Drei Millionen Euro für Aufklärung seltener Autoimmunerkrankungen

Prof. Thomas Illig, Dr. Faranaz Atschekzei und Prof. Reinhold Ernst Schmidt (von links) wollen die Ursachen für fehlgesteuerte Immunantworten aufklären. (Foto: © MHH/Karin Kaiser)

Autoimmunerkrankungen, die mehrere Organe betreffen, sind selten. Umso schwieriger ist ihre Diagnose, denn das Krankheitsbild ist komplex. Um betroffenen Patienten helfen zu können, ist es jedoch wichtig, die Ursachen möglichst schnell zu erkennen. Denn je früher die Erkrankung behandelt werden kann, desto eher lässt sich ein schwerer Verlauf noch aufhalten. Die genetischen und umweltbedingten Faktoren für die fehlgesteuerte Immunantwort besser zu verstehen, ist Aufgabe des Forschungsnetzwerkes GAIN (German multi-organ Autoimmunity Network).

Wissenschaftler und Mediziner aus den Universitätskliniken Freiburg, Hannover, München und Kiel arbeiten daran, die Ursachen zu erforschen und so Diagnose, Beratung und Therapie für betroffene Patienten zu verbessern. An der Medizinischen Hochschule Hannover (MHH) sind die Klinik für Immunologie und Rheumatologie unter der Leitung von Prof. Reinhold Ernst Schmidt und die Hannover Unified Biobank (HUB) unter der Leitung von Prof. Thomas Illig beteiligt. Das Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) fördert das Projekt mit insgesamt drei Millionen Euro. Davon gehen rund 383.000 Euro an die MHH.

Diagnose von komplexem Krankheitsbild ist schwierig

„In den vergangenen Jahren sind schon viele Gene identifiziert worden, die für Immundefekte und fehlgeleitete Immunregulation verantwortlich sind“, erklärt Dr. Faranaz Atschekzei, die gemeinsam mit Schmidt das GAIN-Teilprojekt in der MHH-Klinik leitet. Mit ihrer Arbeitsgruppe will die Wissenschaftlerin die Entstehung und Entwicklung der Störungen des Immunsystems untersuchen.

Ein besonderer Fokus liegt dabei auf den epigenetischen Faktoren von Multi-Organ-Erkrankungen. Diese unterliegen Umwelteinflüssen und ändern – anders als eine Mutation – nicht das eigentliche Erbgut, wohl aber dessen Regulation. „Diese Faktoren erklären, weshalb sich bei diesen Erkrankungen die genetischen Veränderungen nicht immer bemerkbar machen und sich mitunter auch in unterschiedlichen Krankheitsbildern äußern“, sagt Atschekzei. Da Multi-Organ-Autoimmunerkrankungen zu den Seltenen Erkrankungen zählten, sei die Vernetzung und Zusammenarbeit im Forschungsverbund unbedingt nötig, um eine ausreichende Anzahl von Patienten untersuchen und verlässliche Aussagen machen zu können.

Zentrale Struktur für Proben soll geschaffen werden

Damit die wenigen über die Standorte verteilten Bioproben allen Forschern im GAIN-Netzwerk zur Verfügung stehen, soll eine Biobank für Multi-Organ-Autoimmunerkrankungen geschaffen werden. Illig und sein Team werden dafür eine zentrale Probendatenbank aufbauen. Zwar sollen die Proben selbst nicht zentral in Hannover gelagert, sondern in der Biobankinfrastruktur der jeweiligen Standorte belassen werden. Die HUB bietet dem Netzwerk jedoch eine spezielle Registrierungssoftware, um die Daten zur Probenbearbeitung- und Lagerung zu erfassen. Diese Daten werden dann an die HUB übermittelt und dort zentral gesammelt und verwaltet.