Ebola-Ausbruch: Dringender Bedarf an Impfstoffen und effizienter Diagnostik3. Juni 2026 Gegen die Bundibugyo-Variante des Ebola-Virus gibt es bislang keine wirksamen Therapien und Impfstoffe. Symbolbild: tashatuvango/stock.adobe.com Um den Ausbruch des Ebola-Virus in Zentralafrika zu bekämpfen, bräuchte es dringend wirksame Impfstoffe. Entsprechende Kandidaten gibt es zwar – doch die Entwicklung wird mutmaßlich noch mehrere Monate dauern. Auch bei der Diagnostik sehen Expert:innen Aufholbedarf. Der Ausbruch des Ebola-Virus in Zentralafrika dauert an. Besonders betroffen ist weiterhin der Osten der Demokratischen Republik Kongo (DRK). Dort breitet sich das Bundibugyo-Virus in den Provinzen Ituri, Nord-Kivu und Süd-Kivu aus – Regionen, die seit Jahren unter Gewalt, Flucht und einer schwachen Gesundheitsversorgung leiden. Die Weltgesundheitsorganisation WHO und die Gesundheitsbehörde Africa CDC sprechen von einer der schwierigsten Ebola-Lagen seit Jahren. Obwohl das Bundibugyo-Virus bereits 2007 erstmals entdeckt wurde und es nun der dritte Ausbruch der Variante ist, gibt es bis heute keine zugelassenen Gegenmittel wie im Fall des Zaire-Ebola-Virus. Vielversprechender Impfstoff frühstens in 6 Monaten verfügbar Mehrere Forschungsteams arbeiten derzeit an Impfstoffen gegen Bundibugyo. Als aussichtsreicher Kandidat gilt derzeit ein Impfstoff mit dem Namen rVSVΔG/BDBV-GP, der ursprünglich von der University of Texas entwickelt wurde1. Die WHO rechnet allerdings damit, dass erste größere Tests und verfügbare Dosen frühestens in sechs bis neun Monaten möglich sein könnten. „Einer der vielversprechendsten Impfstoffkandidaten ist der Vektorimpfstoff rVSV-Bundibugyo, der die gleiche Impfstoff-Plattform des für den Menschen harmlosen vesikulären Stomatitis-Virus (VSV) nutzt, die auch dem zugelassenen Impfstoff Ervebo gegen Ebola (Zaire) zugrunde liegt“, sagt … „Hier liegen vielversprechende präklinische Wirksamkeitsdaten im Affenmodell vor mit sehr guter Schutzwirkung gegen das Bundibugyo-Virus. Dieser Impfstoff könnte – wie der schon zugelassene Impfstoff – als Einmaldosis in Ringvakzinierungen eingesetzt werden.“ Bessere Schnelltests für die Diagnostik Parallel dazu arbeitet die Oxford Vaccine Group gemeinsam mit dem Serum Institute of India an einem zweiten Impfstoff auf Basis der ChAdOx1-Technologie – jener Technik, die bereits beim Corona-Impfstoff von Astrazeneca genutzt wurde2. Dieses Präparat könnte schneller in erste Studien gehen, allerdings fehlen bislang umfangreiche Daten zur Wirksamkeit. Ob ein ausreichend geprüftes Vakzin noch im Laufe des aktuellen Ebola-Ausbruchs breit verabreicht werden könnte, ist daher fraglich. „Impfungen haben bei früheren Ausbrüchen geholfen, aber müssen eben für alle relevanten Varianten entwickelt und vorgehalten werden“, erklärt Prof. Claudia Denkinger, Leiterin der Abteilung für Infektions- und Tropenmedizin am Universitätsklinikum Heidelberg. Sie betont deshalb insbesondere die Bedeutung der Diagnostik: „Viele afrikanische Länder verfügen über eigene Kapazitäten zur Ebola-Diagnostik, was eine enorme Verbesserung gegenüber früheren Ausbrüchen darstellt, aber für weniger häufige Varianten muss dies schnell adaptiert werden. Antigen-Tests sind aktuell nicht ausreichend sensitiv. Das heißt, es braucht bessere Schnelltests. Idealerweise auch von leichter zugänglichen Proben.“ Bedingungen vor Ort „denkbar schlecht“ Hinzu kommt die schwierige Sicherheitslage: Bewaffnete Gruppen kontrollieren Teile der betroffenen Regionen. Gesundheitshelfer berichten von Angriffen auf Kliniken, fehlendem Schutzmaterial und blockierten Straßen. WHO-Chef Tedros Adhanom Ghebreyesus forderte deshalb eine Waffenruhe im Osten der DRK. Ohne sicheren Zugang könne die Ausbreitung kaum gestoppt werden. „Die Bedingungen in der Ausbruchsregion sind aber denkbar schlecht“, meint auch PD Dr. Thorsten Feldt vom Universitätsklinikum Düsseldorf. „Besonders problematisch ist die Kombination aus schlechter Erreichbarkeit einzelner Regionen bei hoher Mobilität der Bevölkerung durch Bergbauaktivitäten, bewaffneten Konflikten mit Fluchtbewegungen und ohnehin schon schwachem und überlastetem Gesundheitssystem.“ Erschwerend hinzu komme das Misstrauen der Bevölkerung gegenüber staatlichen oder internationalen Hilfsteams, ergänzt Feldt. „Dies kann auch dazu führen, dass sich Infizierte bewusst von den Isolations- und Behandlungsangeboten fernhalten. Durch die Nähe zu Landesgrenzen und die Mobilität von Arbeitskräften ist das Risiko, dass Fälle in weitere Regionen oder Nachbarländer getragen werden, hoch.“ Um das zu verhindern, hätten Uganda und Ruanda ihre Grenzen zum Kongo temporär geschlossen. Laut Feldt könnte das jedoch zu inoffiziellen Grenzübertritten führen und die Bekämpfung sowie Nachverfolgung des Virus eher erschweren. Zwar habe das Land durch frühere Ausbrüche viel Erfahrung gesammelt. Diese hätten allerdings auch gezeigt, dass eine frühe Erkennung der Ausbrüche maßgeblich zur Bekämpfung beigetragen habe, erklärt Feldt. In der Folge seien Infektionsketten effektiv identifiziert und Infizierte sowie Kontaktpersonen isoliert worden. Der aktuelle Ausbruch sei hingegen lange unentdeckt geblieben. „Durch die hohen Fallzahlen mit erheblicher Dunkelziffer und die weite Verbreitung ist die Ausbruchsbekämpfung extrem schwierig geworden“, so Feldt. Gefahr auch für Deutschland? Einem in Deutschland an der Berliner Charité behandelten infizierten US-Missionsarzt, der vor Ort war, geht es inzwischen wieder besser. Ohne spezifische und wirksame antivirale Therapien sei die bestmögliche supportive Behandlung entscheidend für eine bessere Prognose. „Dazu gehören engmaschige Überwachung, konsequenter Ausgleich von Flüssigkeits- und Elektrolytverlusten, Behandlung von Begleitinfektionen wie Malaria oder bakterieller Sepsis, Sauerstoffgabe und Organunterstützung“, betont Feldt. Deutschland sei für solche Fälle grundsätzlich sehr gut aufgestellt. Aber auch hierzulande seien die Kapazitäten für derartige Behandlungen begrenzt und die frühe Erkennung von importierten Fällen entscheidend, so Feldt weiter. Auch der kürzliche Hantavirus-Ausbruch habe gezeigt, dass „Wachsamkeit und eine gute Vorbereitung notwendig sind.“ „Es wird immer neue Keime geben, die mit einzelnen Patienten auch zu uns kommen“, sagt auch Denkinger. Für Deutschland sieht sie aktuell jedoch bei anderen Erregern das größere Gefahrenpotenzial, beispielsweise autochthone Dengue- und Chikungunya- oder Krim-Kongo-Virus-Ausbrüche. „Sie werden durch die Weiterausbreitung der respektiven Vektoren, also zum Beispiel Mücken oder Zecken, begünstigt. Und die Chancen für ein Super-El-Niño-Jahr steigen. Das heißt: noch mehr Hitze und bessere Ausbreitungsbedingungen. Das letzte Mal, als das war, hat sich das West-Nil-Virus in Deutschland etabliert.“ (mkl/BIERMANN) Referenzen: [1] Woolsey C et al. (2023): A Recombinant Vesicular Stomatitis Virus–Based Vaccine Provides Postexposure Protection Against Bundibugyo Ebolavirus Infection. The Journal of Infectious Diseases. DOI: 10.1093/infdis/jiad207. [2] University of Oxford (22.05.2026): Statement on vaccine efforts relating to the Bundibugyo Ebolavirus outbreak in the DRC. Pressemitteilung.
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