Neue Studie deutet auf Wirksamkeit von Gepanten gegen vestibuläre Migräne

Schwindel ist für viele Betroffene das störendste Symptom bei der vestibulären Migräne.(Symbolfoto: ©Tunatura/stock.adobe.com)

Die vestibuläre Migräne ist durch Schwindelattacken und Migräne-Kopfschmerzen gekennzeichnet. Frühere Studien deuteten eine Wirksamkeit der CGRP-Inhibitoren an. Laut einer kürzlich publizierten Fallserie können möglicherweise auch Gepante gegen die Erkrankungssymptomatik helfen.

Etwa ein bis drei Prozent der Bevölkerung sind von einer vestibulären Migräne betroffen. Die Erkrankung stellt damit die häufigste Ursache für episodische Schwindelattacken dar, gilt jedoch als unterdiagnostiziert und unterbehandelt. Dabei kann die vestibuläre Migräne das tägliche Leben stark beeinträchtigen – nicht nur aufgrund des wiederkehrenden spontanen Schwindels, sondern auch wegen der damit oft einhergehenden Migränesymptome (Kopfschmerzen, Lichtempfindlichkeit, Übelkeit und Erbrechen, Aurasymptomatik, auditorische Probleme).

Die therapeutischen Möglichkeiten sind bislang unzureichend – und wenig erforscht. Wirkstoffe zur Migränebehandlung zeigten bisher nur begrenzten Erfolg. So haben klinische Studien mit Triptanen bislang nur einen Effekt auf die Kopfschmerzsymptomatik gezeigt, nicht aber auf den Schwindel. Mehrere kleine Beobachtungsstudien deuteten allerdings auf eine Wirksamkeit einer Anti-CGRP-Therapie mit monoklonalen Antikörpern gegen vestibuläre Migräne hin. Vor dem Hintergrund, dass CGRP im gesamten zentralen und peripheren Vestibularsystem identifiziert wurde, ist eine Wirkung dieser Therapeutika gegen die Schwindelsymptomatik bei vestibulärer Migräne durchaus plausibel.

Gepante bei vestibulärer Migräne: Retrospektive Fallserie

Wissenschaftler der University of California in San Francisco (UCSF) wollten nun wissen, ob auch die Gepante bei vestibulärer Migräne eine Wirkung zeigen. Anders als die monoklonalen Anti-CGRP-Antikörper handelt es sich dabei um Small Molecules, die als Antagonisten an den CGRP-Rezeptor binden. Sie werden zur Akuttherapie oder Migräneprophylaxe oral eingenommen oder als Nasenspray appliziert.

An der Abteilung für Hals-Nasen-Ohrenheilkunde – Kopf- und Halschirurgie der UCSF werteten die Forschenden um den korrespondierenden Autor Jeffrey D. Sharon daher in einer retrospektiven Fallserie die Daten von 17 Patienten aus. Die inkludierten Personen (70 % weiblich) waren im Median 54 Jahre alt, litten an vestibulärer Migräne und wurden mit Gepanten behandelt. Am häufigsten verwendet wurde dabei Rimegepant (88,2 %), gefolgt von Ubrogepant (58,8 %), Atogepant (23,5 %) und Zavegepant (5,9 %). Die Patienten verwendeten die Gepante sowohl zur Abmilderung akuter Anfälle als auch als tägliche präventive Therapie. Ihre Erkenntnisse publizierten die Forschenden im Fachmagazin „Otolaryngology–Head and Neck Surgery“.

Großteil der Patienten empfand Gepante als hilfreich

Demnach erfuhr die Mehrheit der Patienten (76,5 %) nach der Einnahme eines Gepants eine Linderung ihres belastendsten Symptoms – zum Großteil (84,6 %) hätten die Medikamente „sehr geholfen“, die Symptome der vestibulären Migräne zu lindern, wie die Patienten dieser Kohorte angaben. Besonders diejenigen, die die Gepante zur Akut- und prophylaktischen Therapie nutzten, verzeichneten die höchsten Nutzenraten (100 %). Jene, die sie ausschließlich in Akutfällen einsetzten, gaben in 71,4 % der Fälle eine Besserung an. Die meisten Patienten berichteten, dass die Linderung innerhalb von Stunden einsetzte und eine Symptomverbesserung etwa 24 Stunden anhielt. Die Mehrheit der Patienten (76,5 %) verzeichnete keine Nebenwirkungen.

Weitere Studien nötig

„Diese aktuelle Studie untersuchte Gepante retrospektiv und stellte fest, dass ein erheblicher Prozentsatz der Patienten mit vestibulärer Migräne sie für hilfreich hielt“, wird Studienleiter Sharon in einer Mitteilung der American Academy of Otolaryngology – Head and Neck Surgery zitiert. Einschränkend muss jedoch gesagt werden, dass es sich um eine nur sehr kleine, nicht randomisierte Beobachtungsstudie handelt. „Der nächste Schritt besteht darin, diese Ergebnisse in einer größeren prospektiven Studie weiterzuverfolgen“, meint Sharon daher. In der Zwischenzeit halten die Studienautoren den Einsatz von Gepanten jedoch für „vertretbar“ bei der Behandlung der vestibulären Migräne.

(ah/BIERMANN)

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