EDENT1FI: Bereits 100.000 Teilnehmende auf frühe Stadien von Typ-1-Diabetes getestet

Mit einem wenig invasiven Bluttest lässt sich Typ-1-Diabetes bereits im vorklinischen Stadium entdecken. (Foto: © Aleksey Khripunkov – stock.adobe.com)

Im Forschungsprojekt EDENT1FI („European action for the Diagnosis of Early Non-clinical Type 1 diabetes For disease Interception“) sind bereits 100.000 Kinder und Jugendliche auf frühe Stadien von Typ-1-Diabetes getestet sowie Screening-Programme in Tschechien, Polen und Portugal aufgebaut worden.

Eine verzögerte Diagnose und Behandlung des Typ-1-Diabetes kann zu lebensbedrohlichen medizinischen Notfällen führen. Ein einfacher Bluttest kann die Stoffwechselerkrankung bereits in frühen Stadien erkennen, indem Inselautoantikörper nachgewiesen werden. Damit wird die Autoimmunaktivität sichtbar gemacht, lange bevor erste Symptome auftreten. Die frühzeitige Erkennung eröffnet entscheidende Möglichkeiten für kontinuierliches Monitoring, rechtzeitige Interventionen und verbesserte Ergebnisse für Patient:innen.

EDENT1FI wurde 2023 mit dem Ziel gestartet, Screening und Monitoring von Typ-1-Diabetes in Europa zu etablieren. Aufbauend auf der Grundlage und dem Erfolg der Fr1da-Studie, die das Screening auf frühe Stadien von Typ-1-Diabetes erstmals in Bayern etabliert hat, hat EDENT1FI Screening-Programme in Tschechien, Polen und Portugal aufgebaut und bestehende Initiativen in Deutschland, Italien, dem Vereinigten Königreich, Dänemark und Schweden gestärkt.

Rund 6500 Kinder und Jugendliche werden pro Monat untersucht

„Obwohl zunächst unklar war, ob die in Deutschland durch die Fr1da-Studie entwickelten Screening-Prinzipien auch erfolgreich auf Regionen mit ganz unterschiedlichen Gesundheitssystemen übertragbar sind, haben sich diese Programme bereits als äußerst erfolgreich erwiesen. Der Erfolg von EDENT1FI zeigt, dass ein Screening auf frühe Stadien von Typ-1-Diabetes in ganz Europa effektiv umgesetzt werden kann“, resümiert Anette-Gabriele Ziegler, leitende Co-Koordinatorin von EDENT1FI, Leiterin des Arbeitspakets 1 (Screening), wissenschaftliche Leiterin der Fr1da-Studie sowie Direktorin des Instituts für Diabetesforschung bei Helmholtz Munich und Inhaberin des Lehrstuhls für Diabetes und Gestationsdiabetes am TUM Universitätsklinikum.

Die Screening-Settings variierten von Land zu Land: Die Programme wurden in der Primärversorgung, in Krankenhäusern, Schulen und in Privathaushalten durchgeführt. Trotz dieser Unterschiede gelang es EDENT1FI, den Nachweis von Inselautoantikörpern zu harmonisieren und die Datenerfassung sowie -verarbeitung länderübergreifend zu standardisieren. Zusätzlich wurden zentrale Labore eingerichtet und umfassende Qualitätskontrollen etabliert. So konnten bislang mehr als 100.000 Kinder und Jugendliche untersucht werden – bei einer Screening-Rate von etwa 6500 Teilnehmenden pro Monat.

„Die Ausweitung der Screening-Programme auf weitere europäische Länder wird dazu beitragen, mehr Kinder vor schweren Stoffwechselentgleisungen zu schützen, die häufig mit einer späten Diagnose von Typ-1-Diabetes einhergehen“, ist Prof. Peter Achenbach, stellvertretender Direktor des Instituts für Diabetesforschung bei Helmholtz Munich und Wissenschaftler im Studienteam von Fr1da und EDENT1FI in Deutschland, überzeugt.

Unterstützung für Kinder und Jugendliche mit frühem Typ-1-Diabetes

Für die Teilnahme am Screening-Programm sind nur wenige Tropfen Blut erforderlich. Familien erhalten während des gesamten Prozesses umfassende Beratung und Unterstützung. Kinder und Jugendliche, bei denen Typ-1-Diabetes im Frühstadium festgestellt wird, werden regelmäßig nachuntersucht und über Möglichkeiten frühzeitiger Intervention informiert. Ziel ist es, Familien Wissen zu vermitteln und Hilfsmittel bereitzustellen, um Belastungen bei Auftreten des klinischen Diabetes zu verringern und sie im Umgang mit der Erkrankung zu unterstützen. Insgesamt plant EDENT1FI, 220.000 Kinder und Jugendliche aus der allgemeinen Bevölkerung in Europa zu untersuchen, um präsymptomatischen Typ-1-Diabetes frühzeitig zu erkennen.

„100.000 gescreente Kinder zu erreichen ist ein wichtiger Meilenstein für die Diagnose von Typ-1-Diabetes im Frühstadium. Angesichts neu zugelassener und zukünftiger krankheitsmodifizierender Therapien gewinnt eine frühzeitige Diagnose zusätzlich an Bedeutung. Dieser Erfolg zeigt, wie internationale Zusammenarbeit die Versorgung von Menschen mit Typ-1-Diabetes verändern kann“, erklärt Prof. Chantal Mathieu, leitende Co-Koordinatorin von EDENT1FI und Professorin an der Fakultät für Medizin der KU Leuven (Belgien).

Neue Therapie unterstreicht die Bedeutung der Früherkennung

Im Januar 2026 wurde der immunmodulierende Wirkstoff Teplizumab in Europa für Kinder ab acht Jahren mit präsymptomatischem Typ-1-Diabetes (Stadium 2) zugelassen. Diese Zulassung verdeutlicht die Bedeutung von Früherkennungsprogrammen wie EDENT1FI. Eine frühe Diagnose ermöglicht es Familien und behandelnden Ärzten, Therapien wie Teplizumab in Betracht zu ziehen, um den Ausbruch der Erkrankung zu verzögern. Weitere Therapien, die den Beginn von Typ-1-Diabetes verhindern oder hinauszögern könnten, werden derzeit in klinischen Studien untersucht.

Über EDENT1FI

EDENT1FI ist eine gemeinsame Initiative von 27 Partnerorganisationen aus Wissenschaft, Industrie und gemeinnützigen Organisationen aus 13 europäischen Ländern. Das Projekt wird von der Innovative Health Initiative (IHI) im Rahmen von Horizon Europe gefördert und erhält zusätzlich Unterstützung durch den Helmsley Charitable Trust, Breakthrough T1D sowie weitere Partnerorganisationen.