DKG: Kinder- und Jugendpsychiatrien unter erheblichem Druck

Immer mehr Kinder und Jugendliche entwickeln psychische Erkrankungen wie Depressionen oder Ess-Störungen. (Foto: © Alexander Raths – stock.adobe.com)

Das aktuelle Psychiatrie-Barometer 2025/2026 zeigt eine deutliche Zunahme psychischer Erkrankungen bei Kindern und Jugendlichen. Gleichzeitig bewertet die überwiegende Mehrheit der psychiatrischen und psychosomatischen Einrichtungen ihre wirtschaftliche Lage als mäßig bis schlecht. Die Deutsche Krankenhausgesellschaft (DKG) warnt vor diesem Hintergrund vor Versorgungsengpässen.

In der Kinder- und Jugendpsychiatrie sind die Auswirkungen der Corona-Pandemie nach wie vor spürbar. Auch die Häufigkeit ausgewählter Krankheitsbilder und die Nachfrage nach entsprechenden Behandlungen haben sich verändert. Im aktuellen Psychiatrie-Barometer des Deutschen Krankenhausinstitutes gab über die Hälfte der befragten Krankenhäuser an, dass Ess-Störungen unter Kindern und Jugendlichen deutlich zugenommen hätten. Ebenfalls einen deutlichen Anstieg verzeichneten Internet- und Medienabhängigkeit (44 %), suizidale Krisen (42 %), Angststörungen (42 %) und Depressionen (39 %).

Lange Wartezeiten auf einen Therapieplatz

Gleichzeitig sieht sich die Versorgung in der Kinder- und Jugendpsychiatrie laut DKI-Umfrage mit wachsenden Herausforderungen konfrontiert. Veränderte und komplexer werdende Störungsbilder, eine zunehmende Nachfrage nach Behandlungsplätzen sowie wachsende Lücken im Übergang in die Erwachsenenversorgung prägen vielerorts die Betreuung von Kindern und Jugendlichen mit psychischen Erkrankungen. In jeweils knapp zwei Dritteln der Kinder- und Jugendpsychiatrien betragen die Wartezeiten auf eine voll- oder teilstationäre Behandlung acht Wochen oder mehr.

Auch die wirtschaftliche Lage psychiatrischer und psychosomatischer Einrichtungen in Deutschland bleibt angespannt. Nur rund ein Viertel der befragten Kliniken schätzt seine wirtschaftliche Lage als sehr gut bis gut ein. Der überwiegende Teil der Häuser bewertet die eigene Situation dagegen als eher mäßig bis sehr schlecht. Im Vergleich zum Vorjahr hat sich die Einschätzung bei den Fachkrankenhäusern deutlich, bei den Abteilungspsychiatrien geringfügig verschlechtert.

Schwierige wirtschaftliche Lage

Auch der Blick nach vorn fällt pessimistisch aus: 50 Prozent der Abteilungspsychiatrien und 54 Prozent der Fachkrankenhäuser rechnen für 2026 mit einer weiteren Verschlechterung ihrer wirtschaftlichen Lage. Nur jede zehnte Abteilungspsychiatrie und jedes zwanzigste Fachkrankenhaus geht von einer Verbesserung aus. Die Zukunftserwartungen haben sich damit gegenüber dem Vorjahr nochmals deutlich eingetrübt.

Die schwierige wirtschaftliche Lage bleibt nicht ohne Folgen: 23 Prozent der Abteilungspsychiatrien und 16 Prozent der Fachkrankenhäuser planen innerhalb der nächsten sechs Monate Personal abzubauen. Uneinheitlicher fällt das Bild bei der Liquidität aus: Fast jedes vierte Fachkrankenhaus bewertet seine Liquiditätssituation als schlecht bis sehr schlecht. Dieser Anteil liegt über dem Vorjahresniveau. Gleichzeitig berichten mehr Fachkrankenhäuser als im Vorjahr von einer guten bis sehr guten Liquiditätslage. Ihr Anteil liegt bei 52 Prozent.

Verlässliche Finanzierung notwendig

„Das Psychiatrie-Barometer zeigt eine doppelte Herausforderung: In der Kinder- und Jugendpsychiatrie steigt der Bedarf, während die wirtschaftliche Lage vieler Einrichtungen angespannt bleibt. Die zunehmende Nachfrage führt vielerorts zu langen Wartezeiten. Die Politik muss deshalb für ausreichend Behandlungskapazitäten und verlässliche Finanzierungsbedingungen sorgen und die Einrichtungen zugleich von unnötiger Bürokratie und Überregulierung entlasten“, erklärt der Vorstandsvorsitzende der DKG, Dr. Gerald Gaß.

Die Ergebnisse des Psychiatrie-Barometers 2025/2026 beruhen auf einer Befragung psychiatrischer und psychosomatischer Fachkrankenhäuser sowie Allgemeinkrankenhäuser mit psychiatrischen oder psychosomatischen Fachabteilungen. Die Befragung fand zwischen Anfang Oktober 2025 und Ende Januar 2026 statt. Beteiligt haben sich 295 Einrichtungen.