, ob der G-BA* das Potenzial dieser Methode so hoch bewertet, dass die Balance von Nutzen (verminderte Sterblichkeit) und Schaden (Überdiagnosen/Übertherapie) zugunsten des risikoadaptierten Screenings eingeschätzt wird“, betont der Verband gegenüber KOMPAKT UROLOGIE. Insbesondere Schweden habe bereits eine Lösung als Bestandteil des „Beat-the-Cancer“-Plans der Europäischen Union realisiert.

Schweden versus Deutschland

Schweden bietet ein landesweites, aber sukzessive regional organisiertes Prostatakrebs-Screening an, um Männern ab 50 Jahren per Einladung einen PSA-Test anzubieten. Wie es auch das vom IQWiG getestete risikoadaptierte Screening fordert, folgen in Schweden bei Bedarf eine MRT (ab PSA 3 ng/ml) und ggf. eine Biopsie, um Überdiagnostik und -therapie zu vermeiden. Für die Beurteilung, ob eine Biopsie nötig ist, wird zusätzlich zur Bildgebung die PSA-Dichte herangezogen. In bestimmten Regionen wie Stockholm kommt bei Männern mit erhöhtem PSA-Wert zudem der Stockholm-3-Test zum Einsatz.

„Problematisch ist in Deutschland vor allem, dass wir nicht einmal über eine evidenzbasierte Alternative zur Früherkennung von Prostatakrebs verfügen“, bemängelt der BPS. Die von der Gesetzlichen Krankenversicherung (GKV) finanzierte digital-rektale Untersuchung wird in der aktuellen S3-Leitlinie Prostatakrebs ausdrücklich nicht für die Primärdiagnostik empfohlen.

Am Ende kann es teuer werden

Bei der Kosten-Nutzen-Rechnung des risikobasierten Prostatakrebs-Screenings ist nach Auffassung des BPS auch die Belastung der GKV durch fortgeschrittenen Erkrankungen zu bedenken: Für einen Prostatakrebs-Betroffenen am Lebensende könnten Kosten von 250.000–300.000 € zusammenkommen, wenn alle Möglichkeiten der zugelassenen Mittel ausgeschöpft werden. „Das Ziel sollte doch darin bestehen, durch eine strukturierte risikoadaptierte Früherkennung Nutzen und Kosten positiv zu beeinflussen, wie beim Mammographie-Programm, das mittlerweile erfolgreich etabliert ist“, erinnert der Patientenverband.

Auch wenn das IQWiG formal erwartbar reagiert hat, liegt der Ball für die Entscheidung jetzt beim G-BA. „Aus Patientensicht sind Langzeitdaten grundsätzlich wünschenswert und notwendig“, räumt der BPS ein. Das Beispiel Schweden zeigt jedoch, doch man landesweit auch schon früher aktiv werden kann. „Falls sich der G-BA infolge des Stellungnahmeverfahrens auch ohne Langzeitdaten für ein Screening entscheiden sollte, wäre dies natürlich zu begrüßen“, so der BPS gegenüber KOMPAKT UROLOGIE.

*Gemeinsamer Bundesausschuss

Das könnte Sie ebenfalls interessieren:

Analyse der PLCO-Studie ergibt signifikante intraindividuelle Schwankungen bei jährlicher PSA-Testung

Fortgeschrittener Prostatakrebs nach Empfehlung gegen PSA-Screening häufiger aufgetreten