DSG gründet Kommission „Telemedizinische Schlaganfallversorgung“28. November 2019 Beim Schlaganfall gilt das Motto “Time is Brain”. Telemedizinische Unterstützung durch Experten kann das Outcome der Patienten verbessern. (Foto: ©everythingpossible – stock.adobe.com) Haben Kliniken im ländlichen Raum keine spezialisierten neurologischen Abteilungen, können telemedizinische Schlaganfallnetzwerke eine gute Versorgung sicherstellen. Zur Koordination dieser Telestroke-Netzwerke wurde in der Deutschen Schlaganfall-Gesellschaft (DSG) nun die Kommission „Telemedizinische Schlaganfallversorgung“ gegründet, der alle 21 Netzwerke angehören. „Die Tele-Stroke-Units gewährleisten eine hochwertige Versorgung von Patienten in Krankenhäusern, die nicht selbst über neurologische Abteilungen verfügen“, sagt Prof. Armin Grau, 1. Vorsitzender der DSG. „Rasche, telemedizinisch getroffene Entscheidungen können von essenzieller Bedeutung für die Patienten sein, da die schnelle Therapieeinleitung den Betroffenen hilft, die Erkrankung ohne dauerhafte Einschränkungen zu überstehen.“ Der Sprecher der Kommission, PD Dr. Christoph Gumbinger, Oberarzt in der Neurologie und Poliklinik am Universitätsklinikum Heidelberg, betont: „Durch die Einführung neuer katheterbasierter Schlaganfalltherapieverfahren sind die Bedeutung und die Anforderungen an die telemedizinische Schlaganfallakutbehandlung nochmals gestiegen.“ Deshalb tauschen sich die Telestroke-Netzwerke nun enger aus, um die Herausforderungen optimal bewältigen zu können. So verfügen beispielsweise nicht alle Einrichtungen über hinreichende technische Kapazitäten, um die notwendige schnelle Bildübertragung bereitzustellen, die für eine rasche Entscheidungsfindung so entscheidend ist. Die Strukturen in verschiedenen Bundesländern sind uneinheitlich, was die Sicherstellung der hohen Standards, die die telemedizinische Schlaganfallbehandlung erfordert, erschwert. Ein weiteres Problem spricht Prof. Heinrich Audebert, Direktor der Klinik für Neurologie mit Experimenteller Neurologie an der Charité Berlin und Vorsitzender der Arbeitsgruppe Finanzen der Kommission Telemedizinische Schlaganfallversorgung, an: „Deutschlandweit besteht ein Flickenteppich, was die Finanzierung der Telestroke-Netzwerke angeht. Trotz politischer Zusagen, die Telemedizin fördern zu wollen, existiert weiterhin eine Unterfinanzierung vieler Netzwerke.“ Eine mögliche Konsequenz daraus seien Qualitätseinbußen, da dann nur Teilaspekte des Tele-Stroke-Unit-Konzeptes umgesetzt werden könnten. Die Mitglieder der Kommission sind sich einig, dass sie gemeinsam die telemedizinische Schlaganfallbehandlung verbessern können. Der DSG-Pressesprecher, Prof. Wolf-Rüdiger Schäbitz, gratulierte der Kommission zur Aufnahme ihrer Arbeit. „Es ist ein positives Signal, dass nun alle Telestroke-Netzwerke zusammenarbeiten, um die Chancen der Telemedizin für die Schlaganfallbehandlung in Deutschland voll auszuschöpfen, was zudem eine Vorbildfunktion für die Telemedizin insgesamt hat.“ Die telemedizinische Versorgung sollte nach Ansicht der DSG-Experten ein Wegbereiter für die flächendeckende Etablierung von Neurologischen Stroke Units auch in ländlichen Regionen sein.
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