Dynamische Hörprofile für individuelles Hören23. August 2019 Das Fraunhofer IDMT in Oldenburg entwickelt Algorithmen für Hörprofile, die sich automatisch und dynamisch an das akustische Eingangssignal anpassen. Hier einen Pocket-Empfänger. Foto:© Humantechnik GmbH. Der Institutsteil Hör-, Sprach- und Audiotechnologie des Fraunhofer IDMT in Oldenburg entwickelt Algorithmen für Hörprofile, die sich automatisch und dynamisch an das akustische Eingangssignal anpassen. Trägern von Hörhilfen, Kopfhörern und Hearables ermöglicht dies einen Weg zum individuellen Hören und guter Sprachverständlichkeit. Jeder Mensch hört anders gut. Aber wie genau, und welche Konsequenzen ergeben sich dadurch für die Entwicklung von Audio-Geräten? Die Medienaffinität der Menschen wächst und bleibt auch im Alter erhalten. Das Hörvermögen hingegen nimmt ab und Klangpräferenzen können sich im Laufe der Lebensphasen oder sogar situationsabhängig ändern. Eine Tatsache, die in bisherigen Hörsystemen nur wenig Beachtung findet. Gleichzeitig ist die einfache Bedienbarkeit für optimales, individuelles Hören wichtig für die Endnutzer. Individueller Klang, „adaptive“ Algorithmen In mehrstufigen Anpassungsexperimenten hat das Fraunhofer IDMT in Oldenburg Klangpräferenzen ermittelt, welche die gängigsten Facetten „persönlichen Wohlklangs” abbilden. Diese stellen die Grundlage für intelligente und dynamische Presets dar, die über ein leicht bedienbares Interface in Produkte integriert werden können, z.B. in TV-Hörsystemen. Vorteilhaft für den Endnutzer: Auch beim Umschalten oder bei Werbeeinblendungen werden Klang- und Lautstärkeeigenschaften automatisch an die Hörpräferenzen angepasst. „Unsere Algorithmen haben wir für Menschen entwickelt, die Wert auf guten Klang und beste Sprachverständlichkeit legen. Das können Träger von Headsets im Call Center sein, aber auch Nutzer von Hörhilfen, Kopfhörern für den Fernseh- oder Musikkonsum und das Telefonieren oder anderer Hearables. Damit schaffen wir eine neue Ebene des Klangkomforts, von der sowohl Normalhörende als auch Hörbeeinträchtigte profitieren”, sagt Dr. Jan Rennies-Hochmuth, Gruppenleiter Persönliche Hörsysteme am Fraunhofer IDMT. Kinnbügelkopfhörer des TV-Hörsystems»earis®«. Foto: © Humantechnik GmbH. Unter dem Namen „earis®” stellt das Unternehmen Humantechnik GmbH derzeit ein in der Zusammenarbeit mit dem Fraunhofer IDMT in Oldenburg entwickeltes TV-Hörsystem vor. Dabei handelt es sich um einen Kinnbügel-Kopfhörer und einen Pocket-Empfänger, der auch mit anderen Kopfhörern genutzt werden kann. Ein großes Stellrad ermöglicht nach Herstellerangaben die einfache Lautstärkeregelung. Neu dabei seien die fünf voreingestellten Hörprofile, die über eine Drucktaste leicht und intuitiv einzustellen und nicht statisch, sondern dynamisch angelegt sind. Ein vom Institutsteil Hör-, Sprach- und Audiotechnologie des Fraunhofer IDMT speziell für Nutzer mit nachlassendem Hörvermögen entwickelter Algorithmus passt den Klang kontinuierlich und dynamisch entsprechend der persönlichen Einstellungen des Fernsehzuschauers an. Auch bei verändernden akustischen Situationen sorge er automatisch für eine Anpassung auf die individuell empfundene beste Hörqualität, so das Unternehmen. Hör-, Sprach- und Audiotechnologie HSA am Fraunhofer-Institut für Digitale Medientechnologie IDMT in Oldenburg Ziel des Institutsteils Hör-, Sprach- und Audiotechnologie HSA des Fraunhofer IDMT ist es, wissenschaftliche Erkenntnisse über die Hörwahrnehmung und Mensch-Technik-Interaktionen in technologischen Anwendungen umzusetzen. Schwerpunkte der angewandten Forschung sind die Verbesserung von Klang und Sprachverständlichkeit, die personalisierte Audiowiedergabe sowie die akustische Sprach- und Ereigniserkennung mit Hilfe künstlicher Intelligenz (KI). Einen weiteren Fokus setzt der Institutsteil auf mobile Neurotechnologien, um auch außerhalb des Labors Gehirnaktivitäten zu erfassen und die dabei gewonnen Daten zu nutzen. Zu den Anwendungsfeldern gehören Consumer Electronics, Verkehr, Automotive, Produktion, Sicherheit, Telekommunikation und Gesundheit. Über wissenschaftliche Kooperationen ist das Fraunhofer IDMT-HSA eng mit der Carl von Ossietzky Universität, der Jade Hochschule und anderen Einrichtungen der Oldenburger Hörforschung verbunden. Das Fraunhofer IDMT-HSA ist Partner im Exzellenzcluster „Hearing4all”.
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