DMÖ: Weniger Injektionen bei vergleichbarer Wirksamkeit?

Intravitreale Injektion. (Symbolbild.)Bild:©AngeloSouza-stock.aodobe.com

Eine aktuelle Arbeit aus China hat ein neues sequenzielles Therapieschema nach dem Prinzip „1 + 1 + PRN“ zur Behandlung des diabetischen Makulaödems (DMÖ) näher untersucht.

Für Patienten mit DMÖ ist der Sehverlust nur ein Teil der Belastung. Wiederholte intravitreale okuläre Injektionen (IVOM) bringen häufige Klinikbesuche und Behandlungsängste mit sich, die die Betroffenen zusätzlich belasten. Das kann sich insgesamt auf die langfristige Therapietreue auswirken.

Eine neue Kurzzeit-Beobachtungsstudie hat nun untersucht, ob die Behandlungslast verringert werden kann, ohne dass frühe visuelle und anatomische Ergebnisse erheblich beeinträchtigt werden. Die Untersuchungen wurden in Zusammenarbeit des Third Affiliated Hospital of Wenzhou Medical University (China), Primasia International Eye Research Institute of the Chinese University of Hong Kong (China) und kooperierender Einrichtungen durchgeführt. Ihre Ergebnisse haben die Forschenden im Fachjournal „Eye Discovery“ veröffentlicht.

Keine signifikanten Unterschiede zwischen den Gruppen

In der Studie wurde ein neues sequenzielles Injektions-Schema (1+1+pro re nata [PRN]) mit dem herkömmlichen Anti-VEGF-Schema (3+PRN) verglichen. In der sequenziellen Gruppe erhielten therapienaive Patienten eine oder zwei Anti-VEGF-Injektionen und vier Wochen darauffolgend ein intravitreales Dexamethason-Implantat. Eine spätere Anti-VEGF-Therapie wurde nach Bedarf verabreicht. In der konventionellen Gruppe bekamen die Patienten drei aufeinanderfolgende monatliche Anti-VEGF-Injektionen, mit anschließender bedarfsgerechter Nachbehandlung.

In die Untersuchung wurden 28 Augen von 23 behandlungsnaiven Patienten eingeschlossen und über einen Zeitraum von 25 Wochen begleitet. Beide Behandlungsschemata führten zu signifikanten Verbesserungen gegenüber dem Ausgangswert hinsichtlich der bestkorrigierten Sehschärfe, der zentralen Makuladicke, der hyperreflektiven Herde und der zystischen Veränderungen im tiefen Kapillarplexus. Im Hinblick auf die visuellen oder anatomischen Endpunkte wurden keine statistisch signifikanten Unterschiede zwischen beiden Gruppen festgestellt. Dennoch zeigte die „1 + 1 + PRN“-Gruppe einen numerisch günstigen Trend mit einer früheren und stabileren Sehverbesserung. Außerdem gab es eine gleichmäßigeren Abnahme der zentralen Makuladicke, wie die Autoren betonten.

Geringerer Injektionsaufwand in sequenzieller Gruppe

Ein wesentlicher Unterschied zwischen den beiden Gruppen konnte jedoch beim Injektionsaufwand festgestellt werden. Über 25 Wochen betrug die durchschnittliche Anzahl an IVOMs in der „1 + 1 + PRN“-Gruppe 2,58, verglichen mit 4,94 in der „3 + PRN“-Gruppe. In der sequenziellen Gruppe konnten die meisten Augen mit nur zwei bis drei Injektionen kontrolliert werden. Das stellt den Autoren zufolge eine erhebliche Verringerung der Behandlungslast für die Patienten dar. Daher könnte es zu einer Verbesserung der Therapietreue führen.

Ergebnisse explorativ betrachten

Auch die Sicherheitsergebnisse waren weitgehend vergleichbar. In beiden Gruppen trat ein erhöhter Augeninnendruck ohne statistisch signifikanten Unterschied auf. Dieser konnte mit vorübergehender topischer Medikation kontrolliert werden. Des Weiteren wurden während des Nachbeobachtungszeitraums keine schwerwiegenden okulären unerwünschten Ereignisse wie Kataraktprogression, Netzhautablösung, Glaskörperblutung oder Endophthalmitis beobachtet.

Dennoch weisen die Autoren daraufhin, dass die Ergebnisse mit Vorsicht interpretiert werden sollten. Denn es handle sich um eine kleine, retrospektive, nicht randomisierte Studie mit kurzer Nachbeobachtungszeit. Die Zuordnung zur Behandlung basierte zudem auf einer gemeinsamen Entscheidungsfindung und nicht auf einer zufälligen Zuordnung. Zudem wurden, so die Autoren, verschiedene Anti-VEGF-Wirkstoffe verwendet. Außerdem erhielten nicht alle Augen in der sequenziellen Gruppe vor der Dexamethason-Implantation die gleiche Anzahl an Anti-VEGF-Injektionen.

Die Ergebnisse sollten daher als explorativ betrachtet werden. Den Autoren zufolge seien größere, länger angelegte, prospektive randomisierte Studien erforderlich, um festzustellen, ob die „1 + 1 + PRN“-Strategie zu einer zuverlässigen Behandlungsoption für das DMÖ werden kann.

(sas/BIERMANN)