Digitale Helfer für die Psychotherapie bei Jugendlichen26. Februar 2026 Smartphones und andere mobile Geräte können genutzt werden, um Verhalten, Erlebnisse und Umweltdaten im Alltag zu erfassen. Zukünftig sollen die Informationen dabei helfen, die psychotherapeutische Behandlung von Kindern und Jugendlichen zu verbessern. (Foto: © New Africa – stock.adobe.com) Wissenschaftler der Bergischen Universität Wuppertal wollen Therapieangebote für Kinder und Jugendliche mit psychischen Belastungen zukünftig zielgruppengerechter und individueller gestalten. Im Fokus steht der Einsatz von digitalen Möglichkeiten der Diagnostik, beispielsweise durch die Nutzung von Apps oder Smartwatches. Im Alltag können digitale Technologien wie Smartphones oder Smartwatches zunehmend dazu genutzt werden, Informationen über Verhalten, Gefühle oder Aktivitäten zu erfassen – beispielsweise durch kurze Fragen über eine App oder durch Sensoren, die Bewegungs- oder Standortdaten aufzeichnen. „Solche Informationen gewinnen für Fachpersonen in der Kinder- und Jugendpsychologie sowie -psychotherapie zunehmend an Bedeutung“, erklärt Dr. Bodo Przibilla, der das Projekt CARE-MAP am Lehrstuhl für Klinische Psychologie und Psychotherapie des Kindes- und Jugendalters der Bergischen Universität Wuppertal zusammen mit Prof. Aleksandra Kaurin verantwortet. Teilnehmende gesucht Mit ihrem Team möchten die beiden herausfinden, wie Jugendliche sowie Eltern und Erziehungsberechtigte die Methoden der digitalen Datenerhebung im Alltag bewerten. „Uns interessiert die Meinung dazu, ob solche Technologien in der therapeutischen Anwendung als hilfreich oder eher belastend empfunden werden, welche Bedenken bestehen und was bei der Nutzung solcher Verfahren besonders wichtig ist“, erlkärt Przibilla. Die Studie richtet sich an Jugendliche im Alter von 14 bis 18 Jahren sowie an Eltern von Kindern aller Altersgruppen und andere Sorgeberechtigte. Sie besteht aus einer einmaligen anonymen Online-Befragung, die rund 15 Minuten dauert. Therapie auf ein neues Level heben Die über die digitalen Anwendungen erfassten Daten wie Bewegung, Herzfrequenz und Umgebungsgeräusche sowie persönliche Empfindungen, Stimmungen und Erlebnisse sind für die Grundlagen- und Therapieforschung besonders wertvoll. Sie helfen zum Beispiel bei der Diagnostik und dabei, Behandlungen besser zu planen, sie an der Lebensrealität von Kindern und Jugendlichen auszurichten und Risikozustände von Patienten schnell erkennen und bewerten zu können. Auch in den Therapiesitzungen selbst können die Daten ganz praktisch unterstützen. Przibilla: „Dank der digitalen Methoden beschränkt sich die Arbeit nicht nur auf die Praxisräume. Als Therapeuten können wir unsere Patienten damit viel enger begleiten. Wenn Jugendliche zum Beispiel eine App nutzen, in der sie zu einer bestimmten Situation gleich ihre Gefühle eintragen, oder wir in der Therapiesitzung sehen, dass zu bestimmten Zeiten unter der Woche die Herzfrequenz erhöht war, dann können wir im Therapiegespräch gezielt darauf eingehen und den Ursachen auf den Grund gehen. Wir steigen direkt ins Thema ein, ohne auf handschriftliche Fragebögen oder Gedächtnisprotokolle angewiesen zu sein.“ Therapeuten erhalten so zum Beispiel ein deutlich feineres Bild der emotionalen Zustände ihrer Patienten und ihrer Regulation. Zeitnaher Einsatz in der Praxis ist das Ziel Damit solche digitalen Methoden auch eingesetzt werden und ihre Wirkung entfalten können, müssen Patienten ihnen vertrauen. „Bisherige Studien zu Akzeptanz und Zuverlässigkeit kommen häufig aus den USA, setzen andere Schwerpunkte und lassen sich nicht ohne Weiteres auf die Situation junger Patienten und ihrer Familien bei uns übertragen. Mit CARE-MAP möchten wir das ändern“, resümiert Przibilla. Ziel des Lehrstuhls, zu dem auch eine eigene psychotherapeutische Ambulanz für Kinder und Jugendliche gehört, sei es, die Methoden der Datenerfassung auch für Deutschland zu erforschen und schließlich auf Basis wissenschaftlicher Erkenntnisse und unter Berücksichtigung ethischer und datenschutzrechtlicher Fragestellungen zeitnah in der Therapie einsetzen zu können.
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