DOG 2019: Smartphonebasierte Funduskopie – Erfolgreiches Projekt zur Digitalisierung26. September 2019 Am Sankara Eye Hospital in Bangalore schult Dr. Maximilian Wintergerst (Mitte) medizinisches Hilfspersonal in der smartphonebasierten Funduskopie. Foto: © Augenklinik / UK Bonn In vielen Entwicklungs- und Schwellenländern, aber auch in Altersheimen oder bei bettlägerigen Intensivpatienten hierzulande ist die augenärztliche Versorgung mangelhaft oder schwierig. Darauf macht die Deutsche Ophthalomologische Gesellschaft (DOG) vor dem Hintergund einer aktuellen Studie aufemerksam, die zeigt, dass die Früherkennung einiger häufiger Augenerkrankungen auch mit der Smartphonekamera funktioniert. Die Anzahl an Augenärzten ist in vielen Entwicklungs- und Schwellenländern unzureichend, und finanzielle Ressoucen sind knapp. Demgegenüber sind Smartphones weltweit verfügbar. Forscher der Universitäts-Augenklinik Bonn haben daher in Banglore (Süd-Indien) erprobt, ob eine Fundus-Untersuchung per Smartphonekamera das Erkennen von Diabetischer Retinopathie (DR) ermöglicht. Konkret nutzten die Wissenschaftler Adapter, die vor die Smartphonekamera geschaltet werden. „Zur Beurteilung des Sehnervs sollte die Untersuchung mit weit gestellter, getropfter Pupille erfolgen, weil die Bildqualität dann besser ist“, erläuterte Projektleiter Dr. Maximilian Wintergerst (Bonn) während der Vorab-Pressekonferenz zum 117. DOG-Kongress. . Für die Untersuchung auf diabetische Veränderungen am Auge waren die Ergebnisse am besten, wenn zusätzlich eine vergrößernde Lupe vor das Auge gehalten wurde. Die Studie wird nach Angaben der DOG demnächst veröffentlicht. Auch augenärztliches Assistenzpersonal kann die digitale Fundus-Untersuchung durchführen. „Das eröffnet die Chance auf einen telemedizinischen Ansatz“, unterstreicht Wintergerst. „Das Assistenzpersonal schickt die mit dem Smartphone aufgenommenen Fundus-Bilder per Internet an ein Krankenhaus, wo sie von Augenärzten am Computer beurteilt werden.“ Patienten, bei denen sich Hinweise auf ein Glaukom oder eine Retinopathie zeigen, können so gezielt zur augenärztlichen Untersuchung und Behandlung einbestellt werden. Der Aufbau eines solchen telemedizinischen Screenings für DR in Südindien ist bereits geplant und wird durch das Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung sowie die Else-Kröner-Fresenius-Stiftung gefördert. Ein weiterer Pluspunkt des Smartphone-Screenings: die Kosteneffizienz. Während konventionelle Geräte zur Fundus-Untersuchung mindestens einige Tausend Euro kosteten, so heißt es, beliefen sich die Ausgaben für ein geeignetes Smartphone inklusive Adapter auf einige Hundert Euro. „Und schließlich ist die Smartphone-Funduskopie mobil, die Untersuchung kann zum Patienten kommen“, betont Wintergerst. Damit ist dieser Ansatz nicht nur für Länder mit mittlerer Einkommensstruktur wie Indien interessant. „Auch eine Anwendung in Deutschland wäre denkbar, etwa zur Untersuchung und Dokumentation bei bettlägerigen Patienten auf der Intensivstation oder bei Patienten in Altersheimen, die nicht ohne weiteres zum Augenarzt gehen können.“ Quelle: DOG
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