Kindliche Myopie: HAL-Brillengläser bremsen Progression3. September 2026 Symbolbild.© Syda Productions-stock.adobe.com Hochasphärische (HAL) Brillengläser können bei Kindern sowohl die Myopieprogression als auch die Zunahme der Achslänge deutlich bremsen. Darauf deutet eine randomisierte klinische Studie aus den USA hin. In Studien mit asiatischen Kindern haben sich HAL-Brillengläser bereits als wirksam erwiesen. Frühere Untersuchungen waren unter anderem in China und Vietnam durchgeführt worden. Ob sich die Ergebnisse auf westliche Populationen übertragen lassen, war bislang jedoch unklar. In der jetzt in der Fachzeitschrift „JAMA Ophthalmology“ publizierten Studie wurden HAL-Brillengläser bei 159 Kindern an neun US-amerikanischen Zentren untersucht. Die Studie wurde von Essilor International finanziert, dem Hersteller der untersuchten Brillengläser. Vergleich von HAL- und Einstärken-Brillengläsern Die in die Studie eingeschlossenen Kinder waren zwischen sechs und 12 Jahre alt (im Mittel 9,7 Jahre) und hatten ein manifestes sphärisches Äquivalent (SER) von -0,75 bis -4,50 dpt. Sie erhielten randomisiert im Verhältnis 1:1 entweder HAL- oder konventionelle Einstärken-Brillengläser (Kontrollgruppe). Als primäre Endpunkte dienten die Veränderungen des zykloplegischen sphärischen Äquivalents (cSER) und die Achslänge nach 24 Monaten. Von den 159 randomisierten Kindern schlossen 135 (84,9%) die 24-monatige Nachbeobachtung ab. Zu Studienbeginn betrug das mittlere cSER -2,21 dpt in der HAL-Gruppe und -2,05 dpt in der Kontrollgruppe. Nach 24 Monaten hatte sich das cSER unter HAL im adjustierten Mittel um -0,25 dpt verändert, unter Einstärken-Brillengläsern um -0,90 dpt. Die adjustierte Differenz betrug 0,64 dpt (95%-KI 0,50-0,79; p<0,001). Dies entsprach einer relativen Reduktion der Myopieprogression um 71%. Axiale Verlängerung durch HAL-Brillengläser reduziert Auch die Zunahme der Achslänge fiel unter HAL geringer aus. Die mittlere Achslänge lag zu Studienbeginn bei 24,26 mm in der HAL- und bei 24,32 mm in der Kontrollgruppe. Nach 24 Monaten hatte sie im adjustierten Mittel um 0,21 beziehungsweise 0,45 mm zugenommen. Die Differenz betrug -0,24 mm (95%-KI -0,29 bis -0,19; p<0,001), entsprechend einer relativen Reduktion der axialen Längenzunahme um 53%. Bei der bestkorrigierten Fernsehschärfe zeigte sich nach 24 Monaten kein Unterschied zwischen den Gruppen. Die mittlere Differenz betrug -0,01 logMAR (95%-KI -0,02 bis 0,00; p=0,23). Bei keinem Kind verschlechterte sich die bestkorrigierte Sehschärfe gegenüber dem Ausgangswert um mehr als eine Zeile. HAL-Brillengläser nicht weniger verträglich Hinsichtlich der Verträglichkeit ergaben sich keine relevanten Unterschiede. Augenassoziierte unerwünschte Ereignisse traten bei neun Kindern der HAL-Gruppe und 12 Kindern der Kontrollgruppe auf. Keines davon war schwerwiegend oder stand im Zusammenhang mit den Brillengläsern. Insgesamt wurden unter HAL 19 und unter Einstärken-Brillengläsern 25 subjektive Beschwerden dokumentiert. Die Studienautoren sehen in den Ergebnissen einen Beleg für die Sicherheit und Wirksamkeit der HAL-Brillengläser zur Myopiekontrolle bei Kindern. Allerdings sei die Beobachtungsdauer von zwei Jahren für eine Myopietherapie im Kindesalter relativ kurz. Längerfristige Daten sollen zeigen, ob der Effekt anhält. (nec/BIERMANN)
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