Zi-Trendreport: Weiter hohe Nachfrage nach Psychotherapie20. Juli 2026 Psychotherapeuten verzeichneten im Jahr 2025 rund 14,6 Millionen Behandlungsfälle – ein Plus von 3,6 Prozent gegenüber 2024. (Foto: © okrasiuk – stock.adobe.com) Bei insgesamt weitgehend konstant gebliebener Inanspruchnahme der ambulanten Versorgung hat die Zahl der Behandlungsfälle in Psychotherapie und Psychiatrie im Jahr 2025 deutlich zugenommen. Weniger Fälle haben hingegen Kinder- und Jugendärzte behandelt. Das geht aus aktuellen Zahlen des Zentralinstituts für die kassenärztliche Versorgung (Zi) hervor. Bei den einzelnen Versorgungsbereichen verzeichneten die Psychotherapie und Psychiatrie mit 14,6 Millionen Behandlungsfällen erneut den stärksten Anstieg (+3,6 %). Besonders dynamisch entwickelte sich dem Zi zufolge die Gruppentherapie: Ihre Zahl stieg gegenüber 2024 um 23,6 Prozent auf 464.000, während die Einzeltherapien nochmals um 0,9 Prozent auf 4,4 Millionen zunahmen. Damit setze sich der seit Jahren anhaltende Aufwärtstrend in der ambulanten psychotherapeutischen Versorgung unvermindert fort, erklärte das Zi. Gleichzeitig zeige der aktuelle Trendreport, dass auch die Fallzahlen in der Kinder- und Jugendpsychiatrie sowie bei den nichtärztlichen Psychotherapeuten erneut überdurchschnittlich zugenommen haben. StarkerAnstieg der Fallzahlen bei Neurologen un Psychiatern Insgesamt wurden im Jahr 2025 durch Fachärzte 330 Millionen Behandlungsfälle abgerechnet (+0,6 %), von denen Hausärzte (187 Mio.) und Kinder- und Jugendärzten (27 Mio.) den größten Anteil erbracht hatten. Zu den Fachgruppen mit den deutlichsten relativen Zunahmen der Fallzahlen gehören insbesondere Neurologen (+5,3 %), Strahlentherapeuten (+5,3 %), Endokrinologen (+4,8 %) und Psychiater (+3,2 %). Die stärksten relativen Fallzahlverluste sind bei den Fachärzten für Nervenheilkunde (−6,6 %), den Internisten ohne Schwerpunkt (−3,8 %), den Kinder- und Jugendärzten (−3 %) und den Anästhesisten (−3 %) zu erkennen.Stark angestiegen sind die vertragsärztlich dokumentierten Schutzimpfungen: So wurden 2025 10,7 Millionen Influenza-Impfungen (+750.000; +7,5 %), 3,5 Millionen COVID-19-Impfungen (+56.000; +1,6 %) sowie 25,8 Millionen sonstige Schutzimpfungen (+3,6 Mio.; +16,4 %) erbracht. Damit sei die Bedeutung der vertragsärztlichen Praxen für die Umsetzung von Impfempfehlungen und Präventionsmaßnahmen weiter stark angewachsen, erklärte das Zi. Videosprechstunde weiter im Aufwind, weniger Besuche beim ärztlichen Bereitschaftsdienst Einen anhaltenden Aufwärtstrend verzeichnet das Institut auch bei der Videosprechstunde. Mit 3,2 Millionen Videosprechstunden wurden 2025 fast so viele telemedizinische Konsultationen abgerechnet wie auf dem Höhepunkt der COVID-19-Pandemie. Anders als damals werde die Videosprechstunde heute jedoch wesentlich breiter eingesetzt, erklärte das Zi: Während zur Corona-Pandemie vor allem psychotherapeutische Leistungen auf Video umgestellt wurden, entfielen 2025 bereits 51,4 Prozent aller Videosprechstunden auf Hausärzte, während der Anteil der Psychotherapeuten auf 33,3 Prozent zurückging. Der größte absolute Zuwachs entfiel ebenfalls auf die Hausarztpraxen, die den Anteil ihrer Videosprechstunden gegenüber dem Vorjahr um mehr als 292.000 Fälle (+21,2 %) steigerten. Demgegenüber setzt sich der strukturelle Rückgang der Besuche im organisierten ärztlichen Bereitschaftsdienst fort. Mit 851.000 Besuchen wurden 2025 rund 9,3 Prozent weniger Fahrdienste abgerechnet als im Vorjahr. Besonders deutlich fiel der Rückgang lau Zi im zweiten Halbjahr aus: Im dritten Quartal sank die Zahl der Besuche um 16,4 Prozent, im vierten Quartal sogar um 17,1 Prozent gegenüber dem jeweiligen Vorjahresquartal. GKV-Spargesetzt setzt das falsche Signal „Die von uns ganz aktuell ausgewerteten Leistungsdaten zeigen eindrucksvoll, dass die ambulante Versorgung ihre Leistungsfähigkeit kontinuierlich weiterentwickelt. Gleichzeitig machen sie aber auch deutlich, dass gesundheitspolitische Reformen stärker an der tatsächlichen Versorgungspraxis ausgerichtet werden müssen. So steigt die Inanspruchnahme psychotherapeutischer Leistungen seit einigen Jahren immer dynamischer an. Gleichzeitig hat die Bundesregierung gerade erst beschlossen, die Vergütungszuschläge für Kurzzeittherapien zu streichen und psychotherapeutische Leistungen wieder vollständig zu budgetieren. Versorgungspolitisch ist das das völlig falsche Signal. Wer Versorgungskapazitäten in einem Bereich mit dauerhaft wachsendem Bedarf beschneidet, riskiert längere Wartezeiten und verschlechtert den Zugang für hilfsbedürftige Patienten“, warnte der Zi-Vorstandsvorsitzende Dr. Dominik von Stillfried anlässlich des am Freitag verabschiedeten GKV-Spargesetzes.Auch die aktuellen Zahlen zum Bereitschaftsdienst seien ein wichtiger Hinweis für die laufende Reform der Akut- und Notfallversorgung, so von Stillfried weiter: „Seit Jahren gehen die Fahrdienstbesuche im organisierten Bereitschaftsdienst kontinuierlich zurück. Dahinter stehen Veränderungen der Inanspruchnahme aber auch Verlagerungen in Bereitschaftspraxen und auf telemedizinische Leistungen. Diese Entwicklung sollte bei der Ausgestaltung einer zukünftigen Notfallversorgung berücksichtigt werden. Ob ein flächendeckend rund um die Uhr vorzuhaltender Fahrdienst, also auch während der Praxisöffnungszeiten, wirtschaftlich und medizinisch sinnvoll ist, muss in jedem Bereitschaftsdienstbezirk kritisch geprüft werden. Der deutliche Ausbau der Videosprechstunde zeigt, dass digitale Versorgungsangebote auch im hausärztlichen Bereich zunehmend eine sinnvolle Alternative bieten oder Hausbesuche durch Praxisassistenten ergänzen können.“
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