Die Vielfalt der Zentrosome: Neue Hinweise für neurologische Erkrankungen23. Juni 2022 Abbildung spezifischer RNAs (in Magenta) am Zentrosom (in Grün) in Kortexzellen der Maus. Der Zellkern ist blau eingefärbt. (Abb.: © Helmholtz Zentrum München/Giulia Antognolli) Die Neurobiologin Prof. Magdalena Götz verfolgt mit ihrer Forschung wichtige Spuren für die Ursachenklärung neurologischer Erkrankungen. Nun hat sie mit ihrem Team bei Helmholtz Munich und der Ludwig-Maximilians-Universität München neue Erkenntnisse über das menschliche Zentrosom gesammelt, dessen Fehlfunktion mit vielen neurologischen Entwicklungsstörungen in Verbindung steht. Als zentrales Zellorganell ist das Zentrosom unter anderem für die Organisation des Zellskeletts währen der Zellteilung zuständig. Damit erfüllt es eine wesentliche Funktion in verschiedenen Organsimen – von der Hefe bis zum Menschen. Bisher ging man davon aus, dass das Zentrosom aufgrund seiner allgemeinen Aufgaben in allen Zellen sehr ähnlich ist. Prof. Magdalena Götz und ihre Forschungsgruppe überprüften diese Annahme bei Neuronen und ihren Entwicklungsvorläufern, den neuronalen Stammzellen. „Es gibt so vieles, was wir über diese Zellen noch nicht wissen“, sagte Götz. „Dazu zählt unter anderem, wie das Zentrosom in Neuronen im Vergleich zu neuralen Stammzellen und anderen Zelltypen beschaffen ist.“ Ihre weiteren Entdeckungen stellen nun die Annahme, dass alle Zentrosomen gleich sind, grundlegend in Frage. Zentrosome unterscheiden sich zwischen den Zellen mehr als gedacht In enger Zusammenarbeit mit der Helmholtz Munich Proteomic Core Facility unter Leitung von Dr. Stefanie Hauck fanden die Forschenden heraus, dass die Zusammensetzung der Proteine in Zentrosomen je nach Zelltyp stark variiert. „Überrascht hat uns nicht nur die unbekannt große Heterogenität der untersuchten Zentrosome, sondern auch, dass wir an ihnen teilweise unerwartete Proteine entdeckt haben – zum Beispiel viele RNA-bindende Proteine und sogar Proteine, die für das Splicing verantwortlich sind – ein Vorgang der normalerweise im Zellkern stattfindet“, erklärte Götz. Ort der Zentrosom-assoziierten Proteine ist für Krankheit entscheidend Die Wissenschaftler fanden beispielsweise heraus, dass ein spezielles Protein, das ubiquitäre Splicing Protein PRPF6, nur in neuralen Stammzellen, nicht aber in Neuronen, am Zentrosom angereichert ist. Eine Mutation des Proteins, die bei Patienten mit der Hirnfehlbildung Periventrikuläre Heterotopie gefunden wurde, führt auch im Tiermodell zu einem solchen ähnlichen Phänotyp. Für Götz bedeutet das: „Der Ort, an dem sich ein Protein befindet, ist entscheidend für eine Krankheit. Mit unserer Zentrosom-Analyse haben wir eine wichtige Ressource geschaffen, um weitere Assoziationen mit neuronalen Krankheiten zu prüfen. Insbesondere kann unsere Forschung zum ersten Mal erklären, warum ein Protein, das in allen Körperzellen vorhanden ist, nach Mutation nur einen Phänotyp im Gehirn, aber nicht in anderen Organen auslöst. Dies erlaubt uns nun, den Mechanismen weiterer Krankheiten auf die Spur und somit auch deren Behandlung einen Schritt näher zu kommen.“
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