Retinopathia pigmentosa: Licht am Ende des Tunnels

KI-generiertes Bild von einer konzentrischen Gesichtsfeldeinengung mit Tunnelblick Blick auf eine Straße mit mehreren Autos voraus.

Für Patienten mit fortgeschrittener Retinopathia pigmentosa (RP) fehlten bisher therapeutische Optionen. Eine offene, nicht-randomisierte Studie aus einem einzelnen Zentrum (ChiCTR2200062174) zeigt nun, dass mittels Optogenetik möglicherweise ein völlig neuer Therapieansatz gefunden wurde.

Im Zentrum steht die optogenetische Therapie UGX-201. Diese schleust mittels eines Adeno-assoziierten Virus-2-Vektors (Variante 7m8) ein rekombinantes chimäres Opsin direkt in die retinalen Ganglienzellen ein. Die Idee hinter dieser Therapie: Wenn die eigentlichen Photorezeptoren bereits zugrunde gegangen sind, könnten nachgeschaltete Netzhautzellen die Aufgabe der Lichtwahrnehmung übernehmen.

Neun Patienten mit fortgeschrittener nicht-syndromaler RP erhielten im Rahmen der Studie eine einzelne intravitreale Injektion von UGX-201 (1,5 × 10¹¹ µg) in jeweils ein Auge. Die Patienten wurden je nach Ausgangs-Sehfunktion in zwei Kohorten unterteilt: sechs Patienten mit Lichtscheinwahrnehmung (LP) und drei ohne Lichtwahrnehmung (NLP). Über mindestens 52 Wochen erfolgten umfassende ophthalmologische und systemische Sicherheitsuntersuchungen. Zusätzlich fanden Struktur- und Funktionsprüfungen des Sehvermögens statt.

Sicher und überraschend wirksam

Während der gesamten 52-wöchigen Nachbeobachtung traten keine schwerwiegenden okulären oder systemischen unerwünschten Ereignisse auf. Die eigentlich bemerkenswerten Ergebnisse betreffen allerdings die Entwicklung der Sehfunktion. In der LP-Kohorte verbesserte sich der mittlere bestkorrigierte Visus der behandelten Augen (gemessen mit dem Freiburg Visual Acuity and Contrast Test) bis Woche 52 um 0,30 logMAR. Ein Teilnehmer zeigte sogar eine deutliche Verbesserung im Full-Field-Stimulus-Threshold-Test.

Auch die Lebensqualität besserte sich messbar. Der Gesamtscore des NEI VFQ-25-Fragebogens stieg in der LP-Kohorte bis Woche 52 um 3,72 Punkte gegenüber dem Ausgangswert.

Noch eindrücklicher fiel das Ergebnis in der NLP-Kohorte aus. Bei allen drei Patienten, die zu Beginn der Studie keine Lichtscheinwahrnehmung mehr aufgewiesen hatten, kehrte die Lichtwahrnehmung nach zwei, vier beziehungsweise 24 Wochen im behandelten Auge zurück. Bei zwei der drei Patienten blieb diese Lichtwahrnehmung auch bis zum Studienende in Woche 52 erhalten.

Hoffnung für austherapierte Patienten

UGX-201 zeigte in dieser kleinen Studie ein günstiges Sicherheitsprofil und wurde von den Patienten mit fortgeschrittener nicht-syndromaler RP gut vertragen. Bemerkenswert war, dass in beiden Kohorten unabhängig von der Ausgangssehfunktion Verbesserungen der Sehschärfe beobachtet wurden. Diese waren anhaltend und klinisch bedeutsam. Die Ergebnisse unterstreichen das Potenzial von UGX-201 als mutationsunabhängige Erstlinien-Behandlungsoption für Patienten mit fortgeschrittener nicht-syndromaler RP. Weitere Studien mit größeren Kohorten werden allerdings noch benötigt.

(ak/BIERMANN)