Durchsichtige Elektroden für die Hirnforschung3. September 2020 Die von den Magdeburger ForscherInnen entwickelte durchsichtige Elektrode. (Foto: Reinhard Blumenstein/LIN) Forschende des Leibniz-Institutes für Neurobiologie Magdeburg (LIN) und der Otto-von-Guericke-Universität Magdeburg haben neuartige Elektroden zur Untersuchung des Gehirns entwickelt. Bei schweren neurologischen Erkrankungen wie Epilepsien, Blindheit oder Taubheit wecken optogenetische Verfahren, die Licht und Gentherapie im Gehirn kombinieren, große Hoffnungen. Mit ihnen könnte es möglich werden, die Nervenzellen wieder ins Lot zu bringen. Da man zur gezielten Anwendung des Lichtes aber die Signale des Gehirns verstehen muss, benötigt man zusätzlich Elektroden, die diese Signale aufzeichnen. Die konventionellen Elektroden sind jedoch undurchsichtig. Um dieses Problem zu umgehen, sind eine Reihe von Lösungen vorgeschlagen worden, die auf neuartigen Materialien, wie zum Beispiel Graphen, bestehen. Diese Materialien sind aber teuer, schwer zu verarbeiten und nicht sonderlich stabil. Bewährte Materialien werden neu hergestellt Das Magdeburger Team hat daher einen alternativen Weg eingeschlagen. Für die Elektroden werden bewährte Materialien genutzt, die so dünn hergestellt werden, dass sie die Eigenschaften der neuartigen Materialien sogar übertreffen – und dies, ohne die Langzeitstabilität der Implantate zu verschlechtern. Das erlaubt den WissenschaftlerInnen der Magdeburger Universität und des LIN, gleichzeitig die Aktivität von Nervenzellen zu messen und dieselben Zellen mit Licht zu stimulieren. „Anstatt auf komplizierte Materialien und Prozesse zu setzen, zeichnen sich unsere Elektroden durch Praxistauglichkeit und günstige Herstellungskosten aus“, erklärt Marcel Brosch. „Dies ist ein wichtiger Aspekt bei steigenden Kosten im Gesundheitssystem und einer älter werdenden Gesellschaft.“ Folien-Elektrode auch für Langzeitexperimente sinnvoll Mit ihrer Arbeit haben die Forschenden gezeigt, dass es möglich ist, Elektroden zu entwickeln, welche ausgezeichnete elektrische und optische Eigenschaften haben, aber trotzdem in Langzeitexperimenten stabile Signale liefern. Dies ist besonders relevant für den geplanten Einsatz am Menschen, da die Elektroden jahrelang fehlerfrei funktionieren müssen. Gerade für das Feld der Brain-Computer-Interfaces bieten die Elektroden Vorteile. Die Kombination aus Durchsichtigkeit, Haltbarkeit und Verträglichkeit ist eine wesentliche Grundvoraussetzung für den Erfolg. Diese Weiterentwicklung kann somit helfen, dass Patienten nach einer Querschnittlähmung ihren Tastsinn wiedererlangen können oder Blinde wieder sehen können. Originalpublikation: Brosch M et al. An optically transparent multi-electrode array for combined electrophysiology and optophysiology at the mesoscopic scale. J Neural Eng 2020;17(4):046014.
Mehr erfahren zu: "Neue Studie deutet auf Wirksamkeit von Gepanten gegen vestibuläre Migräne" Neue Studie deutet auf Wirksamkeit von Gepanten gegen vestibuläre Migräne Die vestibuläre Migräne ist durch Schwindelattacken und Migräne-Kopfschmerzen gekennzeichnet. Frühere Studien deuteten eine Wirksamkeit der CGRP-Inhibitoren an. Laut einer kürzlich publizierten Fallserie können möglicherweise auch Gepante gegen die Erkrankungssymptomatik helfen.
Mehr erfahren zu: "Multiples Myelom: Seltene Nebenwirkung von CAR-T-Zellen erfordert interdisziplinäre Versorgung" Multiples Myelom: Seltene Nebenwirkung von CAR-T-Zellen erfordert interdisziplinäre Versorgung Kölner Forscher haben seltene neurologische Komplikationen untersucht, die bei Patienten mit Multiplem Myelom nach der CAR-T-Zelltherapie Ciltacabtagen autoleucel (Cilta-cel) auftreten können. Zudem entwickelten sie ein strukturiertes Konzept für die Zusammenarbeit […]
Mehr erfahren zu: "Experten erwarten deutliche Zunahme der Demenzfälle bis 2060" Experten erwarten deutliche Zunahme der Demenzfälle bis 2060 Die Zahl der Demenzfälle wird bei steigender Lebenserwartung von heute etwa 1,3 Millionen auf bis zu 2,1 Millionen im Jahr 2060 zunehmen. Das zeigen aktuelle Prognosen des Wissenschaftlichen Instituts der […]