Dysfunktion der proximalen Tubuli bei COVID-1928. Januar 2021 © Crystal light – stock.adobe.com (Symbolbild) Im Zuge einer Coronavirus-Erkrankung 2019 (COVID-19) kommt es häufig zu Nierenschäden. In den proximalen Tubuluszellen ist der Angiotensin-Converting-Enzyme-2(ACE2)-Rezeptor für das severe acute respiratory syndrome coronavirus 2 (SARS-CoV-2) hoch exprimiert. Neue Daten belgischer Wissenschaftler zeigen nun, dass sich SARS-CoV-2 durch eine proximale Tubulusdysfunktion manifestiert und dies Hinweise auf den Schweregrad und das Outcome der Viruserkrankung liefern kann. Für die Studie wurde eine Kohorte von 49 Patienten untersucht, die sich aufgrund von COVID-19 im Krankenhaus befanden. Bei einigen Patienten zeigten sich Hinweise auf eine proximale Tubulusdysfunktion, die durch eine niedermolekulare Proteinurie (70–80%), Vorhandensein neutraler Aminosäuren im Urin (46%) und einer gestörten Harnsäure-Homöostase (46%) oder Phosphat-Homöostase (19%) charakterisiert waren. Bei keinem Patienten lag eine Normoglykämische Glukosurie (Diabetes renalis) vor. Die proximale Tubulusdysfunktion stand in keinem Zusammenhang zu vorbestehenden Komorbiditäten, glomerulärer Proteinurie, nephrotoxischen Medikamenten oder der Viruslast. Auf struktureller Ebene zeigten die Nieren von Patienten mit COVID-19 eine ausgeprägte tubuläre Schädigung. Das schloss auch den Anfangsbereich des proximalen Tubulus mit Verlust des Bürstensaums, akuter tubulärer Nekrose, intraluminalen Ablagerungen und einer deutlichen Abnahme von Megalin (Low Density Lipoprotein receptor-related Protein 2) ein. Durch transmissionselektronenmikroskopische Untersuchungen entdeckten die Forscher in den Kanälen und Zisternen des endoplasmatischen Retikulums der proximalen Tubuluszellen Partikel, die Coronaviren ähnelten. Die proximale Tubulusdysfunktion mit Hypourikämie und inadäquater Urikosurie war unabhängig mit dem Schweregrad von COVID-19 und mit einer signifikanten Erhöhung des Risikos einer respiratorischen Insuffizienz und invasiver mechanische Beatmung assoziiert (aHR 6,2; 95%-KI 1,9–20,1). Fazit In einer Subgruppe der Patienten, die aufgrund einer SARS-CoV-2-Infektion ins Krankenhaus eingeliefert wurden, fanden die Autoren Hinweise auf die Entwicklung einer Dysfunktion der proximalen Tubuli. (jh) Autoren: Werion A et al. Korrespondenz: Johann Morelle; [email protected] Studie: SARS-CoV-2 causes a specific dysfunction of the kidney proximal tubule Quelle: Kidney Int 2020;98(5):1296–1307. Web: https://doi.org/10.1016/j.kint.2020.07.019
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