Die Zukunft der Neurologie: Zeit für eine neue Wertediskussion5. November 2018 Die Digitalisierung der Medizin hat die Neurologie stark verändert. (Foto: © sdecoret – Fotolia.com) Neurologen müssen täglich Entscheidungen treffen, bei denen sie zwischen medizinischen und ökonomischen Argumenten abwägen müssen. Das Projekt REimagine MEDICINE der DGN lädt Ärzte ein, ihre Rolle im Medizin- und Gesundheitssystem neu zu gestalten. Die Digitalisierung der Medizin hat die Neurologie erheblich verändert. Auf der einen Seite stehen technischer Fortschritt, innovative Diagnostik und neue Therapieoptionen, auf der anderen Seite entwickelt sich das Gesundheitswesen zunehmend zu einem profitorientierten System, in dem Gesundheit zur Ware und der Patient zum Kunden oder zum Kostenfaktor wird. „In diesem Spannungsfeld müssen wir die Führungsrolle von uns Neurologen neu definieren“, sagte Prof. Christine Klein, Direktorin des Instituts für Neurogenetik an der Universität Lübeck und ab 2019 Präsidentin der Deutschen Gesellschaft für Neurologie (DGN). Auf der Neurowoche fiel deshalb der Startschuss für das Projekt REimagine MEDICINE, das von Prof. Peter P. Pramstaller aus Bozen und PD Dr. Gerhard J. Jungehülsing aus Berlin mit Unterstützung des DGN-Vorstands ins Leben gerufen wurde. „Es geht darum, unsere Rolle als Neurologen im Medizin- und Gesundheitssystem neu zu gestalten“, beschrieb Klein die Ziele des mehrstufigen Projekts. Die Neurologie sei ein eindrucksvolles Beispiel dafür, wie neben Ökonomisierung auch die Komplexität und die Wissensbeschleunigung die Dynamik des Fachs erhöhen und sich damit für die Patienten vielfältige neue Therapieoptionen bieten, erklärte Klein. Doch wie und wohin wird sich die Neurologie in den nächsten Jahren entwickeln? Wird es zu einer weiteren Ökonomisierung des Fachs kommen? Werden wirtschaftliche Zwänge ärztliches Handeln maßgeblich bestimmen? Die Wertediskussion in der Medizin sei in vollem Gange. Unbestreitbar sei, dass wirtschaftliche Überlegungen in diese Diskussionen einbezogen werden müssen, erklärte Klein. Die Ressourcen sind begrenzt. „Bisher spielen wir Ärzte in dieser wichtigen Debatte keine oder nur eine untergeordnete Rolle“, konstatierte Christine Klein. „Dabei sind Patientenwohl und Patientennutzen unabdingbar mit unserem Rollenbild als Neurologen verbunden“, so Klein weiter. Die aktuellen Entwicklungen und Herausforderungen riefen geradezu nach einer neuen Führungsrolle des Arztes in der Medizin. „Wir Neurologen dürfen uns nicht als Opfer des Systems sehen. Es liegt an uns, Veränderungen des Medizinbetriebs von innen heraus nachhaltig mitzugestalten“, appellierte Klein an die Kolleginnen und Kollegen in der Neurologie. „Wir Ärzte haben eine Führungsrolle als Gestalter und Vermittler zwischen Patienten und Gesundheitssystem, im Schulterschluss mit Pflege und Management“, ist Klein überzeugt. In einer interaktiven Forumsveranstaltung stellte die designierte Kongresspräsidentin deshalb das Projekt und die crossmediale Kommunikationsplattform www.re-imagine-medicine.de vor, in deren Rahmen die Teilnehmer richtungsweisende Themen des Berufsbildes in einer interaktiven Live-Abstimmung erörterten, die ihnen Orientierung im Berufsalltag geben und für ihr Rollenbild maßgeblich sind. In der zweiten Phase sollen die Ergebnisse des kreativen Ideenaustauschs dazu dienen, konkrete Veränderungsprojekte unter Ärzten zu planen.
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