Neue S3-Leitlinie zu Harnrückfluss im Kindes- und Jugendalter3. September 2026 Foto: © Nadzeya – stock.adobe.com Die kontrastverstärkte Miktionsurosonographie erweitert die diagnostischen Möglichkeiten bei Erkrankungen der ableitenden Harnwege im Kindes- und Jugendalter. Mit der neuen S3-Leitlinie „Kontrastverstärkte Miktionsurosonographie im Kindes- und Jugendalter“ erhält das Verfahren nun eine wichtige evidenzbasierte Grundlage. Bei der kontrastverstärkten Miktionsurosonographie (MUS) wird über einen dünnen Katheter Ultraschallkontrastmittel mit winzigen Gasbläschen in die Harnblase eingebracht. Im Ultraschall kann dann beobachtet werden, ob Urin entgegen der normalen Flussrichtung aus der Blase in die Harnleiter und bis zu den Nieren zurückfließt. Dieser vesikoureterorenale Reflux ist insbesondere bei Kindern mit wiederkehrenden Harnwegsinfektionen, angeborenen Auffälligkeiten des Harntraktes oder entsprechenden Ultraschallbefunden von Bedeutung. Wiederholte Nierenbeckenentzündungen können Narben im Nierengewebe hinterlassen und langfristig dessen Funktion beeinträchtigen. Diagnostik ohne Strahlen „Ein wesentlicher Vorteil der kontrastverstärkten MUS ist, dass sie vollständig ohne ionisierende Strahlung auskommt“, erklärt Prof. Hans-Joachim Mentzel, Leitlinienkoordinator und Leiter der Sektion Pädiatrie der Deutschen Gesellschaft für Ultraschall in der Medizin (DEGUM). Zwar konnte die Strahlendosis der Röntgen-Miktionszysturethrographie (MCU) durch technische Weiterentwicklungen in den vergangenen Jahren reduziert werden. Dennoch befinden sich bei dieser Untersuchung die besonders strahlenempfindlichen Keimdrüsen – Eierstöcke beziehungsweise Hoden – im Strahlenfeld. „Auch Eltern und Sorgeberechtigte bevorzugen die strahlenfreie Ultraschalluntersuchung, wenn beide Verfahren für die jeweilige diagnostische Fragestellung geeignet sind“, weiß Mentzel. Darüber hinaus kann mit der MUS kontinuierlich beobachtet werden, was während der Füllung der Harnblase und beim Wasserlassen geschieht. Die Röntgen-MCU erfasst dagegen nur einzelne Momente. Auch Veränderungen der Harnblase und der Harnröhre können mit Ultraschall dargestellt und beurteilt werden. Damit liefert die MUS über die reine Refluxdiagnostik hinaus wichtige Informationen über die ableitenden Harnwege. Erfahrung und Ausbildung sind entscheidend „Die Qualität der Untersuchung hängt wesentlich von der Erfahrung der Untersuchenden ab“, betont Mentzel. Die S3-Leitlinie sieht deshalb vor, dass Ärztinnen und Ärzte zuvor entsprechende theoretische und praktische Erfahrungen erwerben – unter anderem im Rahmen DEGUM-zertifizierter Module und Hospitationen. Mit zunehmender praktischer Erfahrung könnten auch ein intrarenaler Reflux sowie krankhafte Veränderungen der Harnröhre wie Harnröhrenklappen sicher erkannt werden. „Eine strukturierte Ausbildung und permanente Weiterbildung sind entscheidend, damit die Vorteile der kontrastverstärkten Miktionsurosonographie im klinischen Alltag zuverlässig genutzt werden können“, betont Mentzel. Vorgestellt wird die Miktionsurosonographie auch beim 49. Dreiländertreffen der deutschsprachigen Ultraschallgesellschaften vom 23. bis 26. September 2026 in Mainz. S3-Leitlinie stärkt den Stellenwert der Methode Die neue S3-Leitlinie definiert fachliche und gerätetechnische Voraussetzungen und gibt evidenzbasierte Empfehlungen für die Durchführung und Auswertung der Untersuchung. Zugleich zeigt sie auf, bei welchen Fragen weiterer Forschungsbedarf besteht. Erarbeitet wurde sie unter Koordination von Mentzel mit Vertretern der konservativen und operativen Kinder- und Jugendmedizin – darunter Nephrologie, Urologie und Chirurgie – sowie der Kinder- und Jugendradiologie. „Die kontrastverstärkte Miktionsurosonographie verbindet eine hohe diagnostische Aussagekraft und Sicherheit mit dem entscheidenden Vorteil, dass Kinder keiner ionisierenden Strahlung ausgesetzt sind“, erklärt Mentzel. „Die Aufnahme des Verfahrens als S3-Leitlinie in das Register der Arbeitsgemeinschaft der Wissenschaftlichen Medizinischen Fachgesellschaften (AWMF) ist ein wichtiger Meilenstein für eine moderne, kindgerechte Diagnostik.“ Auch auf der Abrechnungsebene hat sich die Entwicklung fortgesetzt: Die kontrastverstärkte MUS wird im aktuellen Entwurf der vom Deutschen Ärztetag 2025 verabschiedeten neuen Gebührenordnung für Ärzte (GOÄ) berücksichtigt.
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