Dialyse: Optimierungsbedarf bei der Schlaganfallprävention18. November 2021 Foto: ©hywards – stock.adobe.com Dialysepatientinnen und -patienten mit Vorhofflimmern sind mit Medikamenten zur Hemmung der Blutgerinnung, die derzeit bei dieser Gruppe zur Schlaganfallprävention eingesetzt werden, nicht ausreichend vor einem Schlaganfall geschützt. Das zeigt eine aktuelle Studie aus Wien. Menschen mit Vorhofflimmern haben ein stark erhöhtes Schlaganfallrisiko. Die VIVALDI-Studie (Vienna Investigation of atrial fibrillation and thromboembolism in patients with atrial fibrillation on hemodialysis), die unter der Leitung von Oliver Königsbrügge und Cihan Ay von der Universitätsklinik für Innere Medizin I von MedUni Wien und AKH Wien durchgeführt wurde, zeigt bei der Schlaganfallprävention bei Dialysepatientinnen und -patienten Handlungsbedarf auf. „Der Anteil der Patientinnen und Patienten mit Vorhofflimmern ist unter den Hämodialysepatientinnen und -patienten mit über 25 Prozent besonders hoch. Schlaganfälle und andere kardiovaskuläre Ereignisse tragen signifikant zur Mortalität bei“, erklärt Ay. „Die Analyse von kardiovaskulären Ereignissen, die während des Beobachtungszeitraumes auftraten, ergab, dass jene Patientinnen und Patienten, die eine Antikoagulation mit dem Vitamin-K-Antagonisten Phenprocoumon erhielten, entgegen den Erwartungen nicht im Sinne einer Reduktion von Schlaganfällen profitierten, sondern eine höhere Rate an schweren Blutungen hatten.“ Die VIVALDI-Studie wurde in Zusammenarbeit mit sieben Dialysezentren in Wien durchgeführt. Eine Kohorte von 625 Hämodialysepatientinnen und -patienten wurde dabei über einen Zeitraum von maximal 45 Monaten beobachtet. Die Inzidenz von thromboembolischen Ereignissen (Schlaganfällen und systemischen Embolien) lag bei Personen mit Vorhofflimmern bei 4,8 Prozent pro Jahr. Schwere Blutungen erlitten 8,4 Prozent der Untersuchten im Jahr. „Die hohe Gesamtrate an thromboembolischen Komplikationen bestätigt den Handlungsbedarf, Hämodialysepatientinnen und -patienten eine Antikoagulationstherapie zu ermöglichen, die gleichermaßen effizient Schlaganfälle und andere thromboembolische Komplikationen verhindert und sicher in Hinsicht auf das Blutungsrisiko verabreicht werden kann“, so Ay. In der Allgemeinbevölkerung ist die Schlaganfallprävention bei Vorhofflimmern gut erforscht. Basierend auf Studienergebnissen hat sich seit mehreren Jahren die Medikation mit der Substanzklasse der direkten oralen Antikoagulantien (DOAK) als wirksam durchgesetzt. Menschen mit dauerhaftem Nierenversagen und Dialysepflicht ist diese Art der Medikation aufgrund fehlender Studien bisher vorenthalten. Aktuell ist im deutschsprachigen Raum ausschließlich die Substanzklasse der Vitamin-K-Antagonisten als orale Antikoagulation für Hämodialysepatientinnen und -patienten zugelassen. Der Einsatz von direkten oralen Antikoagulantien (DOAK) bei Hämodialysepatientinnen und -patienten ist derzeit in klinischer Prüfung. „Eine Optimierung der aktuellen klinischen Praxis bei der Schlaganfallprävention von Hämodialysepatientinnen und -patienten scheint notwendig. Die Ergebnisse der klinischen Prüfung werden daher mit Spannung erwartet“, so Ay.
Mehr erfahren zu: "Langsames Atmen beeinflusst die Gehirnaktivität" Langsames Atmen beeinflusst die Gehirnaktivität Die gezielte Steuerung des Atemrhythmus kann das Entscheidungsverhalten beeinflussen, indem es die Herz- und Gehirnfunktion moduliert. Das zeigt eine aktuelle Studie des Deutschen Instituts für Ernährungsforschung Potsdam-Rehbrücke (DIfE) und der […]
Mehr erfahren zu: "Sparpaket soll noch größer werden" Sparpaket soll noch größer werden Immer weiter steigende Kosten für die medizinische Versorgung sollen gebremst werden. Die Koalition plant dafür ein umstrittenes Sparpaket. Jetzt soll noch mehr hinein – nur von wem?
Mehr erfahren zu: "Einfacher Bluttest deckt versteckte Risiken instabiler Koronarplaques auf" Einfacher Bluttest deckt versteckte Risiken instabiler Koronarplaques auf Ein einfacher Bluttest könnte helfen, die Cholesterin-Efflux-Kapazität von High-Density-Lipoprotein zu beurteilen. Der Test könnte somit die Vorhersage des kardiovaskulären Risikos und den Einsatz präventiver Strategien verbessern.