Drei Borna-Fälle im Norden und Osten Deutschlands8. Dezember 2021 Die Feldspitzmaus gilt als natürliches Reservoir des Bornavirus. (Foto: ©Creativenature.nl – stock.adobe.com) Im Jahr 2021 sind in Thüringen, Sachsen-Anhalt und Niedersachsen drei Fälle von Enzephalitis durch das Borna Disease Virus 1 (BoDV-1) aufgetreten. Das berichten Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler des Robert Koch-Instituts und des Bernhard Nocht-Institutes. Zwei Patienten verstarben, einer überlebte mit schweren neurologischen Schäden. Alle Betroffenen wohnten in Gebieten, die als Endemiegebiete für die Borna-Krankheit bei Tieren bekannt sind, ohne dass zuvor Fälle beim Menschen diagnostiziert wurden. Mit Ausnahme eines kürzlich entdeckten Falles in Brandenburg sind der Studie zufolge bislang alle der mehr als 30 gemeldeten Fälle im südlichen Bayern aufgetreten oder standen mit diesem in Verbindung. Zwei der drei neu beschriebenen Fällen waren akute Infektionen, während eine Infektion retrospektiv anhand von archivierten Gewebeproben aus einer Gehirnautopsie diagnostiziert wurde. Einer der akuten Patienten überlebte mit schweren neurologischen Schäden. Die Infektionen wurden den Autoren zufolge mit verschiedenen Techniken (Serologie, molekulare Assays und Immunhistologie) nach einem validierten Testschema und unter Einhaltung einer vorgeschlagenen Falldefinition diagnostiziert. Zwei Fälle wurden danach als bestätigte BoDV-1-Enzephalitis eingestuft, während ein Fall als wahrscheinliche Infektion mit positiver Serologie und typischer Magnetresonanztomographie des Gehirns, aber ohne molekulare Bestätigung kategorisiert wurde. In den drei Fällen gelang es den Forschenden außerdem, eine vollständige Virusgenomsequenz wiederherzustellen. “Unser Bericht unterstreicht die Notwendigkeit, bei unklaren Enzephalitisfällen in allen Gebieten mit bekannter Borna-Endemie bei Tieren in Europa, einschließlich der Virus-Endemiegebiete in Österreich, Liechtenstein und der Schweiz, eine BoDV-1-Ätiologie zu erkennen. Bei akuten Enzephalitisfällen mit Wohnsitz oder ländlicher Exposition in bekannten Borna-Endemiegebieten sollte aktiv auf BoDV-1 getestet werden”, empfehlen die Autoren. Spitzmaus als natürliches Virenreservoir BoDV-1 (Spezies Mammalian orthobornavirus 1) ist eines der beiden bekannten zoonotischen Mitglieder der Familie der Bornaviridae. Seit Langem ist bekannt, dass BoDV-1 bei Tieren die Borna-Krankheit (BD) verursacht, eine nichteitrige Meningomyelo-Enzephalitis, die vor allem bei Pferden und Schafen in endemischen Regionen in Deutschland, Liechtenstein, der Schweiz und Österreich auftritt. Als natürliches Reservoir von BoDV-1 gilt (mindestens) die Feldspitzmaus (Crocidura leucodon). Im Jahr 2018 wurde das gravierende pathogene Potenzial von BoDV-1 für den Menschen in einem Cluster von transplantationsbedingten BoDV-1-Enzephalitisfällen in Deutschland mit zwei Todesfällen und einem schwer geschädigten Überlebenden deutlich. Gleichzeitig wurde ein sporadischer, nicht damit zusammenhängender tödlicher Fall entdeckt. Seitdem wurden fast 40 sporadische Fälle, von denen einige akut und einige retrospektiv diagnostiziert wurden, in der Literatur veröffentlicht und/oder dem Robert-Koch-Institut auf nationaler Ebene gemeldet und übermittelt. (ej)
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