Grundschüler mit Handy lesen schlechter17. August 2026 Smartphones lenken nicht nur von schulischen Aufgaben ab, sie beeinträchtigen auch das Leseverständnis von Grundschülern. (Foto: © candy1812 – stock.adobe.com) Handyverbote in der Schule mögen als gute Möglichkeit erscheinen, das Lernen von Grundschulkindern zu verbessern. Eine neue, in „Behavioral Sciences“ veröffentlichte Studie zeigt allerdings, dass schon der bloße Besitz eines Handys mit einem schlechteren Leseverständnis korreliert. „Wir haben festgestellt, dass es kein bestimmtes Alter gibt, in dem man einem Kind ein Handy geben kann, das sich positiv oder negativ auf das Leseverständnis auswirkt – entscheidend ist allein der bloße Besitz eines Handys“, erklärte die Hauptautorin und Psychologieprofessorin an der University of California in Los Angeles (USA), Patricia Greenfield. „Das gilt sowohl für die dritte als auch für die sechste Klasse.“ Um das Leseverständnis von Kindern mit und ohne Handy bei einer Gruppe kulturell und sprachlich vielfältiger Kinder an öffentlichen Schulen zu untersuchen, ließen die Forschenden Kinder – von denen einige ein Handy besaßen und andere nicht – kurze Textpassagen lesen. Einige Schüler hatten ihr Handy üblicherweise in der Schule dabei, andere hingegen nicht. Anschließend testeten die Forscher, was die Heranwachsenden von den einzelnen Texten verstanden hatten. Die Schüler füllten zudem einen Fragebogen zum Besitz und zur Nutzung ihres Mobiltelefons aus. Bei der Auswertung dieser Daten stellten die Forscher einen statistisch signifikanten Zusammenhang zwischen dem Besitz eines eigenen Mobiltelefons und schlechteren Leseergebnissen fest: Kinder, die ein Mobiltelefon besaßen, zeigten ein schlechteres Leseverständnis als diejenigen, die keines besaßen. Dieser negative Zusammenhang zwischen Mobiltelefonbesitz und Leseergebnissen galt sowohl für Schüler, die zu Hause Englisch sprachen, als auch für diejenigen, die dies nicht taten. Der Besitz eines Smartphones beeinträchtigt das Lesevermögen Eine Untersuchung zur Ablenkung durch Handybenachrichtigungen war nicht möglich, da die Schüler während der Experimente fast keine Benachrichtigungen erhielten. Darüber hinaus gab es keinen Unterschied im Leseverständnis, unabhängig davon, ob sich die Handys auf den Schreibtischen befanden oder außer Sichtweite waren. Auch das Alter, in dem ein Kind sein erstes Handy erhielt, korrelierte nicht mit der Leseverständnisfähigkeit. „Die Kinder, die ihre Handys mit in die Schule brachten, erzielten dieselben Leseergebnisse wie Kinder, die an diesem Tag kein Handy in der Schule hatten. Es ist also der Besitz eines Handys – und nicht dessen unmittelbare Anwesenheit –, der mit einem schlechteren Leseverständnis in der Grundschule korreliert“, erklärte Greenfield. Kinder mit anderer Muttersprache profitieren Einige positive Aspekte des Handybesitzes fanden die Forschenden für Schüler, die zu Hause kein Englisch sprachen. Bei ihnen war das Leseverständnis umso besser, je früher sie begannen, ihr Handy zum Schreiben von SMS zu nutzen. „Wenn Sie ein Handy besitzen und aus einer Familie stammen, in der zu Hause kein Englisch gesprochen wird, ist es für das Leseverständnis besser, früher als später mit dem Versenden von Texnachrichten zu beginnen“, erklärte Greenfield. „Tatsächlich erzielten Schüler aus arabisch- oder spanischsprachigen Familien, die bereits in der zweiten oder dritten Klasse mit dem Versenden von SMS begannen, in der sechsten Klasse ähnliche Ergebnisse beim Leseverständnis wie ihre Mitschüler, die noch kein Handy besaßen.“ Obwohl die Ergebnisse darauf hindeuten, dass Schulverbote bis zur sechsten Klasse keine akademischen Auswirkungen haben, dürften Handyverbote in den Grundschulklassen die sozialen Kompetenzen und Beziehungen der Kinder verbessern, sind die Autoren überzeugt. Ohne Handy hätten die Kinder mehr Zeit für persönliche Interaktion mit Gleichaltrigen und Lehrkräften.
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