For entomologists only: Das ungewöhnliche Sexleben der Eintagsfliegen12. März 2026 Penis von Ecdyonurus venosus, Ansicht von oben. Links im Ruhezustand, rechts während der Paarung mit ausgefahrenen Penisstacheln. Rekonstruktion aus µCT-Daten. Länge des Penis ca. 0,8 Millimeter. Quelle: Bild: B. Stocker/R. Gamba Copyright: SMNS, B. Stocker/R. Gamba Insektenforscher des Staatlichen Museums für Naturkunde Stuttgart haben mithilfe modernster Computertomographie das Paarungsritual von Eintagsfliegen im Detail analysiert. Die Ergebnisse der Studie erweitern das Verständnis zur Evolution des Paarungsverhaltens bei Insekten. Wie facettenreich und überraschend das Fortpflanzungsverhalten in der Natur sein kann, zeigt eine neue Studie über Eintagsfliegen der Gattung Ecdyonurus. Insektenforscher des Staatlichen Museums für Naturkunde Stuttgart haben mithilfe modernster Computertomographie erstmals das Paarungsritual dieser Insekten im Detail analysiert. Die Ergebnisse decken überraschende Mechanismen der speziell angepassten Fortpflanzungsorgane auf, die den akrobatischen Paarungsflug der Eintagsfliegen in der Luft ermöglichen. Damit liefert die Studie nicht nur faszinierende Einblicke in das außergewöhnliche Sexualverhalten dieser kurzlebigen Tiere. Sie trägt auch maßgeblich zum Verständnis der Evolution komplexer Fortpflanzungsmechanismen bei Fluginsekten bei. Die Ergebnisse wurden in der Fachzeitschrift „Insect Systematics and Diversity” veröffentlicht. „Schwarm-Kamasutra“: Ein akrobatisches Paarungsritual in der Luft Das Leben der ausgewachsenen Eintagsfliegen, deren Larven sich im Süßwasser entwickeln, ist kurz. Nach dem Schlupf bleibt den Insekten nur wenig Zeit, die sie für einen eindrucksvollen Paarungstanz nutzen. Meist findet dieser in Schwärmen über Gewässern statt. Die Kopulation selbst ist ein akrobatischer Akt in der Luft. Das Männchen nähert sich dem Weibchen von unten, umklammert es vorne mit verlängerten Vorderbeinen und hinten mit speziellen Genitalfüßen und biegt den Hinterleib nach oben, um die Paarung einzuleiten. Ecdyonurus venosus bei der Paarung. Das Weibchen oben, das Männchen unten. Die Tiere sind etwa 1,2 cm lang. Quelle: Bild: A. Staniczek Copyright: SMNS, A. Staniczek „Der akrobatische Paarungsflug, verknüpft mit direkter innerer Befruchtung und einer einzigartigen Körperhaltung, ist ein hochspezialisiertes Verhalten und evolutionär bemerkenswert“, erklärt Benedict Stocker, Erstautor der Studie und Entomologe am Naturkundemuseum Stuttgart. „Unsere Forschung ermöglicht wertvolle Einblicke in die außergewöhnlichen Lebensweisen und anatomischen Besonderheiten dieser Tiere und trägt zum besseren Verständnis der Evolution der Insekten bei.“ Mikro-CT-Aufnahmen: Neue Einblicke dank moderner Bildgebung Was genau bei der Paarung im Inneren der Weibchen vor sich geht, haben die Entomologen des Naturkundemuseums Stuttgart mit Computertomographie-Experten des Karlsruher Instituts für Technologie (KIT) analysiert. Um die Tiere untersuchen zu können, wurden kopulierende Pärchen mit einem Kescher aus der Luft gefangen. Anschließend wurden sie mit Vereisungsspray in der Paarungsstellung fixiert. Mithilfe der Mikro-CT-Aufnahmen gelang es den Wissenschaftlern anschließend, das Zusammenspiel der Geschlechtsorgane bei der Paarung erstmals dreidimensional darzustellen und die zugrunde liegenden Mechanismen aufzuklären. Fortpflanzungsorgan mit ausgeklügeltem Mechanismus Die Untersuchungen brachten Bemerkenswertes zu Tage: Männliche Eintagsfliegen sind mit einem ca. 0,8 mm langen, doppelten Penis ausgestattet, der aus einem gemeinsamen Schaft und zwei getrennten Penisloben mit jeweils einer Geschlechtsöffnung besteht. Entsprechend besitzen die Weibchen zwei Eileiter, die getrennt in eine Paarungstasche münden. Diese befindet sich auf der Unterseite des Hinterleibs. Besonders auffällig bei den männlichen Geschlechtsteilen sind zwei Penis-Stacheln, die eine besondere Rolle während der Paarung spielen. „Kräftige Muskeln bewirken während der Paarung eine Verformung des Penis, so dass die Penisloben umklappen, die Stacheln ausfahren und diese sich in die Paarungstasche des Weibchens bohren. Dadurch wird die Paarungstasche gedehnt und kann so das Sperma aufnehmen. Gleichzeitig sorgen die Sexstacheln dafür, dass das Geschlechtsorgan während der Paarung gut verankert ist“, so Dr. Arnold Staniczek. Er ist Eintagsfliegenexperte und Kurator für aquatische Insekten am Naturkundemuseum Stuttgart. Bedeutung für die Evolutionsforschung der Insekten Der akrobatische Paarungsflug, kombiniert mit innerer Befruchtung und einer speziellen Körperhaltung, stellt eine außergewöhnliche Verhaltensweise und eine evolutionäre Neuerung der Eintagsfliegen dar. Die Studie zeigt, dass das männliche Geschlechtsorgan bei Eintagsfliegen im Gegensatz zu anderen Insekten paarig angelegt ist und während der Paarung eine Formänderung durchläuft, die zur Verankerung im Weibchen dient. Diese Erkenntnisse liefern wertvolle Einblicke in die Fortpflanzungsbiologie der Eintagsfliegen und erweitern das Verständnis zur Evolution des Paarungsverhaltens bei Insekten.
Mehr erfahren zu: "Zum World Veterinary Day 2026: Ein Beitrag über FSME bei Hunden" Zum World Veterinary Day 2026: Ein Beitrag über FSME bei Hunden Seit dem Jahr 2000 wird der World Veterinary Day am letzten Samstag im April gefeiert. Sein diesjähriges Leitmotiv lautet „Veterinarians: Guardians of Food and Health“, das die tragende Rolle von […]
Mehr erfahren zu: "Internationaler Tag zur Abschaffung der Tierversuche" Internationaler Tag zur Abschaffung der Tierversuche Auch die Gegenseite anhören: Der bundesweite Verein Ärzte gegen Tierversuche prangert zum Internationalen Tag zur Abschaffung der Tierversuche das millionenfache Leid von Versuchstieren an. Gleichzeitig verweist der Verein auf den […]
Mehr erfahren zu: "Bis 2085 bedrohen Extremereignisse ein Drittel der Lebensräume von an Land lebenden Tierarten" Bis 2085 bedrohen Extremereignisse ein Drittel der Lebensräume von an Land lebenden Tierarten Etwa 36 Prozent der heutigen Lebensräume von Landtieren könnten bis 2085 mehreren unterschiedlichen Arten von klimabedingten Extremereignissen wie Hitzewellen, Bränden oder Überschwemmungen ausgesetzt sein.