Durch die richtige Urethroplastik Funktionsstörungen vermeiden

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Das Management bulbärer Harnröhrenstrikturen war Thema am 16.05.2022 im Plenum des Jahreskongresses der American Urological Association (AUA). Experten fassten den aktuellen Stand zur Wahl der optimalen Therapiemethode zusammen.

“Die Urethroplastik kann mithilfe einer Vielzahl von Methoden durchgeführt werden, basierend auf der Erfahrung des Operateurs”, heißt es in den AUA-Leitlinien von 2016. Doch welche davon anwenden? Laut Dmitriy Nikolavsky von der SUNY Upstate University in Syracuse (USA) hängt dies – neben der Erfahrung des Urologen – von Länge und Lage der Striktur, der Strikturätiologie, den bekannten Erfolgs- und Misserfolgsraten jedes Verfahrens sowie von Patientenfaktoren wie vorherigen Operationen, sexueller Funktion, Lebensqualität und dem Vorliegen von Inkontinenz und/oder Symptomen des unteren Harntrakts ab.

Duchtrennen oder nicht durchtrennen – das ist die Frage

Im Wesentlichen werden Urethroplastiken mit und ohne Durchtrennung der Urethra bzw. mit oder ohne Gewebetransfer unterschieden. Bei der Exzision und primären Anastomose (EPA) wird die erkrankte Harnröhre ausgeschnitten und die beiden Enden der Urethra werden aneinandergefügt. Laut Amanda Chung, Wahroonga (Australien), wird hiermit eine hohe Erfolgsrate von 93-99% erzielt – höher als bei nicht durchtrennender Urethroplastik mit 84,6%. Bei urethralen Strikturen aufgrund von Bestrahlung werden jedoch nur 63,4% erreicht. Zudem können bei dieser Technik sexuelle Funktionsstörungen auftreten. Bei den Verfahren mit Gewebetransfer wird meist Wangenschleimhaut benutzt. Hierbei ist noch zu unterscheiden, ob das Graft dorsal oder ventral bzw. als Onlay oder Inlay eingesetzt wird. “Die Patientenselektion und eine saubere Durchführung der Operation sind von höchster Wichtigkeit, um die Chance auf ein erfolgreiches Ergebnis zu maximieren”, betonte Chung. “Achten Sie auch immer auf die Vaskularisierung der Urethra und des Corpus spongiosum sowie auf alle Faktoren, die mit der antegraden oder retrograden Blutversorgung der Urethra interferieren könnten”, riet die Urologin.

Matthias Hofer von der Northwestern University in Chicago (USA) widmete sich sexuellen Funktionsstörungen nach Urethroplastik wegen bulbärer Harnröhrenstrikturen. Eine Erektile Dysfunktion tritt bei transsezierenden Verfahren mit 21-50% häufiger auf als bei Verfahren ohne Harnröhrendurchtrennung, wie er herausstellte. Glücklicherweise erholt sich die erektile Funktion jedoch meist innerhalb eines Jahres. Das ist leider bei den selteneren Komplikationen wie der ejakulatorischen Dysfunktion und der Penisverkrümmung nicht der Fall. Um die sexuelle Funktion zu verbessern, riet Hofer, die bulbären Arterien und Nerven auszusparen, indem man die Dissektion begrenzt. Techniken mit doppeltem Graft eignen sich, um Hautlappen zu vermeiden. Der M. bulbospongiosus muss sorgfältig rekonstruiert und das Retraktionstrauma auf diesen Muskel beschränkt werden.

Anteriore Harnröhrenstrikturen, Nachtröpfeln und Inkontinenz

Lindsay Hampson von der Universität von Kalifornien in San Francisco (USA) ging auf den Zusammenhang anteriorer Harnröhrenstrikturen mit Nachtröpfeln und Belastungsinkontinenz ein. Beide sind mit Prävalenzen von 75% bzw. 31% recht häufig bei Patienten mit anterioren Harnröhrenstrikturen. Nach der Urethroplastik sei das Nachtröpfeln bei 60% der Patienten behoben, jedoch sei auch mit 26% De-novo-Nachtröpfeln zu rechnen, so Hampson. Dies müsse mit Patienten, für die Nachtröpfeln bisher kein Problem ist, besprochen werden, betonte sie. Bei Patienten, bei denen schon vor der Operation Belastungsinkontinenz vorliegt oder bei denen sich diese voraussichtlich in der Zukunft entwickeln wird, rät die Urologin zur Urethroplastik ohne Durchtrennung der Harnröhre. “Daten zeigen, dass Patienten mit durchtrennenden Verfahren eine höhere Wahrscheinlichkeit haben, dass später ein künstlicher Harnröhrensphinkter wegen Erosion oder Infektion ausfällt”, gab sie außerdem zu bedenken.

(ms)