Digitalisierung nutzen, um Bürokratie-Bremse zu lösen7. Mai 2024 © Robert Kneschke – stock.adobe.com (Symbolbild) Ein Berliner Startup hat eine Lösung entwickelt, die den gesamten Patientenbesuch von der Anamnese bis zur Zahlung digitalisiert. Dabei wird ein besonderer Fokus auf den sicheren Umgang mit Patientendaten sowie die nahtlose Integration in bestehende Praxisverwaltungssysteme gelegt. Laut einer Umfrage des Digitalverbands Bitkom aus dem Jahr 2022 nutzen viele deutsche Arztpraxen digitale Angebote nur zögerlich. Niklas Radner, Mitbegründer und CEO des Berliner Startups Nelly, kennt die Ursachen für die Zurückhaltung: „Viele Ärztinnen und Ärzte sind äußerst vorsichtig, wenn es um Patientendaten geht. Sie fühlen sich von bürokratischen Hürden bei der Digitalisierung überfordert und wollen keine Risiken eingehen. Gleichzeitig sehen sie eine Herausforderung darin, das Praxispersonal auf neuartige, oftmals komplexere digitale Systeme umzuschulen.“ Um langfristig liquide zu bleiben und die medizinische Versorgung auf das nächste Level heben zu können, müssen Arztpraxen langwierige administrative Prozesse minimieren. Diesen Bedarf hat Radner erkannt und gemeinsam mit seinen drei Mitgründern 2021 Nelly ins Leben gerufen. Digital-Factoring-Pionier vereinfacht RechnungsmanagementUm Zeit zu sparen, können Arztrechnungen digital und DSGVO-konform versendet und direkt von den Patienten per Klick bezahlt werden. „Unsere Zahlungslinks sparen Patienten und Personal viel Zeit, und leisten dabei noch einen Beitrag zur Reduzierung von CO2-Emissionen“, erklärt Radner und verweist auf die zehn Millionen Papierdokumente, die bereits digitalisiert wurden. „Der Versand ist das eine, die Nachverfolgung das andere“, bemerkt der Gründer außerdem. Denn Arztpraxen sind nicht nur für den postalischen Versand ihrer Rechnungen verantwortlich, sondern müssen auch die Zahlungseingänge überwachen und gegebenenfalls den Inkasso-Prozess einleiten. Das ist zeitintensiv und führt nicht selten zu Zahlungsausfällen. Daher bietet das Startup nicht nur den digitalen Rechnungsversand, sondern auch das Factoring an. Als digitaler Factoring-Anbieter in der DACH-Region kauft das Startup dabei Arztpraxen die Forderungen an ihre Patienten ab und zahlt den Rechnungsbetrag sofort aus. Vor allem Arztpraxen mit hohem Selbstzahler-Anteil können sich so wieder der medizinischen Expertise widmen, anstatt Rechnungen nachzuverfolgen. „Einige Arztpraxen möchten ihren Verwaltungsaufwand minimieren, ohne ihr bestehendes Praxismanagement wesentlich zu ändern. Sie bevorzugen beispielsweise weiterhin papierbasierte Rechnungen. Diesen Wunsch respektieren wir und bieten daher neben dem Factoring auch flexible Abrechnungslösungen an“, ergänzt Radner. Arztpraxen können demnach je nach Bedarf Kartenlesegeräte, Zahlungslinks, den digitalen oder postalischen Rechnungsversand sowie den Prozess der Zahlungserinnerungen und Mahnungen in Anspruch nehmen. So soll keine Arztpraxis bei der digitalen Transformation abgehängt werden. Nahtlose Software-Integration„Grundsätzlich sehen wir eine sehr positive Bereitschaft deutscher Arztpraxen zur Digitalisierung. Auch papierbasierte, traditionell operierende Praxen erkennen schnell den Mehrwert für den Praxisalltag, aber wissen nicht, ob sie die Umstellung bewältigen. Daher war es unser oberstes Anliegen, dass sich unsere Software nahtlos in bestehende Praxisverwaltungssysteme integrieren lässt“, so Radner. Umfragen zufolge betrachten Arztpraxen nämlich vor allem bürokratische Anforderungen als Hürde bei der digitalen Transformation: So legen sie bei der Digitalisierung sensibler Kundendaten besonderen Wert auf die Einhaltung der Datenschutzbestimmungen. Viele Ärztinnen und Ärzte haben zudem Bedenken hinsichtlich der gesetzlichen Vorschriften im Gesundheitswesen. „Unser Inhouse Legal Team bietet daher transparente Aufklärung bei rechtlichen Fragen. Viele Themen werden auch auf unserem Blog behandelt“, erklärt hierzu der Gründer. Nelly arbeitet DSGVO-konform und ist TÜV-geprüft. Alle Patientendaten werden dabei verschlüsselt und nur auf deutschen Servern gespeichert. Die medizinische Expertise findet sich auch bei den Mitarbeitenden des Startups wieder. Ein Großteil des Teams besteht aus ehemaligen MFAs oder ZFAs, die die Herausforderungen des Arbeitsalltags aus erster Hand kennen. Dieses Expertenwissen teilt der Kundenservice mit dem Praxispersonal und steht Nutzern bei Fragen unterstützend zur Seite. Zeitersparnis für das PraxispersonalNeben bürokratischen Hürden kann auch die technische Umsetzung von Digitalisierungsmaßnahmen herausfordernd sein. Daher hat das Startup besonderen Wert auf die intuitive Handhabung der Plattform gelegt. So sollen auch Arztpraxen, die seit Jahrzehnten mit ihrem System arbeiten, den digitalen Wandel einfach bewältigen können. Zusätzlich zur nahtlosen Integration ist die Nutzererfahrung von Nelly dabei so gestaltet, dass keine Fortbildung des Personals notwendig ist. „Dadurch arbeiten erfahrungsgemäß sowohl jüngere, digital affine, als auch ältere MFAs sehr gerne mit Nelly“, erklärt Radner.
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