DKK3 im Urin sagt bei Kindern kurzfristige Verschlechterung der Nierenfunktion voraus

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Eine internationale Studie, an der auch deutsche Wissenschaftler beteiligt waren, zeigt, dass das kurzfristige Risiko einer Verschlechterung der Nierenfunktion bei Kindern mit Chronischer Nierenerkrankung (CKD) am Dickkopf-3(DKK3)-Protein im Urin abgelesen werden kann.

Dazu untersuchten Thimoteus Speer vom Else Kröner Fresenius Zentrum für Nephrologische Forschung in Frankfurt und Kollegen in einer Kohortenbeobachtungs­studie den Zusammenhang zwischen DKK3 im Urin und dem kombinierten Nieren­endpunkt (der zusammengesetzten Verringerung der geschätzten glomerulären Filtrationsrate [eGFR] um 50 Prozent oder dem Fortschreiten einer Nierenerkrankung im Endstadium) oder dem Risiko einer Nierenersatztherapie sowie die Wechselwirkung zwischen dem kombinierten Nieren­endpunkt und einer verstärkten Blutdrucksenkung. Darüber hinaus wurden DKK3 und eGFR im Urin von Kindern im Alter von drei bis 18 Jahren mit CKD und in Urinproben, die im Rahmen der ESCAPE- und 4C-Studien gewonnen worden waren, zu Studien­beginn und bei sechsmonatigen Nachunter­suchungen quantifiziert. Bei den Analysen wurden Alter, Geschlecht, Bluthochdruck, systolischer Blutdruck-SDS-Score (SDS), BMI-SDS, Albuminurie und eGFR berücksichtigt.

Insgesamt wurden 659 Kinder (231 aus ESCAPE und 428 aus 4C) und 3935 Urinproben in die Analyse einbezogen. In beiden Kohorten war ein DKK3-Wert im Urin oberhalb des Medians (>1689 pg/mg Kreatinin) mit einer signifikant stärkeren Sechs-Monats-Abnahme der eGFR verbunden als ein DKK3-Wert bei oder unterhalb des Medians (ESCAPE: -5,6 %; 95 %-KI -8,6 bis -2,7 vs. 1,0 %; 95 %-KI -1,9 bis 3,9; p<0,0001; 4C: -6,2 %; 95 %-KI -7,3 bis -5,0 vs. -1 bis 5 %; 95 %-KI -2,9 bis -0,1; p<0,0001), unabhängig von Dia­gnose, eGFR und Albuminurie.

In der ESCAPE-Studie beschränkte sich der positive Effekt einer intensivierten Blutdruckkontrolle auf Kinder mit einem DKK3-Wert im Urin >1689 pg/mg Kreatinin in Bezug auf den kombinierten Nierenendpunkt (HR 0,27; 95 %-KI 0,14–0,55; p=0,0003; number needed to treat [NNT] 4,0; 95 %-KI 3,7–4,4 vs. 250,0; 95 %-KI 66,9 bis ∞) und die Notwendigkeit einer Nierenersatztherapie (HR 0,33; 95 %-KI 0,13–0,85; p=0,021; NNT 6,7; 95 %-KI 6,1–7,2 vs. 31,0; 95 %-KI 27,4–35,9).

In 4C führte die Hemmung des Renin-Angiotensin-Aldosteron-Systems zu signifikant niedrigeren DKK3-Konzentrationen im Urin (kleinster quadratischer Mittelwert 12,235 pg/mg Kreatinin; 95 %-KI 10.036–14.433) bei Patienten, die keine Angiotensin-konvertierenden Enzyminhibitoren oder Angiotensin-2-Rezeptorblocker einnahmen, gegenüber 6861 pg/mg ­Kreatinin (95 %-KI 5616–8106] bei Patienten, die Angiotensin-konvertierende Enzyminhibitoren oder Angiotensin-2-Rezeptorblocker einnahmen (p<0,0001).

„DKK3 im Urin könnte einen personalisierten medizinischen Ansatz ermöglichen, indem diejenigen ­Kinder mit CKD identifiziert werden, die von einer pharmakologischen Nephro­­protektion wie einer verstärkten Blutdrucksenkung profitieren“, fassen die Autoren ihre Ergebnisse zusammen. (ej)