Dilatative Cardiomyopathie: Maßgeschneidertes Sportprogramm für Patienten mit Herzschwäche

Prof. Benjamin Meder, Leiter des Instituts für Cardiomyopathien (ICH) am Universitätsklinikum Heidelberg, im Labor. Foto: © Deutsches Zentrum für Herz-Kreislauf-Forschung (DZHK)

Heidelberger Herzmediziner starten mit Förderhilfe der Herzstiftung Studie mit Patienten mit dilatativer Kardiomyopathie (DCM), die dadurch bedingt an einer Herzschwäche leiden. Präzise Untersuchungen dazu fehlen bislang.

Knapp zwei Millionen Menschen in Deutschland leiden an einer Herzinsuffizienz. „Ungefähr 40 Prozent von ihnen haben eine so genannte Dilatative Cardiomypathie (DCM)“, erklärt Prof. Benjamin Meder, Leiter des Instituts für Cardiomyopathien (ICH) am Universitätsklinikum Heidelberg. Dabei handelt es sich um eine spezielle Erkrankung des Herzmuskels, über die man insbesondere in den vergangenen zehn Jahren etliche neue Erkenntnisse gewonnen hat.

„Weitere Forschungserkenntnisse über Entstehung und Verlauf der DCM sind dringend notwendig. Denn je nach Ausprägung der Krankheit findet sich bei der DCM ein bis zehnfach erhöhtes Risiko für den plötzlichen Herztod“, betont Meder. Bei bestimmten Genmutationen ist das Risiko sogar mehr als 150-fach erhöht.

Das erklärt auch, warum die Deutsche Herzstiftung und die von ihr gegründete Deutsche Stiftung für Herzforschung mit 60.000 Euro eine Studie zur Bedeutung eines neuartigen individuellen Trainingsprogramms für Patienten mit DCM fördert. Informationen für Betroffene zu den verschiedenen Formen der Cardiomyopathie bietet aktuell der kostenfreie Ratgeber „Bedrohliche Herzrhythmusstörungen: Wie schütze ich mich vor dem plötzlichen Herztod?“, der unter www.herzstiftung.de oder per Tel. unter 069/955128400 angefordert werden kann.

„Obwohl sich im Laufe der vergangenen zehn Jahre die Prognose der Betroffenen deutlich verbessert hat, ist die DCM eine chronische Erkrankung“, sagt Meder. „In der Regel trifft sie Menschen im Alter zwischen 20 und 50 Jahren, das heißt in einem Lebensabschnitt, in dem Familiengründung, Freizeitgestaltung und Beruf im Vordergrund stehen.”

“Diverse Studien aus den USA zeigen, dass sich Sport positiv auf die Herzschwäche auswirken kann, es gibt aber auch negative Einflüsse, die bisher schlecht untersucht sind“, erläutert Dr. Farbod Sedaghat-Hamedani, Studienarzt am ICH des Heidelberger Universitätsklinikums.

Studienteilnehmer: alle zwischen 20 und 50 Jahre alt

Ein triftiger Grund für die Heidelberger Herzmediziner, eine Studie mit Betroffenen zu starten. Denn mit detailliert untersuchten DCM-Erkrankten gibt es bislang keine Untersuchungen. „Gerade weil wir inzwischen sehr viel mehr über die DCM und ihre Ursachen wissen“, so Sedaghat-Hamedani, „können wir jetzt sehr individuell bei einzelnen Betroffenen prüfen, wie sich Sport auf ihre Erkrankung auswirkt.“

Das Team hat neben der ausführlichen Charakterisierung in der Klinik, also genaue Untersuchung mittels Herzbildgebung, modernen Biomarkern, Stammbaumanalysen und genetischer Diagnostik, auch verschiedene Smartphone-Apps entwickelt, um präzise Messdaten der Studienteilnehmer zu erheben und das Befinden genauestens zu verfolgen.

Seit drei Jahren laufen die Planungen und Voruntersuchungen der Studie, nun kann sie beginnen. Rund 300 Studienteilnehmer sollen dabei sein, alle zwischen 20 und 50 Jahre alt. Jeder von ihnen wird ein Jahr lang Sport treiben, und zwar mit einem gezielt auf ihn abgestimmten Training. Eine umfangreiche Genanalyse macht zuvor Hochrisikopatienten ausfindig, für die z. B. nur sehr moderate Übungen in Frage kommen.

Krafttraining, Joggen, Nordic Walking: Wie wirken sie jeweils bei DCM?

Bewegung für das Herz: Studienärztin Dr. Theresa Betz und ein Cardiomyopathie-Patient während eines Trainings am Institut für Cardiomyopathien Heidelberg (ICH). Foto: © Universitätsklinikum Heidelberg

„Unser Ziel ist es, ein Sportprogramm zu entwickeln, das die Belastbarkeit der Betroffenen erhöht, keine gesundheitlichen Risiken für sie birgt und ihre Lebensqualität deutlich verbessert“, erklärt Meder. Drei Gesichtspunkte, die die Herzspezialisten in intensiven Gesprächen mit ihren Patienten in der Herzmuskelsprechstunde des Heidelberger Universitätsklinikums herausgefunden haben.

Zu Studienbeginn erfolgen umfangreiche Voruntersuchungen. Sportmediziner der Uni-Klinik befragen jeden Studienteilnehmer, welchen Sport er bereits treibt und was ihm Spaß machen würde. „Aus langjährigen Erkenntnissen stellen wir dann gemeinsam mit unserer Sportmedizinerin Prof. Birgit Friedmann-Bette ein individuelles Training zusammen“, sagt Meder. Für den einen empfiehlt sich z. B. ein Krafttraining, um die peripheren Muskeln zu stärken. Denn man weiß, dass sich zum Beispiel kräftige Atem- und Rumpfmuskeln bei Herzschwäche sehr positiv auswirken. Ein anderer, der bislang überhaupt keinen Sport gemacht hat, sollte moderat joggen oder Nordic-Walking machen, um Herz und Kreislauf zu beleben.

„Wir überprüfen bei den Studienteilnehmern eine breite Palette von Parametern“, sagt Meder, „um sowohl im Verlauf als auch am Ende der Studie schlüssige Aussagen treffen zu können.“ Dabei spielt neben dem körperlichen auch das psychische Wohlbefinden der Patienten eine Rolle. Ende 2021 liegen die Ergebnisse vor. „Wir gehen davon aus, dass ein moderates individuell abgestimmtes Training neben den Medikamenten erheblich zur Lebensqualität der Betroffenen beiträgt“, so der Experte.