DIVI-Forschungspreis für klinische Forschung: Kohlenhydratarme Diät bei septischen Patienten auf Intensivstation6. Dezember 2023 Symbolfoto: © amazing studio/stock.adobe.com Im Rahmen einer randomisierten kontrollierten Studie konnte das Team um Dr. Dr. David Effinger (LMU Klinikum) erstmals nachweisen, dass eine kohlenhydratarme, ketogene Diät nicht nur ein sicher durchführbares Ernährungsregime bei Sepsispatienten auf der Intensivstation darstellt, sondern sich auch positiv auf den Behandlungsverlauf auswirkt. Dafür erhielt das kooperierendes Forschungsteam des Universitätsklinikums Knappschaftskrankenhaus Bochum und des LMU Klinikums München in diesem Jahr den ersten Platz beim Forschungspreis klinische Forschung der Deutschen Interdisziplinären Vereinigung für Intensiv- und Notfallmedizin (DIVI), der im Rahmen des DIVI23 in Hamburg vergeben wurde. Der Preis ist mit 4000 Euro dotiert. Vorhergehenden Studien zufolge verbessert eine solche Diät maßgeblich die Immunfunktion – und könnte daher auch der Immundysfunktion bei Sepsis entgegenwirken. „Die Studienergebnisse der Forschungsgruppe um Dr. Effinger zeigen eindrucksvoll, dass Ernährung ein wichtiger therapeutischer Baustein in der Behandlung unserer kritisch kranken Patienten ist“, sagte DIVI-Kongresspräsident Prof. Thorsten Brenner bei der Preisverleihung. Studienleiter Ralf Effinger, LMU Klinikum München. Foto: ©privat Insgesamt analysierte die Forschungsgruppe zwischen 2020 und 2022 Daten von 40 Sepsispatienten. Die eine Hälfte der Patienten wurde als Interventionsgruppe mit kohlenhydratarmer, ketogener Sondennahrung versorgt, während die andere Hälfte als Kontrollgruppe Standardnahrung mit normalem Kohlenhydratgehalt erhielt. Im Zeitverlauf zeigten sich einige Unterschiede zwischen beiden Gruppen. Im Gegensatz zu einem Großteil der Kontrollgruppe benötigte nach zwei Tagen beispielsweise kein Patient aus der Interventionsgruppe mehr eine Insulinbehandlung. Auch die Dauer der Beatmungstherapie konnte bei den Patienten mit ketogener Diät verkürzt werden. Gleichzeitig wurden keine klinischen oder laborchemischen Nebenwirkungen festgestellt. „Wir konnten somit erstmals nachweisen, dass eine ketogene Diät bei intensivmedizinischen Krankheitsbildern ein sinnvolles Ernährungskonzept mit großem therapeutischem Potenzial darstellt“, erklärt Effinger. Größere Studien für die klinische Praxis nötig Um auf Basis dieser vielversprechenden Ergebnisse Empfehlungen für die klinische Anwendung ableiten zu dürfen, bedarf es nun einer größeren, multizentrischen prospektiven randomisierten Studie. Die Integration dieser besonderen Diät in den Klinikalltag könnte laut Effinger so aussehen: „Zunächst sollten kritisch kranke Patienten eine enterale Sondennahrung mit ketogener Formulierung bekommen. Wenn sie später in der Lage sind, selbstständig wieder Nahrung aufzunehmen, muss man ketogene Menüs anbieten. Das bedarf einer engen Absprache mit der Klinikküche. Wir haben in der damaligen Studienzeit selbst Rezeptideen bzw. Menüs zusammengestellt und in Kooperation mit den Kollegen der Bochumer Klinikküche angeboten“, so Effinger.
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