Die Folgen von zu vielen Snacks während des Lockdowns

LimeSky/stock.adobe.com

Menschen mit einem gestörtem Glukosestoffwechsel, die während der COVID-19-Pandemie vermehrt zu Snacks griffen und sich weniger bewegten, scheinen auch nach dem Lockdown größere Probleme mit ihrem Blutzucker zu haben. Darauf deuten die Ergebnisse einer Beobachtungsstudie in Japan hin.

Die COVID-19-Pandemie hat die ganze Welt buchstäblich in Atem gehalten. Neben der Infektion selbst haben Lockdowns und diverse Einschränkungen das Leben vieler Menschen auf den Kopf gestellt – mit teils langfristigen Konsequenzen. Die Ausmaße dieser Konsequenzen sind stellenweise allerdings immer noch unklar. Vor allem bei Menschen mit Stoffwechselerkrankungen, die sich während der Beschränkungen weniger bewegten und ungesünder ernährten oder häufiger naschten, sind die Langzeitfolgen bislang nicht abschließend geklärt.

Ein Forschungsteam der Kyoto Universität (Japan) hat deshalb die Auswirkungen des Lockdowns in Japan auf die Essgewohnheiten und den Stoffwechsel von Menschen mit einer Glukoseintoleranz (GI) untersucht. Ihre Ergebnisse wurden kürzlich im „Journal of Diabetes Investigation“ veröffentlicht.

Stoffwechsel im Blick – vor, während und nach dem Lockdown

Frühere Studien zur Blutzuckerkontrolle bei Menschen mit GI während der COVID-19-Pandemie lieferten uneindeutige Ergebnisse: Einige Studien zeigten eine Verschlechterung, andere hingegen ergaben keine signifikanten Veränderungen. In einer vorherigen Untersuchung von japanischen Patient:innen fanden die Forschenden der aktuellen Studie heraus, dass der Lockdown bei Menschen mit GI zu einer Zunahme von Körpergewicht und Fettmasse sowie häufigeren Zwischenmahlzeiten führte. Diese Veränderungen gingen allesamt mit einer Verschlechterung der Blutzuckerkontrolle einher.

„Viele Studien haben zwar die Stoffwechselveränderungen während der Beschränkungen selbst untersucht, aber nur wenige haben sich angeschaut, was danach geschah. Also ob sich die Betroffenen nach der Wiederaufnahme des Alltags metabolisch erholen konnten – und wodurch sich diejenigen, deren Stoffwechsel sich verbesserte, von solchen unterscheiden, bei denen er es nicht tat“, erklärt Erstautorin Ami Kobayashi.

Häufigere Snacks auch nach dem Lockdown ein Problem

In die aktuelle Studie wurden insgesamt 221 ambulante Patientinnen und Patienten, ebenfalls mit GI, eingeschlossen. Für alle Teilnehmenden lagen HbA1c-Werte und die Körperzusammensetzung (Körpergewicht und Fettmasse) für drei Zeiträume vor – vor (2019), während (2020/21) und nach dem Lockdown (2023). Im letztgenannten Zeitraum wurden die Teilnehmenden zusätzlich mithilfe eines Fragebogens zu ihren Lebensstiländerungen befragt.

Die Ergebnisse waren für das Forschungsteam zunächst überraschend. Von den Patient:innen, deren Blutzuckerwerte sich während des Lockdowns verschlechterten, zeigten einige nach Aufhebung der Beschränkungen wieder eine Verbesserung der HbA1c-Werte und Körperzusammensetzung. Bei anderen verschlechterte sich der Zustand wiederum.

Grund dafür könnten unterschiedliche Verhaltensmuster sein. Die Auswertung der Fragebögen deutet an, dass sich die Personen, deren Blutzucker sich während der Beschränkungen verschlechterte, in zwei Gruppen unterscheiden lassen. Personen, die während des Lockdowns ein stabiles Aktivitätsniveau beibehielten und keine signifikanten Lebensstilveränderungen aufzeigten, hatten nach dem Lockdown eine bessere Körperzusammensetzung. Im Gegensatz dazu verzeichneten diejenigen, die ihre körperliche Aktivität reduzierten und mehr aßen, nach dem Lockdown einen stärkeren Anstieg ihres HbA1c-Werts. Auch ihre Körperzusammensetzung verbesserte sich nicht.

Frühzeitig erkennen und individuell unterstützen

„Die Ergebnisse zeigen, wie unterschiedlich die langfristigen Auswirkungen der Verhaltensbeschränkungen und ihrer Lockerung auf den Stoffwechsel in verschiedenen Patientengruppen aussehen“, betont Korrespondenzautor Takaaki Murakami. Allerdings weist die Studie einige Limitationen auf. So ist beispielsweise unklar, ob sich die Erkenntnisse verallgemeinern lassen und welchen Einfluss neuere Diabetes- und Abnehmmedikamente oder das zunehmende Alter der Patient:innen hatte.

Dennoch stimmten die Ergebnisse mit bisherigen Beobachtungen überein, schlussfolgern die Autoren. Murakami sieht in ihnen außerdem eine Grundlage für bessere Früherkennungs- und Behandlungsstrategien in Lockdown-Situationen mit sozialen Einschränkungen. Würden Veränderungen im Lebensstil und der Körperzusammensetzung frühzeitig erkannt und Patient:innen entsprechend ihrer Bedürfnisse unterstützt, könnte das ihren Blutzucker langfristig verbessern.

(mkl/BIERMANN)