DKK: Krebs durch Aufklärung und Forschung vorbeugen

Gerd Nettekoven, Vorstandsvorsitzender der Deutschen Krebshilfe. Foto: Schmitz

Rund 40 Prozent aller Krebserkrankungen sollen nach aktuellem Wissensstand durch eine gesunde Lebensweise vermieden werden können. Auf dem 34. Deutschen Krebskongress (DKK) in Berlin haben Experten am 20.02.2020 in einer Pressekonferenz die Möglichkeiten und die Bedeutung der Krebsprävention diskutiert. Durch bessere Aufklärung der Bevölkerung und intensivierte Forschung soll dem Krebs Paroli geboten werden.

„Besser als eine Krebserkrankung zu behandeln, ist es, sie zu vermeiden“, so Gerd Nettekoven, Vorstandsvorsitzender der Deutschen Krebshilfe. „Die Krebsprävention fristet in unserer Gesellschaft jedoch leider noch ein ‚Nischen-Dasein‘: Es fehlt an Geld, Lobby und an Umsetzungswillen.“ Dabei sei bereits heute bekannt, dass jeder Einzelne sein individuelles Krebsrisiko durch einen gesunden Lebensstil senken kann – etwa indem er sich viel bewegt, sich ausgewogen ernährt, auf sein Körpergewicht achtet, rauchfrei und möglichst alkoholfrei lebt und sich vor UV-Strahlung schützt.

Aufklärung, die alle Lebenswelten durchdringt

Die Deutsche Krebshilfe klärt die Bevölkerung bereits seit vielen Jahren über Krebsrisikofaktoren auf. Sie bietet unter anderem zahlreiche kostenlose Informationsbroschüren und den persönlichen Beratungsdienst “Infonetz Krebs” an. Auch der Krebsinformationsdienst (KID) des DKFZ in Heidelberg informiert über Möglichkeiten der Prävention. „Wir sind allerdings davon überzeugt, dass eine erfolgreiche Prävention nur dann gelingen kann, wenn sie alle gesellschaftlichen Bereiche und Lebenswelten durchdringt und wir Menschen bereits vom Kindesalter an für dieses wichtige Thema sensibilisieren“, so Nettekoven. Darüber hinaus engagiert sich die Deutsche Krebshilfe auch auf politischer Ebene – mit Erfolg: Die bundesweiten Nichtraucherschutzgesetze sowie die gesetzlichen Nutzungsverbote, die Minderjährige vor Solarien und E-Zigaretten schützen sollen, sind nur einige Beispiele für den umfänglichen Einsatz der Organisation für einen besseren Gesundheitsschutz.

Auch die Landeskrebsgesellschaften setzen sich intensiv für die Krebsprävention ein. “Du bist kostbar” ist eine Kampagne, die von der Hessischen Krebsgesellschaft initiiert wurde und inzwischen in vielen weiteren Bundesländern umgesetzt wird. „Unsere Gesundheit bleibt unser höchstes Gut, mit dem viele von uns einfach nicht achtsam genug umgehen,“ sagte Prof. Christian Jackisch, Vorstandsvorsitzender der Hessischen Krebsgesellschaft. „Deswegen informieren wir über Möglichkeiten, die Gesundheit möglichst lange zu erhalten. Neben einer gesunden Ernährung und Lebensweise gehört auch die Nutzung der Krebsvorsorgemöglichkeiten für Frauen und Männer dazu. Daher gehört der Präventionsgedanke bereits in den Kindergarten: Was Hänschen nicht lernt, lernt Hans nimmer mehr.“

Forschungsfeld mit Zukunft 

Die Zahl der Krebsneuerkrankungen steigt sowohl weltweit als auch in Deutschland rapide. „Um diesen Tsunami an Krebserkrankungen zu reduzieren, müssen wir die Krebsforschung – insbesondere im Bereich der Prävention – weiter verstärken“, konstatierte Prof. Michael Baumann, Vorstandsvorsitzender des DKFZ. „Jeder Mensch hat individuelle Risiken, an bestimmten Krebsarten zu erkranken. Diese persönlichen Risiken zu erfassen und jedem Mitbürger spezifische Präventionsmaßnahmen vorzuschlagen, die an sein individuelles Risikoprofil angepasst sind, ist unser langfristiges Ziel. So lassen sich Krebserkrankungen hinauszögern oder sogar vermeiden.“ Im Nationalen Krebspräventionszentrum, das von der Deutschen Krebshilfe mit 25 Millionen Euro gefördert wird, sollen die umfangreiche Präventionsforschung des DKFZ zukünftig unter einem Dach gebündelt werden sowie eine Präventionsambulanz und ein Informationszentrum entstehen.

Welche Lebensstilfaktoren das Krebsrisiko beeinflussen, ist durch zahlreiche Studien belegt. Aber warum eigentlich fördern etwa Bewegungsmangel oder starkes Übergewicht die Krebsentstehung? Was geschieht dabei im Körper, in den Zellen? Genau hier setzt die Forschung von Prof. Mathias Heikenwälder vom Deutschen Krebsforschungszentrum an. „Am Beispiel der Leber konnten wir zeigen, wie Alkohol oder auch fettreiche Ernährung krebsfördernde chronische Entzündungsreaktionen auslösen“, sagte der Wissenschaftler. „Und wir haben dabei auch herausgefunden, dass wir den Kreislauf von entzündlichen Prozessen mit Wirkstoffen durchbrechen und so den betroffenen Menschen helfen können, ihr Risiko für bestimmte Formen von Leberkrebs zu senken.“

(Deutsche Krebsgesellschaft / ms)